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Mit Tradition in die Zukunft

15.06.2005

Eine hochkarätig besetzte, fünfköpfige Jury mit Wirtschaftsminister Martin Bartenstein an der Spitze, wählte den regional verankerten Familienbetrieb zum besten Familienunternehmen Tirols. Familienoberhaupt und Firmengründer Eduard Steinbacher nahm die hohe Auszeichnung, die einmal jährlich für „nachhaltige, hervorragende unternehmerische Leistungen“ verliehen wird, entgegen. „ Für meine Familie und unsere Mitarbeiter ist diese Auszeichnung eine wunderschöne Anerkennung ihrer Arbeit. Ich selbst bin natürlich stolz darauf, dass unser Unternehmen einen so guten Ruf genießt, weiß gleichzeitig aber auch, dass hinter solchen Auszeichnungen immer eine subjektive Meinung steht und, dass es viele Unternehmen in Tirol gibt, die diesen Titel ebenso verdienen würden“, kommentiert Steinbacher die Ehrung.
Die Steinbacher Dämmstoff GmbH, mit Sitz in Erpfendorf im Tiroler Unterland, gehört zu den drei größten Dämmstoffproduzenten Österreichs. Rund 250 Mitarbeiter arbeiten derzeit in der Produktion, dem Vertrieb und dem Verkauf und erwirtschaften einen jährlichen Umsatz von rund 50 Millionen Euro. Über 40 Prozent der in Tirol produzierten Dämmstoffe gehen in den Export, vorrangig nach Deutschland und Italien. Neben Gattin Kristine arbeiten auch Tochter Ute – verantwortlich für Marketing und Einkauf – und Schwiegersohn Roland, der sich um die Technik und den Vertrieb kümmert, im Unternehmen. Tochter Nina trat zwar nicht in den Familienbetrieb ein, blieb dem Baugewerbe aber trotzdem treu und studierte Architektur an der Technischen Universität in Innsbruck.
Begonnen hat Eduard Steinbacher seine Karriere in den frühen 1950-er Jahren als Eisengroßhändler. Er bezeichnet sich selbst als „Baumensch“. So werden beispielsweise alle neuen Produktions- und Fertigungshallen in Eigenleistung errichtet. Seine tiefe Verbundenheit mit dem Baugewerbe rührt aus der Zeit als er mit dem Vertrieb und Verkauf von Baustählen – vor allem für den damals boomenden Kraftwerksbau – in ganz Österreich unterwegs war.
1962 wagte er den Schritt in die Selbständigkeit und gründete seine eigene Firma, die sich mit der Wartung und Reparatur von Stoßdämpfern für Autos, LKWs, Straßen- und Eisenbahnen, Armeefahrzeugen und sogar Panzern verdingte. Acht Mitarbeiter waren anfangs im Betrieb beschäftigt. Die Faszination für das Baugeschäft hat Steinbacher aber nicht losgelassen und so fand der auf Umwegen mit der Verarbeitung von Polyurethan (PUR) schließlich einen Weg in sein angestammtes Metier zurück. Knapp fünf Jahre nach der Gründung der Steinbacher GmbH wurde das Kerngeschäft um die Produktion von Isolierschalen aus Polyurethan erweitert. Ein Jahr später startete die erste Produktion von PUR-Dämmplatten. Der neue Geschäftsbereich entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zur Haupteinnahmequelle und stellte die Gewinne aus der Stoßdämpferreparatur in den Schatten. Bis 1980 wurde dann sozusagen doppelgleisig gefahren, dem Bereich Stoßdämpfer aber immer weniger Bedeutung beigemessen und auch die Investitionen auf das notwendige Minimum beschränkt. Schließlich traf Eduard Steinbacher eine radikale Entscheidung und schenkte dieses Geschäftsfeld einem Mitarbeiter der ersten Stunde, der damit bis heute seinen Lebensunterhalt bestreitet.
Auf dem ehemaligen zweiten Standbein baute Steinbacher in den vergangnen vier Jahrzehnten ein respektables Produktionsunternehmen auf, das heute zu den drei größten Dämstoffherstellern in ganz Österreich zählt. Knapp sieben Millionen Quadratmeter Dämmplatten und rund fünf Millionen Quadratmeter Trittschallmatten gehen jährlich über den Ladentisch. „Hohe Qualität, eine permanente interne Qualitätskontrolle, das ständige Hinterfragen der Marktkonformität unserer Produkte und ein aufmerksames Service gegenüber unseren Kunden sind die Grundpfeiler unseres Erfolgs“, beschreibt Steinbacher die Unternehmensphilosophie. Dazu gehört das Eingehen auf spezielle Kundenwünsche – seien es besondere Querschnitte oder spezielle Formate bei der Plattenware - ebenso wie die transportsichere Verpackung, die die Ware vor Beschädigungen sichert, die Terminsicherheit bei der Lieferung oder die permanente Weiterentwicklung und Optimierung der einzelnen Produkte. So wird heute mehr denn je auch auf Umweltverträglichkeit geachtet: Sämtliche Produkte aus dem umfangreichen Steinbacher-Sortiment werden HFCKW- und HFKW-frei produziert. Die Produktionsabfälle werden konsequent recycelt und fließen wieder in den Produktionsprozess ein. Die bei der Produktion entstehende Abwärme heizt die Firmengebäude.
Nach wie vor steht Eduard Steinbacher, der vor kurzem seinen 67 Geburtstag feierte, an der Spitze des Unternehmens. Sein Steckenpferd und einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren, ist die Entwicklung neuer Produkte. Jüngstes Kind ist das Lärmschutzsystems „steinocell“ aus gebrochenem Glasschaumschotter, der umweltgerecht aus Altglas recycelt wird. Zu den Hauptkunden zählen die Österreichische Bundesbahn oder die ASFINAG. Bislang wurden bereits zehn Projekte in ganz Österreich realisiert. An der Verbesserung des Produkts und der Optimierung des Produktionsverfahrens wird eifrig weitergearbeitet. Noch dieses Jahr wird eine neue Produktionsanlage errichtet. In zwei bis drei Jahren sollen sich die Entwicklungs- und Investitionskosten amortisiert haben.

Tom Cervinka

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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