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Mit dem (Bohr-)Kopf durch die Wand

26.04.2005

Nicht nur die Giganten am Bau wie Kran, Bagger oder LKW belasten den Säckel des Bauunternehmers, auch Kleinmaschinen und Spezialgeräte müssen ihren Platz in der unternehmerischen Kalkulation finden. „Neben den klassischen Aufgaben Planung, Ausführung, statische Berechnung und Kostenermittlung muss der Baumeister als Unternehmensmanager auch über Bestand, Einkauf und Nachrüstung des Maschinen- und Geräteparks den Überblick haben“, erklärt Baumeister Karl Brodl. Brodl stellte sein aktuelles Projekt, das Parkhaus 3 am Wiener Flughafen, als Testgelände für den ersten österreichischen Bohrhämmer-Test dem bau.zeitungs-Team zur Verfügung.
Neben gut aufeinander eingespielten Mannschaften und einer exakten Baustellenkoordination und Bauzeitplanung sind leistungsstarke und langlebige Maschinen eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen kontinuierlichen Bauablauf. Stillstände aufgrund fehlerhafter Baumaschinen oder dem Ausfall wichtiger Gerätschaften können sich Baufirmen bei den heute herrschenden engen Zeitrahmen nicht erlauben. Bei der Aus- und Nachrüstung lohnt sich der Preis- und Leistungsvergleich bei den unterschiedlichen Profigeräten.
Als verlängerter Arm des Bauarbeiters zählen Bohrmaschinen, Schlagbohrer und Bohrhämmer zu den täglichen Begleitern auf der Baustelle. Im Beton- und Stahlbetonbau stoßen Bohr- und Schlagbohrmaschinen rasch an ihre Grenzen und werden von den leistungsstärkeren Bohrhämmern abgelöst. Sie unterscheiden sich von der herkömmlichen Schlagbohrmaschine durch die Integration eines Hammerwerks, das die Rotationsbewegung in eine Hub- und Schlagbewegung umwandelt. Das Hammerwerk kann dabei mechanisch oder pneumatisch ausgerichtet sein. Die Bohrhämmer der jüngeren Generation funktionieren fast ausschließlich auf pneumatischer Basis. Durch die Richtungsänderung des Kolbens wird durch Kompression Energie gespeichert, die wiederum den Schläger beschleunigt. Im praktischen Vergleich zeigt sich der zentrale Vorteil der Bohrhämmer gegenüber den Schlagbohrmaschinen vor allem im geringeren Kraftaufwand und dem deutlich schnelleren Bohrfortschritt sowie der daraus resultierenden Zeit-ersparnis. Gerade bei harten Baustoffen wie Granit oder hochfestem Beton kommt der Leistungsvorsprung voll zum Tragen. So ist im Gegensatz zu Schlagbohrmaschinen bei Bohrhämmern nicht der vom Anwender aufzubringende Anpressdruck entscheidend, sondern die Schlagenergie, die alleine vom Hammerwerk geleistet wird. Bei abgeschaltetem Hammerwerk können Bohrhämmer genauso wie normale Bohrmaschinen verwendet werden. Bei Stemm- und Meißelarbeiten für zeit- und kraftsparende Abbrucharbeiten wird hingegen das Drehwerk abgeschaltet.
Neben der Leistungsstärke sind Preis, Ergonomie und Handhabung wesentliche Kriterien für die Kaufentscheidung. Das bau.zeitungs-Team testete fünf Bohrhämmer schonungslos.

Strenge Testkriterien
Für die Beurteilung wurden die Bohrhämmer einem dreistufigen Testverfahren unterzogen. Vor Beginn des Testlaufs wurde die Testperson, Bauleiter Markus Rödler, in einer ausführlichen Vorbesprechung über den geplanten Ablauf und die Beurteilungskriterien instruiert. Anschließend konnte sich die Testperson selbst mit der Handhabung der einzelnen Geräte vertraut machen.
In Absprache mit Brodl und Rödler wurde eine Testfläche im obersten Geschoß der Parkhausaufstockung ausgewählt. Laut Testvorgabe wurden mit jedem Bohrhammer in zwei Durchgängen je vier 150 Millimeter tiefe Bohrlöcher mit einem Durchmesser von 25 Millimeter hergestellt. Als Testparameter wurde die dafür benötigte Zeit herangezogen. Der ausgewiesene Zeitwert ergibt sich aus dem rechnerischen Mittel der zwei Bohrserien, wobei die jeweils höchsten und tiefs-ten Werte je Serie aus der Wertung genommen wurden. Zusätzlich wurden die beiden Testserien in umgekehrter Reihenfolge durchgeführt. Nach jeweils vier Bohrungen mit einem Bohrhammer erhielt Rödler eine Regenerationspause, in der die ersten Eindrücke wie Kraftaufwand, ergonomische Handhabung oder das subjektiv empfundene Gewicht der Maschine in einem Prüfprotokoll festgehalten wurden. Nach Abschluss der gesamten Testserie wurden die Eindrücke vertieft, protokolliert und anschließend vergleichend gegenübergestellt. Im Vordergrund standen dabei die Bedienerfreundlichkeit in Bezug auf den Wechsel der Bohreinsätze, die Variabilität in der Handhabung sowie der Bohrfortschritt selbst.

Wenn nichts mehr geht
Bohrhämmer sind bei gewerblichem Einsatz langen und starken Belastungen ausgesetzt. Damit ein Bohrhammer trotz vieler Einsatzstunden reibungslos seinen Dienst versieht, sollte er regelmäßig gewartet werden. Tritt trotz sachgerechter Handhabung ein Defekt auf, sind die vom Hersteller angebotenen Garantie- und Serviceleistungen ausschlaggebend für die Zufriedenheit des Kunden. Die Hersteller der getesteten Bohrhämmer bieten ungeachtet der gesetzlich geregelten Gewährleistungsansprüche zusätzliche Garantieleistungen an.
Hilti bietet als einziger der getesteten Hersteller mit dem Hilti Full Service von Haus aus eine Garantie von 24 Monaten an. Das Full-Service-Paket von Hilti umfasst kostenlose Reparatur und Austausch aller defekten Teile. Auch Verschleißteile wie zum Beispiel Kohlebürsten werden innerhalb von zwei Jahren kostenlos ersetzt. Damit gehen die Garantieleistungen von Hilti weit über jene der Konkurrenz hinaus.
Die Garantieleistungen der anderen Hersteller sind auf Herstellungs- und Materialfehler beschränkt. Die Abnutzung von Verschleißteilen ist davon ausgenommen. Wird die kostenlose Full-Service-Funktionskontrolle innerhalb von zwei Jahren in Anspruch genommen, gewährt Hilti weitere sechs Monate Garantie. Das defekte Gerät kann vom Kunden entweder direkt bei einem der Hilti Center (insgesamt elf in Österreich) abgegeben werden oder man lässt sein Gerät von einem Paketdienst abholen. Dieser kostenlose Abholservice bleibt auch nach Ablauf der Full-Service-Zeit aufrecht. Bei Metabo besteht mit der XXL-Garantie die Möglichkeit einer Verlängerung des Garantiezeitraums von zwölf auf 36 Monate. Um diese Leistung in Anspruch nehmen zu können muss der Bohrhammer nach Kauf online registriert werden. Defekte Geräte können auf dem Postweg kostenlos an das Metabo-Reparaturservice in Deutschland gesendet werden. Auch bei den gewerblichen Elektrowerkzeugen von Bosch kann der Garantiezeitraum durch eine Online-Registrierung des Geräts auf 36 Monate verlängert werden. Diese Zusatzleistung besteht für Geräte, die ab September 2004 gekauft wurden. Innerhalb von vier Wochen ab Kauf muss der Kunde das Gerät auf der Bosch-Website registrieren. Defekte Geräte können beim Fachhändler abgegeben werden oder an Bosch Österreich versendet werden. Im Garantiefall ist der Versand an Bosch kostenlos. Dewalt bietet neben einer einjährigen Garantie auch eine kostenlose Wartungsinspektion des Geräts, die innerhalb von zwölf Monaten ab Kaufdatum eingelöst werden kann. Durch die Inanspruchnahme der kostenlosen Wartungsinspektion erhält man eine zwölfmonatige Vollgarantie auf das ganze Gerät. Darüber hinaus wird bei Kauf eines Dewalt-Produkts eine 30-Tage-Geld-zurück-Garantie gewährt. Dewalt bietet seinen Großkunden ebenfalls die Möglichkeit eines kostenlosen Abholservice. Einzig Makita gewährt keine Verlängerung der zwölfmonatigen Garantiedauer.

Stefan Pruckmayr & Tom Cervinka

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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