Direkt zum Inhalt

Mehr Pfusch am Bau durch Ostöffnung des Arbeitsmarktes?

02.05.2011

Die Öffnung des österreichischen Arbeitsmarktes für Arbeitnehmer aus Osteuropa könnte auch den Pfusch am Bau befeuern. Bereits 2010 wächst infolge eines robusten privaten Konsums die Schattenwirtschaft im Sektor Bauen & Wohnen wieder leicht um knapp ein Prozent geg. VJ, analysieren KREUTZER FISCHER & PARTNER | Marktanalyse in einer aktuellen Studie.

Nutznießer des Wachstums sind 2010 ausschließlich private Leistungserbringer, während die Erlöse aus „Ohne-Rechnung-Geschäften“ des Gewerbes leicht sinken. Doch der Trend könnte bereits 2011 wieder drehen.

Im Jahr 2010 werden alleine im Sektor Bauen & Wohnen Ausgaben von €  7.673 Mio. ohne jede weitere Besteuerung am Fiskus vorbei erwirtschaftet. Nach einem Rückgang von -1,1% geg. VJ im Jahr 2009, wächst die Schattenwirtschaft demnach im Vorjahr wieder leicht um +0,9% geg. VJ. Für das Wachstum verantwortlich sind ausschließlich private Pfuscher. Die Erlöse aus „Nachbarschaftshilfe“ steigen im Jahresabstand um +2,3% geg. VJ auf nunmehr knapp € 3,9 Mrd.. Weiterhin rückläufig entwickelt sich hingegen der gewerbliche Pfusch. Der Umsatz aus „Ohne-Rechnung-Geschäften“ sinkt bereits das dritte Jahr in Folge, im Jahr 2010 um -0,5% geg. VJ. Aktuell werden von Gewerbe & Handwerk Erlöse von rund  € 3,8 Mrd. nicht versteuert. Allerdings, 2007 waren es noch mehr als € 4,3 Mrd.. Der Anteil des gewerblichen Pfuschs hat sich seit 2007 von 53,7% auf nunmehr 49,7% verringert, zu Gunsten privater Leistungserbringer.
 
Weniger gewerblicher, mehr privater Pfusch
Für den vergleichsweise raschen Rückgang sind im Wesentlichen zwei Gründe verantwortlich: Zum einen zeigen die verschärften, computergestützten Buchprüfungen der Finanz  Wirkung, zum anderen reicht aber auch die aktuelle Auftragslage vielerorts nur, um das legale Geschäft aufrecht zu erhalten, was bei Personengesellschaften eine existenzielle Notwendigkeit ist, hängt doch davon nicht zuletzt der Unternehmerlohn ab. Und da der überwiegende Anteil der gewerblichen Anbieter nicht als Kapitalgesellschaft operiert, werden „Ohne-Rechnung-Geschäfte“ bevorzugt bei guter Geschäftslage angeboten. Schlussendlich fehlt der Wirtschaft aber auch das notwendige Arbeitskräfteangebot, infolge der vergleichsweise guten Beschäftigungslage. Durch die Öffnung des Arbeitsmarktes für Arbeitnehmer  aus Osteuropa könnten sich diesbezüglich die Rahmenbedingungen für das Gewerbe aber grundsätzlich ändern. Ein Anstieg der „Ohne-Rechnung-Geschäfte“ für 2011 ist daher nicht ausgeschlossen.
 
Volkswirtschaftlicher Schaden der Schattenwirtschaft umstritten
Der volkswirtschaftliche Schaden aus der Schattenwirtschaft ist nicht leicht zu beziffern. So sind etwa bei privaten Leistungserbringern in jedem Fall nur die theoretisch vorenthaltenen Sozialabgaben inkl. der darauf fälligen Mehrwertsteuer anzusetzen, nicht jedoch das verwendete Material, das gewöhnlich völlig legal im Baustoffhandel erworben wird. „Ohne-Rechnung-Geschäfte“ werden wiederum überwiegend mit legal beschäftigten Arbeitnehmern durchgeführt, wodurch der Schaden hierbei primär in der Umsatzsteuerverkürzung zu suchen ist. Über allem steht aber die zentrale Frage, wie viele Projekte, die unter den Konditionen des „Pfusch“ von Konsumenten beauftragt werden, sich tatsächlich in legale Geschäfte überführen lassen. Kurzum, welches Investitionsvolumen geht verloren, weil zwei bis dreimal höhere Stundenlöhne als im privaten Pfusch, bzw. 20% Mehrwertsteuer bezahlt werden müssten? Der tatsächliche volkswirtschaftliche Schaden der Schattenwirtschaft ist daher umstritten und pendelt - je nach Sichtweise - zwischen 0,15% und 0,90% des BIP pro Jahr. Von manchen wird unter Berücksichtigung aller wirtschafts- und sozialpolitischen Konsequenzen ein negativer Effekt auch gänzlich bestritten.
 
Möglicherweise deshalb sind auch die Maßnahmen der öffentlichen Hand zur Eindämmung des Pfuschs insgesamt nur halbherzig. Denn würde man ernsthaft an einer radikalen Einschränkung interessiert sein, könnte man diese - ungeachtet der gesellschaftspolitischen Konsequenzen - einfach über eine Art Kronzeugenregelung realisieren. Ähnlich wie im Wettbewerbsrecht würde der Anzeiger einer Dienstleistung, die ohne Rechnung erbracht wurde, straffrei gehen, auch wenn er selbst Nutznießer des Geschäftes ist. Nach der Logik des „Gefangenendilemmas“ wäre daher in „Pfusch-Geschäften“ keiner der beiden Geschäftspartner mehr sicher, ob nicht der andere das Geschäft zur Anzeige bringt. Der Markt würde zu weiten Teilen rasch austrocknen. Gewinner und Verlierer einer solchen Reform wären dabei aber höchst ungleich verteilt.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
Werbung
Werbung