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Marktorientiert in die Bau-Zukunft

26.04.2005

Marktorientiert und nicht gewerkeorientiert, der Baumeister muss zum Projektmanager werden – weg vom Thema Mauern errichten und sonst nichts – das sind nur einige Stichworte, mit dem der alte, neue Landesinnungsmeister, Stefan Hasse, skizziert werden kann. Für ihn ist Stillstand Rückschritt. Weiterbildung ist Fortschritt. Hasse sieht lebenslanges Lernen als Pflicht – deshalb will er auch die Idee des Bildungspasses realisieren. Alle Baumeister verpflichten sich damit zur ständigen Aus- und Weiterbildung. „Denn nur so werden wir stark in die Zukunft gehen. Damit einher muss sich auch die Qualität am Bau immer höherwertiger entwickeln“, so Hasse. Seine Beweggründe, noch einmal für die fünfjährige Periode für die Kollegen aus der Bauwirtschaft in Kärnten zur voranzugehen, sind klar. Für ihn ist das Engagement selbstverständlich, wenn er auch einräumt, dass diese Zeitspanne mit Sicherheit das letzte Mal ist, dass er für die Landesinnung Bau zur Verfügung steht.
In einem schnellen Rückblick hebt Hasse vor allem die Etablierung der „Schule des Bauens“ hervor, eine Initiative, die zeitgleich mit der BauAkademie vor rund sechs Jahren entstand. „Dabei kooperieren wir mit der Universität, mit der Fachhochschule bis zum Wifi – wir versuchen gemeinsam die Qualitätsanforderungen der Zukunft zu entwickeln. Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt ist für uns auch das Thema Weiterbildung, das technische Wissen muss ständig auf den neuesten Stand gebracht werden. Deshalb bieten wir ein umfassendes Weiterbildungsangebot an. Der Unterschied zu den anderen BauAkademien ist, dass in der Schule des Bauens alle am Bau Beteiligten zusammengeführt aktiv sind – nicht nur die Baumeister.“ Bei den Bildungsangeboten werden auch nicht nur Baumeister angesprochen, sondern eben die gesamte Kette der ausführend und planend agierenden Fachleute. „Österreichweit einzigartig ist bei uns auch, dass wir eine Ausbildungskooperation mit den Bau- und Zimmermeistern anbieten oder auch unsere Themenschwerpunktsetzungen, wie z. B. alles rund ums Thema Dach, die Vorträge reichen dann aber von der Bauphysik bis zur Sicherheit.“ Neben dem Ausschuss arbeiten verschiedene Arbeitskreise zu den unterschiedlichsten Themen – aus den Bereichen Recht, Soziales u. Ä., deren Arbeit das Fundament für jede weitere Entscheidung bilden.
Von der Innung aus wird aktiv Lobbying betrieben: „Wir versuchen nicht politisch zu denken, unser Vorstand deckt sich mit allen Parteien ab, dadurch haben wir gute Kontakte zu allen Baubehörden und der Informationsfluss funktioniert. Die Auftragsvergabe in Kärnten wird aufgrund unserer Initiative z. B. ab jetzt immer abgestimmt. Die Streitereien rund um das Thema Stadion Klagenfurt führten letztlich dazu, dass das Verwaltungsgebäude Klagenfurt nicht als Totalunternehmen ausgeschrieben wird – sondern einzeln in Gewerke. Das ist ein super Erfolg für uns – hier geht’s um 60 Millionen Euro Bausumme.“

Tradition und dennoch vorwärts
Die Traditionserhaltung ist in Kärnten ein wichtiger Teil der Baukultur – dies reicht von der Bauhüttenbewegung bis zum Kunstwerk Stein, der Architektur, bis hin zur Vision der modernsten Ausbildungsstätten. Der begeisterte Golfspieler Hasse ist aber vor allem davon überzeugt, dass die Qualität am Bau steigen muss: „Das werden wir nur erreichen, wenn wir uns noch stärker weiterbilden. Ich will einen Bildungspass installieren, laufendes Lernen wird zur Pflicht. Dies wird einfach notwendig sein, denn nicht zuletzt die Dienstleistungsrichtlinie wird den Wettbewerb massiv verstärken – eines der siegessicheren Kriterien wird Qualität sein.“ Laut Hasse werden die Weiterbildungsangebote noch viel zu wenig angenommen, Themen die gut ankommen, sind der Baumeister-Lehrgang und der Bauleiter-Lehrgang.

Friede zwischen BM & Architekten
Von dem alten Streit zwischen Architekten und Baumeister haltet Hasse nichts – es laufen Kooperationen mit der Fachhochschule Spittal, es gibt einen Austausch mit Vertretern der Architektur. „Die FH-Einsteiger mit der Allgemeinausbildung erhalten bei uns in der Schule des Bauens ihre praktische Ausbildung – quasi bis zur Gesellenprüfung.“
Das Berufsbild des Baumeisters muss sich auch dementsprechend verändern, so Hasse, „Management, Qualität, mehr marktorientiert und weniger gewerkeorientiert, der Markt spricht von einem Produkt, nicht von einer Mauer – das sind die zukunftsversprechenden Stichworte für den Baumeister/-manager von morgen. Baumeister müssen ihr Know-how erweitern, um auf dem Markt bestehen zu können. Sie müssen das Paket für den Bauherren von heute haben: Dieser will ein Stück Haus, in einer bestimmten Zeit und einem vereinbarten Preis – den Rest managt der Baumeister.“ Hasse sieht als eine klare Nische für Baumeister, sich wieder stärker auf ihre ursprüngliche Aufgabe zu konzentrieren – die Vermietung oder die Bauträgerschaft: „Wir sind viel zu abhängig von den Großen, es fehlt hier an Fantasie der Unternehmer.“
Als Unternehmer wie auch Unternehmens-vertreter ist Hasse ein deklarierter Gegner von Generalunternehmer- wie auch Totalunternehmerverfahren. Die Erfahrung mit dem Stadion Klagenfurt bestätigt seine Meinung: „Zu einem sehr frühen Zeitpunkt haben wir gegen das Verfahren protestiert. Doch wir wurden nicht gehört. Der für mich einzige positive Beigeschmack ist, dass das Verfahren auf die Baumeisterberechtigung abgestimmt war. Die Stimmung bei uns ist vor allem aber dadurch geprägt, dass die Bevölkerung nicht versteht, warum 60 Millionen Euro in ein Stadion investiert werden – für drei Spiele.“

Gisela Gary

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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