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Mehr als nur Worte

16.04.2010

Wienerberger, einer der österreichischen Leitbetriebe, wagt eine positive Prognose. Nach umfassenden Restrukturierungen präsentiert der Baustoffhersteller zukunftsweisend den ersten Nachhaltigkeitsbericht.

Der Slogan des Wienerberger-Geschäftsberichts für das Jahr 2009 ist originell: „Diesen hätten wir uns gern gespart" – und ist zugleich Synonym für das abgelaufenen Arbeitsjahr. Denn auch der weltweit größte Ziegelproduzent und die Nummer eins bei Tondachziegel in Europa musste starke Umsatzeinbußen einstecken: Umfangreiche Restrukturierungen folgten, 195 Millionen Euro Einsparungen, u. a. 31 Werke sind zurzeit nicht in Betrieb.

Willy Van Riet, Finanzvorstand Wienerberger, erklärt: „Wir verfügen über eine starke Kapitalstruktur. Um den mittelfristigen Refinanzierungsbedarf zu reduzieren und das Fälligkeitsprofil unserer Verschuldung weiter zu verbessern, begeben wir eine neue Anleihe mit einem geplanten Volumen von bis zu 200 Millionen Euro, mit deren Erlös ein Teil der Anleihe 2005 sowie andere Verbindlichkeiten getilgt werden sollen."

Das Ziegelunternehmen verfügt über rund 56 Prozent Eigenkapital – „das ist mehr, als von den Banken verlangt wird", schmunzelt Riet – und wird zurzeit keine zusätzlichen Schulden aufnehmen. In dem krisenbedingt schwierigen Geschäftsjahr 2009 war ein Umsatzrückgang von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Das gesunkene Konsumentenvertrauen und vor allem die mangelnde Verfügbarkeit an Finanzierungen für Bauvorhaben haben zu einer deutlichen Abschwächung der Neubauaktivitäten in allen Absatzmärkten geführt. Vor allem aber traf der Rückgang im Wohnungsneubau den Ziegelhersteller.

 

Ehrliche Ökobilanz gefordert

Heimo Scheuch, Vorsitzender des Vorstandes, Wienerberger AG, ist überzeugt, dass in Zukunft nur mit Innovationen gepunktet werden kann: „Der Ziegel hat einen Lebenszyklus von weit über 100 Jahre. Durch die Lebensdauer wird der technische Wert aufrechterhalten – da liegt das Potenzial für uns." Scheuch ist stolz, dass „sein" Unternehmen die schwierige wirtschaftliche Zeit allein gemeistert hat, nun will er den Ausbau der Märkte forcieren. Wichtig für ihn dabei: das Thema Wärmedämmung wie auch energieeffizientes Bauen. Es ärgert ihn, dass immer noch hauptsächlich vom Heizwärmebedarf gesprochen wird – „das sind nur zehn Prozent des Energiebedarfs einen Hauses", wettert Scheuch, „Wir brauchen eine ehrliche Ökobilanz", fordert Scheuch.

 

Nachhaltigkeit als Strategie

Beim Länderüberblick erhalten Großbritannien und die USA als Wachstumsmärkte ganz gute Chancen, auch Deutschland zeigt sich wieder investitionsfreudiger, der Osten ist unsicher. Polen scheint aufgrund der starken Binnennachfrage am stabilsten, während in Tschechien, Slowakei und Ungarn weitere Rückgänge von Scheuch nicht ausgeschlossen werden. „Insgesamt befinden wir uns in einer sehr unstabilen Zeit. Den Menschen fehlt das Vertrauen – für Investitionen. Die Politik muss die Stabilität forcieren, indem auch der Zugang zu Finanzierungen gewährleistet wird", so Scheuch. Steuern müssen seiner Meinung nach nicht gesenkt werden – aber private Investoren motiviert, Anreize geschaffen werden.

Potenzial im Wohnungsneubau sieht Scheuch für die kommenden Jahre genug. Das Ziel von Wienerberger ist klar: 2010 soll wieder eine Dividende ausgeschüttet werden, der Umsatz gesteigert werden und natürlich schwarze Zahlen geschrieben werden. Mit dem ersten Nachhaltigkeitsbericht will Wienerberger ein weiteres Zeichen setzen. „Nachhaltigkeit ist ein integrierten Bestandteil unseres Geschäfts und damit als wichtiger Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg zu verstehen. Aufgrund der natürlichen Rohstoffe, aus denen Ziegel hergestellt werden, und ihrer langen Lebensdauer verfügen Ziegel über die besten Eigenschaften für nachhaltiges Bauen. Und diese gilt es zu nutzen und weiter auszubauen", betont Scheuch. „Oberstes Ziel muss es sein, den nicht erneuerbaren Primärenergiebedarf von Gebäuden – dies betrifft vor allem Heizungen mit Erdöl, Erdgas etc. – zu minimieren. Nur damit können der CO2-Ausstoß und somit auch die negativen Auswirkungen auf das Klima weitestgehend reduziert werden. Das bedeutet als Konsequenz, dass man an Gebäudelösungen, die ein energieeffizientes System aus Bautechnik, Heizung, Warmwasser, Strom, Belüftung etc. beinhalten, entwickeln muss. Und dort sehe ich auch unsere Zukunft: als der Partner für nachhaltiges, energieeffizientes Bauen."

Gisela Gary

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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