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Mit Sonnenkraft gekrönt

25.02.2011

Der Weg zum Sonnenhaus: Nach der Installation des Speichers wurde nun eine 34-Quadratmeter-Solaranlage montiert – laut Bauherr aus Mangel an heimischem Know-how durch ein bayrisches Unternehmen.

In Kritzendorf, nahe der Bundeshauptstadt, trotzt man Eis und Schnee: Auch wenn der Winter die Bauarbeiten zu Österreichs erstem offiziellen Sonnenhaus erschwert, es geht zügig voran. Der Lieferung der Solaranlage, nach dem Speicher der zweite wesentlichste Bauteil, machte die kalte Jahreszeit dann doch einen Strich durch die Rechnung, berichtet Sonnenhäusl-Bauer Johann Jäger. Nur mühsam bahnte sich der Lkw die steile Gasse zwischen Schneehaufen empor – ganz zum Leidwesen parkender Wagen, deren Lack nun den für das Sonnenhaus bedeutenden Tag in Erinnerung hält. Ein Kran, der die Paneele aufs Dach heben sollte, verweigerte schon auf Verdacht die vereiste Auffahrt – die Montage der Solaranlage musste schließlich doch noch verschoben werden.


Sonnenenergie im Kessel
Doch nun, wenige schneefallfreie Tage später, kann Jäger stolz die Rohkonstruktion des alternativen Bauwerks präsentieren: 17 Flachkollektoren mit einer Gesamtfläche von 34 Quadratmeter thronen auf dem Dach, bereit, im Sommer wie im Winter die Energie auch noch so karger Sonnenstrahlen aufzufangen und ins Innere zu leiten. Pro Sonnentag rund 70 Kilowattstunden. Aber reichen die Energieerträge aus, um die nötigen Temperaturen für Heizen – über Fußboden sowie Wand mit Niedertemperatur – und Warmwasser zu liefern? Andreas Schuster, Geschäftsführer des gleichnamigen, auf das Heizen mit Sonne und Holz spezialisierten Unternehmens aus dem bayrischen Passau, rechnet vor: „70 Kilowattstunden Sonnenenergie heben die Temperatur von 1.500 Liter Pufferspeichervolumen um etwa 40 Grad an. Bei einem Gesamtvolumen von 6.000 Liter wie bei Herrn Jäger braucht es also etwa 280 Kilowattstunden oder umgerechnet 16 Stunden optimalen Sonnenschein, um den Pufferspeicher beispielsweise von 30 auf 70 Grad anzuheben.“ Und geht man davon aus, dass das Sonnenhaus etwa 70 Kilowattstunden Heizenergie und Warmwasserenergie pro durchschnittlichen sonnenarmen Novembertag benötigt, reicht die gespeicherte Energie bei vollaufgeladenen Pufferspeicher nach der sonnigen Oktoberzeit etwa acht Tage.

Danach kann jeder Sonnenstrahl – der in der Winterzeit „geerntet“ wird – wieder für die Niedertemperaturheizung verwendet werden.
„Und scheint die Sonne im Winter für längere Zeit nicht, wird mit der Kachel­ofen-Zentralheizung (30 kW) zugeheizt“, so Schuster. Pro Buchenholz-Ofenfüllung kann Jäger so an die 800 Liter Pufferspeichervolumen um 40 Grad aufheizen. Wird an einem sonnenlosen Wintertag dreimal eingeheizt, ist die Energie für etwa zwei durchschnittliche Novembertage gespeichert. Klingt zumindest in der Theorie ganz gut. Jäger jedenfalls ist angesichts der Prognosen begeistert: „Ich bin mit weniger zufrieden.“ Die Praxis wird es zeigen, Jäger verspricht hoch und heilig über die Erfahrungen mit dem Sonnenhaus genau Buch zu führen. In einem Jahr wissen wir mehr.
Währenddessen schraubt Schuster-Monteur Robert Lenz an der Sonnenanlage herum.

Die insgesamt knapp mehr als 100 Meter langen Leitungen müssen nach Plan mit dem Wasserspeicher verbunden werden. Und es sind nicht wenige. „Das liegt daran, dass der Speicher mehrere Temperaturebenen hat, die auch so entnommen werden müssen. Sonst kommt es zu Verwirbelungen“, erklärt Lenz. Das passiert aber automatisch, per Mischer, der die Temperatur misst und so die Zu- und Ableitung optimiert. Der Haustechniker: „Das spart Zeit, weil nicht ohne Ende der gesamte Speicher beheizt wird.“ Die einzige Krux am System zwischen Solaranlage und Speicher sei das richtige Zusammenspiel, die entsprechende Dimensionierung der einzelnen Systembestandteile: „Solar, Speicher und Zusatzheizung müssen zusammenpassen. Ansonsten weiß ich nicht, was daran schwierig sein soll. Von der Technik her ist hier nichts kompliziert. Die kann man sogar im Internet nachlesen“, sagt Lenz von der bayrischen Firma.


Kein heimisches Know-how
Bayern? Nichts gegen die Deutschen, aber warum schraubt hier eigentlich kein heimisches Unternehmen? Ein Thema, das Bauherr Jäger sauer aufstoßen lässt: „Da hat Schuster früher eine Österreich-Filiale, bevor das eine hiesige Firma anbietet. Mehr als einen Monat lang habe ich einen Installateur gesucht. Nichts. Dabei ging es mir auch darum, Know-how ins Land zu holen.“ Erbost berichtet Jäger von Haustechnikfirmen, die ihm gar das Sonnenhaus-Konzept als Nonsens ausreden wollten: „Die schlagen eben vor, was sie können. Die wollen sich einfach nicht weiterentwickeln.“ Die wenig ökologische Notlösung: Know-how, Fachkräfte und ein Großteil des Materials müssen aus Deutschland „importiert“ werden. Dabei ist der Bedarf offensichtlich da. Monteur Lenz kommt viel in Österreich herum. In Gmünden hat er eine 120-Quadratmeter-Solaranlage aufgestellt, in Schärding waren es 100 Quadratmeter. „Waren es vor ein paar Jahren noch zwei oder drei Anlagen, sind es jetzt etwa 35“, schätzt der Installateur den Markt ein. Aber: „Viele trauen sich wohl einfach nicht, weil sie keine Erfahrungen damit haben.“


Vollautomatisierung kein Problem
Die Erfahrungen fehlen außerdem – noch – dem Konsumenten, auch wenn der Wunsch nach der Nutzung alternativer Energiequellen sicherlich da ist. Jäger will Seines dazu beitragen. Schlussendlich geht es auch darum, wie sich das Sonnenhaus abseits von Berechnungen im Alltag bewährt. Wie aufwändig und kompliziert wird die Benutzung des Systems? „Anfangs wird man laufend bei den Anzeigen des Puffers nachsehen, wann etwa dazugeheizt werden muss. Irgendwann bekommt man ein Gefühl dafür“, ist sich Lenz sicher. Außerdem: Vollautomatisieren lässt sich alles. Dann muss gar kein Finger gerührt werden. Sogar über das Internet könnte auf ein computergesteuertes System zugegriffen werden. Eben alles keine Kunst heuzutage. Und weil es außer Mischern und Pumpen kaum Technik gibt, ist die Jäger’sche Anlage recht wartungsarm. Alle zwei Jahre wird ein Techniker der Firma Schuster vorbeikommen und nach dem Rechten sehen. Bis dahin weiß auch Jäger, ob er mit seinem Sonnenhaus den richtigen Griff gemacht hat. Es hätte ja auch ein Passivhaus werden können, das mehr auf Energieeffizienz statt auf alternative Energieerzeugung ohne besondere Dämmung setzt. Bis jetzt bereut Jäger nichts, aber: „Diese Entscheidung muss jeder für sich selbst treffen.“
Helmut Melzer

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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