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Massiven Bauweisen auf der Spur

19.11.2010

Eine Gruppe aus Politik, Wirtschaft und aus dem Baugewerbe begab sich nach Barcelona auf Spurensuche nach massiven Bauwerken. Fazit: beeindruckende Einblicke in Architektur wie auch Einsatzmöglichkeiten.

Massive Bauten überleben auch heftige Zeiten – Langlebigkeit, Nachhaltigkeit, hohe Wertbeständigkeit und bester Brandschutz sind die Argumente, die für massive Baustoffe sprechen. Anlässlich der von der Wirtschaftskammer Oberösterreich, dem oberösterreichisch-salzburgischen Zieglerverband und dem Fachverband Steine-Keramik initiierten Studienreise nach Barcelona wurden alte wie auch neue massive Bauten besucht. Im Rahmen einer hochqualitativen Architekturführung von Hans Geilinger, guiding architects Barcelona, erhielt die Gruppe exklusive Einblicke in die Stadtentwicklung, die keinen sozialen Wohnbau kennt wie auch das Mietwohnungsgeschäft nicht praktiziert.

Unterschiedliche Verwendungsmöglichkeiten von Ziegel wurden gezeigt. Auf dem Programm standen ein Besuch in einem der olympischen Dörfer Barcelonas, heute als Wohnbauten genutzt, die in der Stadt verstreut errichtet wurden, der Wohnbau Frente Maritim, der Media-Cluster, in dem eine Universität in einem Backsteinbau, einer alten, ehemaligen Fabrik, errichtet wurde, wie auch zu Bauten aus dem katalanischen Jugendstil, der Umbau einer Textilfabrik zum Caixa Forum Museum aus der Jahrhundertwende – laut Architekturführer Hans Geilinger eines der besten Beispiele für katalanischen Backstein.
Für Aufsehen und Überraschung sorgte der Abstecher zu einem Wohnhaus von Antonio Gaudí mit einer spektakulären Natursteinfassade. Beim alten Spital Sant Pau, ebenfalls ein Ziegelbau aus dem Jahr 1880, wurden exklusive Einblicke in die zurzeit laufenden Renovierungsarbeiten gewährt. Wobei auch hier: Die Fassade zeigt sich in einem tadellosen Zustand – umso mehr ist noch in den Innenräumen zu tun. Den Abschluss bildete der Besuch des deutschen Pavillons der Weltausstellung 1929, ein beeindruckendes und zeitloses Projekt von Mies van der Rohe.

Null Energiebedarf
Heizen ist in Barcelona weniger das Thema als Kühlen, auch dabei leisten massive Baustoffe perfekte Grundbedingungen. Mit einem Augenzwinkern führte Geilinger die österreichische Gruppe vorbei an Glasbauten – sein Kommentar dazu: „Völlig daneben, ein Glasbau, in einem Land mit so viel Sonne.“ Balkone, Terrassen, großzügige Freiräume sieht man viel in Barcelona, doch aufgrund der hohen Temperaturen werden diese kaum bis wenig genutzt.

Gesamtenergieverbrauch im Fokus
Die EU-Gebäuderichtlinie verlangt, dass bis Ende 2020 alle neuen Gebäude als Niedrigstenergiegebäude errichtet werden. Martin Leitl, Bauhütte Leitl-Werke und Präsident ACR, beleuchtete in seinem kurzen Vortrag den Stand bezüglich der EU-Gebäuderichtlinie und unterstrich damit gleichzeitig den Stellenwert von Energieeffizienz: „Niedrigstenergie bedeutet eine sehr hohe, bestimmte Gesamtenergieeffizienz. Der fast bei null liegende oder sehr geringe Energiebedarf sollte zu einem ganz wesentlichen Teil durch Energie aus erneuerbaren Quellen – einschließlich Energie aus erneuerbaren Quellen, die am Standort oder in der Nähe erzeugt wird – gedeckt werden.“

Carl Hennrich, Geschäftsführer Fachverband Steine-Keramik, ist davon überzeugt, dass massive Baustoffe alle Vorgaben der EU-Gebäuderichtlinie unterstützen. „Gebäude sind die größte Emissionsquelle Europas – 40 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs der EU entfallen auf Gebäude. Bis 2020 müssen wir unsere Energieeffizienz um 20 Prozent steigern, 20 Prozent müssen darüber hinaus aus erneuerbaren Energien kommen.

Franz Hiesl, Landeshauptmann-Stellvertreter Land Oberösterreich, bekannte sich auf der Reise zu einheitlichen europäischen Regeln, warnte aber davor, dass die Anforderungen für den Neubau und die Sanierung von Gebäuden immer höher und höher werden. Im Zentrum von Hiesls Kritik stehen Vorschriften der novellierten Richtlinie, die einerseits das Wohnen massiv verteuern könnten und anderseits den Umweltschutz zu einem deutlichen Kostenfaktor machen.
„Massive Baustoffe sind die beste Voraussetzung, um nachhaltig zu bauen. Aus ökologischer Sicht strebt nachhaltiges Bauen für alle Phasen im Lebenszyklus eines Gebäudes – von der Planung, Baustoffproduktion zur Errichtung über die Nutzung und Erneuerung bis hin zum Rückbau – eine Minimierung des Verbrauchs von Energie und eine möglichst geringe Belastung der Natur an“, so Hennrich abschließend.

Gisela Gary

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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