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Massiv im doppelten Sinn - Passivwohnhausanlage Mühlweg

04.04.2007

Ausgehend von einem durch den Wohnfonds Wien 2004 ausgelobten Bauträgerwettbewerb wurde mit der Siedlung am Mühlweg im 21. Wiener Gemeindebezirk ein auf drei Bauplätze aufgeteiltes Wohnbauprojekt initiiert, bei dem der Einsatz von Holz als konstruktiver Baustoff im mehrgeschoßigen Wohnbau im Mittelpunkt steht.

Für die Bebauung der drei Bauplätze zeichnen drei verschiedenen Bauträgergesellschaften und Architekturbüros verantwortlich. Die vom Bauträger BAI in Auftrag gegebene und nach den Plänen der Vorarlberger Architekten Helmut Dietrich und Much Untertrifaller realisierte Wohnhausanlage umfasst vier Baukörper mit insgesamt 70 Wohneinheiten und wurde in einer Bauzeit von knapp dreizehn Monaten auf dem Bauplatz C errichtet. Ziel des Bauvorhabens war es, die konstruktiven Möglichkeiten des Massivholzbaus im Rahmen eines Demonstrationsprojekts aufzuzeigen sowie unter Einhaltung der Gesamtbaukostenobergrenze des geförderten Wohnbaus eine ökologisch wie wirtschaftlich nachhaltige Bauweise auf Passivhausstandard umzusetzen. „Ohne die konstruktive Zusammenarbeit mit der KLH Massivholz GmbH bereits in der Projektentwicklungsphase und ohne das außerordentliche Engagement vonseiten der Planer und Behörden wäre dieses für die Massivholzbauweise wegweisende Bauvorhaben zu konkurrenzfähigen Kosten nicht möglich gewesen“, erläutert Georg Kogler, Projektleiter von BAI. Das Bauvorhaben wurde im Rahmen der Programmlinie Haus der Zukunft gefördert und begleitet.

Schlichte Form

Die strikten bauphysikalischen Vorgaben der Passivhausbauweise setzen dem gestalterischen Freiraum enge Grenzen. Wenn vonseiten des Bauherrn darüber hinaus ein enger Kostenrahmen vorgegeben wird, ist die architektonische Qualität ein notwendiger Kompromiss zwischen dem faktisch Machbaren und dem kreativen Potenzial der Gestaltung. Insbesondere die Vorgabe nach einem optimalen Verhältnis von umbauten Volumen und der Fläche der Gebäudehülle reduzieren die Möglichkeiten der Baukörpergestaltung auf kubische Formen. Das Vorarlberger Architekturbüro Dietrich Untertrifaller hat die Vorgaben der Passivhausbauweise formensprachlich konsequent umgesetzt und mit einfach verputzen Oberflächen den Volumen eine unaufdringliche Schlichtheit verliehen, die durch Lochfassaden eine dezente Strukturierung erfährt.
Die reduzierte Formensprache der Baukörper wird durch weit auskragende Loggien mit kleinteiliger Holzverblendung gekonnt kontrastiert und dadurch ein unaufdringliches Wechselspiel zwischen den unterschiedlichen Oberflächengestaltungen erzielt. Die in ihrer Ausformung kompakten Baukörper umfassen ein Kellergeschoß, vier Obergeschoße sowie ein von den Obergeschoßen allseitig zurückversetztes Dachgeschoß. Durch dieses aufgesetzte Holzstaffelgeschoß finden die die Hauptansicht des Baukörpers flankierenden Loggien eine formale vertikale Begrenzung.

Mischbauweise und Vorfertigung

Entsprechend den Vorschriften der 2001 in Kraft getretenen Novellierung der Wiener Bauordnung hinsichtlich fünfgeschoßiger Holzmischbauten mussten die Erdgeschoße mit einer nicht brennbaren Tragstruktur in mineralischer Bauweise ausgeführt werden. „Aus diesem Grund sind im Erdgeschoß die Innenwände, Stützen und Decken in Betonbauweise ausgeführt. Das Stiegenhaus, um das die einzelnen Wohneinheiten gruppiert sind, wurde ebenfalls bis zum vierten Obergeschoß in Beton ausgebildet. In Längsrichtung wirkt die Stiegenhauswand darüber hinaus als Gebäudeaussteifung“, erläutert Statiker Johann Riebenbauer, Geschäftsführer von JR-Consult ZT GmbH.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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