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Mit Hochwasserschutz über Wasser halten

18.08.2006

Mehr bauliche Schutzmaßnahmen sind geplant, weil die Vergabe von zusätzlichen Mitteln fix ist.
Vorbeugen ist teuer, aber noch immer billiger als die alljährliche Schadensbehebung.

Lautet die Wettervorhersage:
"Eine Westströmung bringt in rascher Folge Atlantikfronten nach Mitteleuropa und bewirkt intensive und ergiebige Regenfälle von Vorarlberg bis Oberösterreich", dann ist die, von den Hochwasserschadensereignissen der letzten Jahre leidgeprüfte, Bevölkerung bereits hellhörig. Beim "Donauwirt" in der Wachau ist alles neu eingerichtet und nichts deutet mehr auf die Schäden hin, die Überflutungen in den letzten Jahrzehnten mehrmals angerichtet haben. Markierungen neben der Schank mit dem Wasserstand jedes Hochwassers zeugen aber davon, dass das fast fünfhundert Jahre alte Haus bereits öfter unter Wasser stand.

Spätestens seit das erste große Hochwasser des neuen Jahrtausends im März 2002 das Land in den Notstand versetzte, ist Hochwasserschutz wieder ein Thema oberster Priorität. Die Schadensbilanz damals war alarmierend. Die Klimaforscher der Wiener Universität für Bodenkultur zeichneten mehr als ein Jahr nach der Katastrophe ein Schadensbild, das von entstandenen Kosten im Gesamtausmaß von drei Milliarden Euro ausgeht. Wassermassen in der Größenordnung von Badewanneninhalten gingen damals innerhalb von 48 Stunden pro Quadratmeter nieder.
Im Bundesministerium für Land-, Forst- und
Wasserwirtschaft spricht man daher von einem Jahrtausendereignis.

Megaprojekte mit Langzeitfaktor

Die Maßnahmen, die ergriffen werden, sind
umfassend und reichen von der Verbesserung der Koordinierung von Behörden bis hin zu baulichen Schutzmaßnahmen. Unter Letzteren versteht man heutzutage vor allem den Erhalt und die Schaffung von Rückhaltebereichen und Dämmen.
Derzeit wird in Oberösterreich der Marchland-Damm entlang der Donau realisiert.
Dieses, von einem Hochwasserschutzverband betriebene, Großprojekt soll über die nächsten zehn Jahre realisiert werden. Die erforderlichen Mitteln in der Höhe von 120 Millionen Euro werden in Teilfinanzierung von Bund, Land Oberösterreich und teilweise von den betroffenen Gemeinden aufgebracht. Jene, denen dieser Schutz nichts bringen wird, sind von Absiedlung betroffen. Der Marchland-Damm ist aber nur eines von insgesamt 385 geplanten
Hochwasserschutzprojekten in Oberösterreich,
deren Realisierung für die nächsten zehn Jahre vorgesehen ist und für die ein finanzieller Gesamtinvestitionsaufwand von 500 Millionen Euro errechnet wurde.
Am Beginn legt die Schutzwasserwirtschaft,
eine Behörde des Bundes, erst einmal
generelle Richtlinien für den Bau derartiger
Vorhaben fest. "Der Bund, die Länder,
oder vor allem bei kleineren Gewässern sind
es Interessensgemeinschaften, die Hochwasserschutzbauten dann auf der Basis
dieser Regeln errichten", beschreibt Friedrich Hefler vom zuständigen Bundesministerium die Rahmenbedingungen. Projekte ab einer bestimmten Größenordnung sind zudem UVP-pflichtig. Einige hundert Stellungnahmen wurden zum angesprochenen
Marchland-Dammprojekt zum Beispiel bei der oberösterreichischen Landesregierung eingebracht.
"Dabei geht es hauptsächlich um Dammüberquerungen und derartige Wünsche von Anliegern", beschreibt der zuständige Projektkoordinator Otto Jungwirth vom Ziviltechnikerbüro Werner Consult, die Sachlage, die Mitsprache betreffend. Die Komplexität setzt sich in die Planung von Großprojekten fort: "Sechs Planerteams mit je fünf Vertretern aus Fachbereichen sind involviert", verweist Jungwirth auf die Notwendigkeit eines Koordinators, der er selber ist.
Auch die Finanzierung des Hochwasserschutzes ist nicht ganz einfach zu bewerkstelligen, da unterschiedliche Förderquellen dafür beansprucht werden können bzw. müssen.
Nicht nur die Wege des Wassers sind also verschlungen, sondern auch jene zu den Hochwasserbauten.

Ökologische Aufgaben

Die behördlichen Auflagen sind rigoros, was
ökologische Themen betrifft. "In der Wachau
beispielsweise mit seinem Status als Weltkulturerbe lässt sich nicht leicht eine drei
Meter hohe Mauer aufstellen", zieht Jungwirth
die planerischen Konsequenzen.
Werden im Zuge des Umbaus Retentionsräume
weggenommen, sind diese woanders zu schaffen, um den Wasserpegel annähernd gleich zu halten. "Die Dämme im Marchland sind drei Kilometer von der Donau weg und bis dahin kann sich das Wasser ausdehnen", hebt der Planungs-Koordinator den Unterschied früher durchgeführten und heute verwunschenen Flussbegradigungen hervor. Gebaut wird viel, und nahezu jede vom Hochwasser bedrohte Gemeinde an der Donau tut heutzutage etwas in Sachen Hochwasserschutz. Die finanzielle Grundlage dafür ist in einem Fördervertrag, den der Bund mit den Ländern abgeschlossen hat, festgeschrieben (§ 15a BVG). Auch an den niederösterreichischen Flüssen Melk, Ybbs und der Traisen wird gebaut.
Im Waldviertel sieht der Plan des Landes für die kommenden Jahre Maßnahmen in der Höhe von 31 Millionen Euro vor, die dann auch den Hochwasser-Problemfall Thayatal entschärfen sollen.
Insgesamt ist in Niederösterreich bis 2016 die Realisierung von Hochwasserschutzmaßnahmen mit einem Finanzaufwand von 450 Millionen Euro geplant.
"Die Planungen sind konkret. Letztendlich müssen aber die Gemeinden den Hochwasserschutz realisieren wollen.
Das Land schießt nur Mittel zu", spielt Norbert Knopf vom Amt für Wasserbau in der niederösterreichischen Landesregierung
den Ball den Gemeinden zu. Hochwasserbauten
müssen aber auch gewartet werden. Die "Via Donau", unter anderem als Infrastrukturerhalter tätig, ist derzeit vor allem mit der Sanierung der Hochwasserdämme an der March beschäftigt.
Ein Drittel der jährlich für den Hochwasserschutz zur Verfügung stehenden Bundesmittel werden
nur für Instandhaltungsmaßnahmen verwendet.
Die Gemeinden müssen hier höhere Kostenanteile übernehmen als bei Erbaurichtungsmaßnahmen. Die absoluten Kosten fallen je nach Bauwerk unterschiedlich aus: Eine Mauer braucht, erst einmal aufgestellt, kaum eine Betreuung, ein Damm hingegen muss zumindest regelmäßig gemäht werden. "Mit der Errichtung von Schutzwällen ist es außerdem nicht getan. Gewartete Pumpwerke braucht es zusätzlich, um im Fall des Falles das steigende Grundwasserniveau auszugleichen", sieht der Techniker Jungwirth auch Folgebelastungen auf Schutz suchende Gemeinden zukommen.

Politischer Einsatz

Hochwasserschutz zahlt sich aus angesichts der enormen Schadenssummen, die in nur ein paar Starkregentagen anfallen können. Das lässt sich leicht hochrechnen anhand eingesparter Kosten bei vermiedenen Flussübertritten. Der größte Schaden entsteht normalerweise an öffentlicher Infrastruktur und an privaten Gebäuden. Bei den betroffenen Betrieben sind die Gebäudeschäden selbst meist versichert und sie leiden daher mehr an den betrieblichen Ausfällen, also an den indirekten Folgen. Um all diese Schäden und
damit auch Sonderzahlungen bei Katastrophen möglichst gering zu halten, haben die Minister Karl-Heinz Grasser und Josef Pröll gemeinsam
mit den Landeshauptleuten eine Aufstockung der Budgetmittel für den "Schutz vor Naturgefahren“ beschlossen, wie es in einer Presseaussendung des Landwirtschaftsministeriums heißt.
Bis 2017 sollen die zusätzlichen Mittel jährlich zur Verfügung stehen und nebenbei ein Bauvolumen von 69 Millionen Euro jedes Jahr zur Folge haben.
Garantie vor Hochwasserschäden kann man sich auch davon nicht erwarten und begleitend dazu ist ein passiver Schutz, z.B. durch Freihaltung
gefährdeter Gebiete sicher sinnvoll.
Denn nichts ist sicherer vor Hochwasser, als ein Haus auf dem Hügel.

Peter Matzanetz

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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