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Milliardenauftrag für Baubranche:

18.02.2004

Ein etwa 2,4-Milliarden-Bauauftrag für den Straßen-Ausbau der Ostregion ist in den kommenden Jahren zu erwarten.

Es geht um die Region in Hinblick auf die bevorstehende EU-Osterweiterung im Nord/Osten Österreichs. Das bestehende Straßennetz in dieser Region entspricht nicht mehr den verkehrs- und wirtschaftspolitischen Anforderungen. Aus diesem Grund wurde ein Konzept für die zukünftige Gestaltung des Straßennetzes im donaueuropäischen Raum (GSD-Studie) ausgearbeitet. Aufbauend auf diese Studie wurde die A 5, Nord Autobahn, in der Novelle des Bundesstraßengesetzes bereits 1999 verankert.
Von Wien ausgehend soll zukünftig die Verbindung nach Tschechien über die A 5 erfolgen. Gerade die Nord Autobahn stellt somit die wichtigste Verkehrsachse in Richtung Norden dar. Dies spiegelt sich auch in der Verkehrsprognose wieder. Für das Jahr 2020 wurden im südlichen Abschnitt der A 5 auf Höhe Wolkersdorf ca. 64.000 Kfz/24h, im zentralen Abschnitt vor Schrick ca. 52.000 Kfz/24h und bei der Grenzstelle Drasenhofen ca. 23.000 Kfz/24h prognostiziert. Die Autobahn wird neu errichtet, in manchen Abschnitten erfolgt dies unter Mitverwendung der bestehenden Brünner Straße (B 7).
Schon vor Jahren wurden Stimmen lauter hinsichtlich der Möglichkeit, private Investoren zum Ausbau des Autobahnnetzes heranzuziehen. Die Autobahn-Betreibergesellschaft Asfinag hat somit den Startschuss mit den ersten „Private-Public-Partnership“ (PPP)-Projekten gegeben. Höchstes Interesse bekundete schon vor Jahren Asfinag-Chef Walter Hecke an solchen PPP-Modellen. So plante die Asfinag, die Differenz von jenen zu finanzieren, die auch von der Autobahn profitieren. Dies seien vor allem die Länder, die positive regionalpolitische Effekte lukrieren könnten. So könnten zum Beispiel die Länder auch Anteile an der Betreibergesellschaft übernehmen. Land und Asfinag gemeinsam sollen aber nicht mehr als 49 Prozent halten. Freilich gibt es eine Reihe von Vorteilen aus den PPP-Modellen zu ziehen. Die Verschuldung der Asfinag würde somit nicht weiter ansteigen. Auch wenn die Asfinag aufgrund der Staatshaftung am Kapitalmarkt bessere Konditionen als jeder private Betreiber bekomme, biete die geringere Verschuldung einen Vorteil.
Interessante Effekte sind aber in der Bauphase und im Betrieb zu erwarten. Es ist abzuwarten, ob nun ein privater Anbieter schneller und billiger bauen kann als ein staatlicher Betreiber. Eine Verkürzung der Bauzeit, die durch bessere Organisation erreichbar ist, muss sich auch in niedrigeren Baukosten niederschlagen. Auch in der Bewirtschaftung sind noch effizientere Lösungen möglich. Bei dieser Finanzierungsform bauen Private und der Staat gemeinsam. PPP wird derzeit stark forciert, das erste große Projekt in Österreich soll die die A5 Nordautobahn, S1 Außenring-Schnellstrasse, S2 Nordrand-Schnellstrasse und die A22 Donauuferautobahn-Verlängerung werden. Damit Private aber mitbieten, muss ihnen eine sichere Rendite in Aussicht gestellt werden. Ob die Lkw-Maut und ein Anteil an der Vignette reicht, ist fraglich. Wie der Kurier bereits berichtete, ist das Lkw-Mautsystem auch für eine PKW-Maut geeignet. Experten, wie jüngst Ewald Nowotny, ehemaliger Chef der Europäischen Investitionsbank (EIB), sprechen sich daher für eine PKW-Maut aus. „Es ist ökonomisch klar, dass der Verkehr insgesamt zu erfassen ist“, meinte Nowotny und hatte auch Private-Public Partnership im Auge. Das EU-Parlament lehnte das Ansinnen Italiens, die PKW-Maut in die neue EU-Wegekostenrichtlinie zu schreiben, ab. Nowotny glaubt, dass die Maut doch in diese EU-Vorgabe einfließen wird.
Nun bekommt Österreich in Zukunft eben eine solche Privatautobahn. Vier Konsortien, laut Wirtschaftsblatt, haben ihr Interesse am 2,4-Milliarden-Bauauftrag bereits bekundet. Neben der Raiffeisen Holding NÖ-Wien, die mit ihrer Tochter Bauholding Strabag dafür die Nordost-Autobahn AG (NOAG) gegründet hat, wird jetzt auch der Porr-Konzern mit der Bank Austria Creditanstalt in der Angelegenheit aktiv. Laut Porr-Vorstand Wolfgang Hesoun sei eine entsprechende Gesellschaft gerade im Entstehen. Aber aufgrund der EU-weiten Ausschreibung haben sich bereits ausländische Unternehmen zu Wort gemeldet: Eine italienische Gruppe rund um die Autostrade und ein französisches Konsortium haben sich bereits formiert. „Ich gehe davon aus, dass letztlich sechs Konsortien bei der Ausschreibung mitmachen werden“, so Asfinag-Chef Walter Hecke. Die Asfinag bleibt als Autobahn-Betreibergesellschaft somit federführend und ist bereits mitten in der Abwicklung der Projekte. Ein Team wurde schon ins Leben gerufen, welches sich um die Modalitäten zu kümmern hat.
Laut Hecke soll die Ausschreibung noch im Frühsommer veröffentlicht werden und bis Frühjahr 2005 der Zuschlag für die Errichtung und den Betrieb der Privatautobahnen mit einer Streckenlänge von insgesamt 125 Kilometern erteilt.
Hinter den Kulissen – so weiß das Wirtschaftsblatt weiter zu berichten – finden Sondierungsgespräche zur Bildung von etwaigen Allianzen statt: Angeblich verhandelt die Porr mit Haselsteiners Bauholding Strabag über die Möglichkeiten einer gemeinsamen Bietergemeinschaft. Hesoun berichtet von „guten Gesprächen“. Aufgrund der starken ausländischen Mitbewerber und dem Interessen anderer EU-Länder prüfe die Porr, ob es nicht sinnvoller sei, anstatt gegeneinander miteinander zu kämpfen. Eine Austro-Taskforce zu bilden, würde mehr Vorteile als Nachteile haben. Dabei sollen nicht nur die großen österreichischen Bauunternehmen, sondern auch Banken wie die Bank Austria Creditanstalt und Raiffeisen näher zusammenrücken. Das biete Platz für alle. Hesouns Wunschvorstellung: „Ideal wäre es, die Konzession an eine Bietergruppe zu vergeben, die dann stückweise Teilaufträge vergibt.“ Die Asfinag indes arbeitet schon an der Ausarbeitung und wird im Frühjahr damit an die Öffentlichkeit gehen. Wie dann der genaue Ablauf und welche Teilbereiche mit dem PPP-Modell erfüllt werden, steht dann ebenso fest, wie welche Konsortien sich um den oder die Bauaufträge bewerben werden. Asfinag-Vorstandsdirektor Mag. Christian Trattner. „Unser Ziel ist es, durch die Vergabe einer Konzession eine alternative Wettbewerbsstruktur zur Errichtung von Autobahnen und Schnellstraßen zu schaffen.“ DI Christian Nagl, Projektleiter des Asfinag-PPP-Projektes dazu: „Bis Ende 2005 soll für einen noch genau zu definierenden Autobahn-Neubauabschnitt ein Konzessionsnehmer gefunden werden.“

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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