Direkt zum Inhalt

Ein Bürogebäude mit Hochregallager, Produktionshalle und Werkzeugbau für Brandauer, geplant von der Tiroler  BM. Patrick Weber GmbH + Co. KG.

„Man sieht, wie es wächst“

22.08.2016

Planende Baumeister sind noch immer rar – dennoch beweisen ihre Projekte, dass sie sich nicht zu verstecken brauchen.

Egal ob Wohnbau, Gewerbebau oder wie hier der Kindergarten Röthis – auch bei Architektur.Terminal plant der Baumeister.

Noch immer werden Baumeister oft auf ihre ausführenden Tätigkeiten reduziert. Dabei erlangen diese mit der vollen Baumeisterberechtigung auch die Möglichkeit, Planungen­ durchzuführen, und haben gegenüber Architekten oftmals den Vorteil ihres praxisbezogenen Hintergrunds. Ein Fakt, den ­planende Baumeister bewusst nutzen.

Verschiedene Ansätze

„Bei mir war der Schritt zur Planung bewusst und gezielt“, erklärt Martin Hackl, Geschäftsführer des Vorarlberger Architektur.Terminal. „Ich war schon immer davon fasziniert, ein Projekt von Anfang bis zum Ende zu begleiten und in Zusammenarbeit mit dem Bauherrn das bestmögliche Konzept auszuarbeiten sowie es umzusetzen.“ Dabei profitiere er von seiner HTL-Ausbildung sowie die damit in Zusammenhang stehenden Praktika und Berufserfahrungen. „Gleichzeitig habe ich aber auch in Architektenbüros gearbeitet, um meiner Leidenschaft für das Planen nachzukommen“, so Hackl. „Der Schritt, die Baumeisterprüfung zu machen, um selber planerisch tätig sein zu können, war für mich die logische Konsequenz.“ Vorbilder gebe es dabei aber nicht, wobei jedes gutgeplante und architektonisch wertvolle Projekt als Inspiration dienen kann.

Einen ähnlichen Zugang zum Thema Planen hat Patrick Weber. Auch für den Teamleiter der Tiroler BM. Patrick Weber GmbH + Co. KG liegt ebenfalls in der durchgehenden Begleitung der Projekte die Faszination des Planens. „Man betreut das Gebäude von den ersten Ideen, die gemeinsam mit dem Bauherrn entwickelt werden, bis hin zur Fertigstellung“, erklärt Weber. „Es ist definitiv jedes Projekt aufs Neue eine Herausforderung, aber es gibt kaum etwas Schöneres als zuzusehen, wie es täglich wächst.“ Angefangen habe er mit kleineren Projekten wie Einfamilien- und Doppelhäusern, mittlerweile macht seine Firma ausschließlich Planung und Baumanagement. „Man wächst fast automatisch an den Projekten mit, persönlich und auch im Unternehmen“, so Weber. „Man lernt also besser schnell oder gibt es gleich wieder auf.“ Vor allem Gewerbe- und Industriebauten ermöglichten es ihm rasch, größere Projekte umzusetzen, da Architekten in diesem Bereich oftmals die Funktionalität oder die Baukosteneffizienz vermissen ließen. Anfänglich seien vor allem das Wissen um Vorschriften und Auflagen herausfordernd gewesen, dafür erwies sich die praktische Erfahrung bei der Umsetzung von Projekten sowie das Wissen über gewerbliche Abläufe als großer Vorteil.

Vorsprung durch Praxis

Geht es um die Vorteile im Bereich der Planung, zeigen sich die beiden Baumeister einig. Planungssicherheit, die Einhaltung von Fristen und Kostentreue sind wesentliche Eckpfeiler jedes Bauprojekts – diese könne man mit genügend praktischer Erfahrung einfach besser einschätzen und bewerkstelligen. „Man ist als Baumeister sicherlich zu einem großen Teil kostenbewusster“, meint Weber. „Vor allem die Nähe zu den ausführenden Gewerben sowie das Wissen um deren Herausforderungen und Problemstellungen erleichtert auch die Planung.“ Der Vorteil liege im Wissen über den Weg der Umsetzung. 

Dennoch kann dies auch ein wenig hinderlich sein, stellt Martin Hackl fest. „Man muss aufpassen, dass man sich dadurch nicht zu sehr in seiner Kreativität einschränken lässt“, so der Baumeister. „Ein frischgebackener Absolvent der Architektur geht da vielleicht ein Stück befreiter, unbekümmerter an die Planung.“ Unter anderem deshalb habe er auch noch zusätzlich Architektur studiert und diesen Teil seiner Ausbildung vertieft. Eine Vertiefung, die sich in der Praxis als sehr nützlich erwiesen hat und auch abseits des planerischen vor allem im wirtschaftlichen Bereich Vorteile bringt.

Digitalisierungsstrategien

Unterschiedliche Wege gehen die beiden Baumeister jedoch im Bereich der Digitalisierung. Während man bei Architektur.Terminal noch nicht auf Building Information Modeling setzt – es stecke noch in den Kinderschuhen und man müsse nicht ohne dringende Notwendigkeit alles mitmachen, gibt man hier als Grund an –, arbeitet man bei der BM. Patrick Weber GmbH + Co. KG schon damit. „Wir versuchen, in Bezug auf Softwarelösungen immer auf dem letzten Stand zu sein, um unseren Kunden alles bieten zu können“, erzählt Weber. „BIM-Standard ist für uns hausintern kein Problem, dennoch ist es momentan noch keine wirkliche Erleichterung in der Planung.“ Probleme mache vor allem das Schnittstellenmanagement der unterschiedlichen Programme, zudem sei die langfristige Verwaltung der Daten noch herausfordernd.

Ernste Alternative

Planende Baumeister sind mittlerweile keine Seltenheit mehr und profitieren durch ihren praktischen Zugang oftmals bei ihrer Arbeit. Dennoch stehen sie vor den gleichen Herausforderungen wie ihre Kollegen und werden sich auch zukünftig der Digitalisierung der Branche stellen müssen, wenn sie es nicht jetzt 
schon tun.

Autor/in:
Christoph Hauzenberger
Werbung

Weiterführende Themen

V.l.: Geschäftsführender Vorstand Ewald Unterweger mit Aufsichtsratsvorsitzenden Franz Katlein und Vorstandsobmann Karl Macho
Aktuelles
21.11.2016

Heuer feiert die Baumeister-Kooperation Abau sein 25-jähriges Jubiläum.

Die neuen stolzen wiener Baumeister.
Aktuelles
15.03.2016

29 neue Baumeister wurden in der Landesinnung Wien in den Berufststand aufgenommen.

Bernhard Sommer, Arch+Ing-Vizepräsident, kritisiert die mangelnde Projektvorbereitung der Stadt Wien.
Aktuelles
16.02.2016

Die Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten ­kritisiert die Stadt Wien hinsichtlich ihrer Planungs- und ­Auftraggeberkultur – samt Lösungsvorschlag.

Energieoptimiertes Bauen ist in aller Munde.
Aktuelles
19.01.2016

Die IG Passivhaus Plus bietet den österreichweit ersten, modularen Handwerkerkurs mit Möglichkeit zur Personenzertifizierung nach ISO 17024 und ECVET Vorbereitung an.

Aktuelles
31.03.2015

Die Landesinnung Bau Wien gratulierte 52 Jungbaumeistern zur Baumeisterbefähigung.

Werbung