Direkt zum Inhalt

Margarete Schramböck: „Niemand wird zurückgelassen"

18.03.2020

Wie lange die Krise andauern wird, kann Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck aktuell nicht sagen, aber sie ist sicher: Der Coronavirus wird verschwinden. An welche Stellen sich Unternehmen, bis es so weit ist, wenden können und warum niemand befürchten muss zu kurz zu kommen.

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck verspricht Österreichs Unternehmen: "Niemand wird zurückgelassen."

Interview: Stephan Strzyzowski

Frau Ministerin, die Corona-Krise hat massive Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft. Mit welchen Einbußen rechnen Sie für Österreich in diesem Jahr?

Ich kann hier noch keine Größenordnung nennen. Wir konzentrieren uns gerade mit ganzer Kraft darauf Einbußen zu verhindern und den Unternehmerinnen und Unternehmern beizustehen in dieser Situation, die bestimmt die schwierigste seit dem Zweiten Weltkrieg ist.

Gibt es Betriebe oder Branchen, die Sie besonders im Blick haben?

Wir werden alle Betriebe in allen Bereichen unterstützen. Das ist ganz wichtig. Es geht nicht nur um große Leitbetriebe, sondern auch um den Mittelstand, um Kleinst-, Klein- und Mittelbetriebe, um EPU und insbesondere auch um Familienbetriebe. Sie alle werden wir unterstützen und durch diese schwierige Phase begleiten. Dabei werden wir auch nicht auf die neuen Selbstständigen vergessen, die eine besonders schwierige Situation haben. Wir werden auf der ganzen Breite helfen müssen und haben dafür ein Hilfspaket mit 38 Milliarden Euro geschnürt.

In der Baubranche herrscht aktuell noch Unsicherheit, ob der Baustellenbetrieb aufrecht erhalten werden soll. Wird es hier noch eine Klarstellung geben?

Wir haben betreffend die Baubranche bereits mit Sozialpartnern gesprochen: Diese arbeiten eine Regelung im Sinne einer einheitlichen Vorgangsweise aus. Es ist eine außergewöhnliche Situation für alle. Wir wollen natürlich auch die Bauunternehmen in dieser Situation bestmöglich schützen. Wo notwendig werden wir die entsprechenden Regelungen nachziehen.

Wie lange das soziale Leben und damit auch die Wirtschaft lahmgelegt sind, weiß noch niemand. Denken Sie, dass es bei den 38 Milliarden bleiben wird?

Die Kosten spielen bei der Bewältigung dieser Krise keine Rolle. Wir geben die Unterstützungen, die es braucht. Wir haben 4 Milliarden als Soforthilfen mobilisiert und nun weitere 25 Milliarden als Nothilfe für besonders betroffene Branchen. Darüber hinaus stehen Steuerstundungen im großen Ausmaß zur Verfügung, genau wie Garantien für Kredite. Damit wollen wir die Liquidität aufrechterhalten und möglichst viele Arbeitsplätze sichern.

Viele Unternehmen werden die diversen Unterstützungsmaßnahmen in Anspruch nehmen müssen. Wie unbürokratisch klappt die Bewilligung der Unterstützungen, die ja jetzt überwiegend digital abgewickelt werden muss?

Wir wissen etwas von der AWS, die Garantien für Unternehmen abwickelt und bereits hunderte entgegen genommen und abgewickelt hat, dass bislang alles sehr gut funktioniert. In den Institutionen sind die notwendigen Ressourcen vorhanden und die Reaktionszeiten sind sehr kurz. Aber man muss auch Verständnis haben, dass der Ansturm gerade sehr groß ist. Aber: Niemand wird zurückgelassen. Es sind genügend Mittel vorhanden.

Bei welchen Stellen können Unternehmen jetzt noch um Unterstützungen ansuchen?

Für Unternehmen gibt es folgende Wege: Sie können erstens bei der Sozialversicherung um Stundung ansuchen und ihre Bemessungsgrundlage herabsetzen lassen sowie  auch den Erlass der Verzugszinsen beantragen. Der zweite Weg führt zum AMS, um Corona-Kurzarbeit anzumelden. Der dritte zur AWS, um Garantien zu beantragen. Die Mitarbeiter sind schon gut eingearbeitet, es sollte also schnell gehen.

Besonders schlimm ist für viele Betriebe nicht nur die Lage selbst, sondern auch die Ungewissheit, die damit einhergeht. Haben Sie irgendwelche Infos, mit denen Sie Unternehmen Mut machen können, um durchzuhalten?

Die Unternehmerinnen und Unternehmern Österreichs sind sehr mutig. Wir vertrauen ihnen und sie können auch Vertrauen in uns setzen, dass wir die richtigen Maßnahmen setzen und Geld zur Verfügung stellen und sie durch diese schwierige Phase führen. Wir werden vor allem darauf achten, Maßnahmen zu setzen, um die Mitarbeiter halten zu können. Meine beste Freundin hat eine Putzerei, bei der das Team seit vielen Jahren zusammenarbeitet. Durch Corona-Kurzarbeit und die Stundung der Sozialversicherungsbeiträge vom ersten Tag an, kann sie das Team halten. Wir arbeiten konstant an Lösungen und ich bin dankbar für Inputs, wie wir etwas ändern könnten, wenn sich Fehler einschleichen. Ich bitte alle Unternehmen: Haben Sie  Vertrauen. Es wird vorüber gehen. Es ist ein Virus, der verschwinden wird. Unsere Wirtschaft war vor der Krise super und wird es danach wieder sein!

Werbung

Weiterführende Themen

Bundesspartenobfrau Renate Scheichlbauer-Schuster fordert eine Neuauflage des Handwerkerbonus.
Aktuelles
15.06.2020

Aktuelle Konjunkturdaten zeigen starke Umsatzeinbrüche in der gesamten Sparte Gewerbe und Handwerk. Spartenobfrau Renate Scheichlbauer-Schuster sieht Handlungsbedarf.

Aktuelles
15.06.2020

Welche Maßnahmen jetzt gesetzt werden müssen, damit der Weg in „New Normal“ nicht in einer Sackgasse endet und wie sich die Fertigungsindustrie jetzt gegen eine „Zweite Welle“ wappnen muss, ...

Die sieben Wochen Shutdown haben auch in der heimischen Bauwirtschaft tiefe Spuren hinterlassen. Laut aktuellem Baubarometer sehen mehr als die Hälfte der befragten Betriebe die Geschäftslage nun schlechter als noch zu Jahresbeginn.
Aktuelles
03.06.2020

Die Verunsicherung in der Branche ist groß. Das aktuelle Baubarometer der Info-Techno Baudatenbank belegt den drastischen Einbruch, der die Baubranchen nach konjunkturell sehr erfreulichen Jahren ...

„Die Förderung bei der Kurzarbeit begrüßen wir, sie ist aber zu wenig", sagt Thomas Weber, Geschäftsführer von Netzwerk Metall.
Aktuelles
18.05.2020

„Die aktuelle Unterstützung seitens der Politik ist nur vereinzelt hilfreich. Es fehlt eine zukunftsorientierte Unterstützung“, sagt Thomas Weber, Geschäftsführer von Netzwerk Metall. Das ...

Wienerberger hat sehr schnell reagiert und ein umfassendes Maßnahmenprogramm zur Bewältigung der Auswirkungen der Krise aufgelegt", sagt Vorstandsvorsitzender Heimo Scheuch.
Aktuelles
15.05.2020

Trotz eines starken ersten Quartals verzeichnet die Wienerberger AG erste negative Auswirkungen der Coronakrise. Für das Gesamtjahr 2020 rechnet man mit einem Minus von 15 bis 20 Prozent.

Werbung