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Mit Tradition in die Zukunft

17.08.2005

Einmal jährlich trifft sich die europäische Bauwirtschaft im Rahmen des FIEC-Kongresses zum Informations- und Erfahrungsaustausch in einem der über 30 Mitgliedsstaaten. Dieses Jahr fand das (bau-)gesellschaftliche Großereignis auf (bau-)historischem Boden statt: in Brüssel und Liége - zu deutsch: Lüttich -, das als der Geburtsort des Verbands der Europäischen Bauwirtschaft gilt. Bei seinem Besuch in Liége zollte Wilhelm Küchler, derzeitiger Verbandspräsident, den Gründungsvätern tiefen Respekt und Anerkennung für ihre Verdienste um das Zustandekommen dieser einzigartigen Institution: „ Es ist der Initiative und Beharrlichkeit der Gründer des Verbands, allen voran dem Initiator Frans Van Ophem, zu verdanken, dass wir heute in ganz Europa über eine Stimme verfügen und gemeinsam die künftige Entwicklung der Bauwirtschaft in Europa beeinflussen können“.

100 Jahre FIEC
Vor genau 100 Jahren fand der erste internationale Bauunternehmer-Kongress im belgischen Liége statt und gab die Initialzündung für die Gründung des Verbandes der Europäischen Bauwirtschaft (FIEC). Wergbereiter der erfolgreichen Annäherung der einzelnen nationalen Verbände, war Frans Van Ophem, damals Generalsekretär und später Präsident des belgischen Baumeisterverbandes. Seiner Initiative ist die Gründung des europäischen Verbandes zu verdanken. Im September 1905 lud er zum gemeinschaftlichen Wissensaustausch und zum Vergleich der Bau- und Konstruktionsmethoden ins belgische Liége. 11 Nationen folgten diesem Aufruf. Zu diesen zählten Frankreich, die Niederlande, Spanien, Deutschland, Bulgarien, Großbritannien, Österreich, Dänemark, Ungarn und Schweden, selbst eine Delegation aus Mexiko scheute die weite Anreise nicht.

Größter Arbeitgeber in der EU
Im Rahmen des einwöchigen Kongresses wurde der Entschluss zur gemeinsamen, strategischen Zusammenarbeit gefasst und der Verband der Europäischen Bauwirtschaft ins Leben gerufen. Mit Léon Soulé wählten die Gründungsmitglieder einen Franzosen zum ersten Verbands-Präsidenten.
Als übergeordnete Standesvertretung macht sich der FIEC seit seiner Gründung für die Anliegen und Interessen der Bauwirtschaft auf europäischer Ebene stark. Mit 34 nationalen Bauunternehmerverbänden aus 27 Ländern ist der internationale Verband offizieller Stellvertreter für Bauunternehmen aller Größen und Spezialgebiete. Rund 97 Prozent der durch den FIEC vertretenen Betriebe sind dem Bereich der klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU) zuzuordnen. Die übrigen drei Prozent teilen sich die großen, überregional tätigen Baugesellschaften mit den weltweit agierenden Global Players. Die Bauwirtschaft trägt fast zehn Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei und macht rund 50 Prozent der Bruttoanlageinvestitionen aus. Mehr als 12 Millionen der europäischen Arbeitnehmer arbeiten in knapp zwei Millionen Bauunternehmen. Damit ist die Baubranche der größte industrielle Arbeitgeber in Europa. Mehr als 26 Millionen Beschäftigte in der Europäischen Union sind direkt oder indirekt von der Bauwirtschat abhängig. Die Bauwirtschaft zählt damit europaweit zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige.

Fit für die Zukunft
Einer der Hauptakte des viertägigen Kongresses, war die Unterzeichnung der „Nachhaltigkeitsprinzipien der FIEC“ durch die Vertreter der einzelnen Länderorganisationen, unter ihnen auch der österreichische Bundesinnungsmeister Johannes Lahofer, seines Zeichens Schatzmeister des europäischen Verbandes. Mit der Nachhaltigkeitsdeklaration stellte der FIEC unter Beweis, dass er sich nicht nur seiner Tradition verpflichtet fühlt, sondern mit der Zeit geht und sich den geänderten Rahmenbedingungen für die Bauwirtschaft anzupassen vermag.
Catherine Day, Generaldirektorin der GD Umwelt bei der Europäischen Union, sieht in der Deklaration eine logische Weiterführung der drei Grundprinzipien der FIEC – wirtschaftlich, sozial und umweltbewusst - die das tragfeste Fundament der Organisation bilden. Küchler spricht in diesem Zusammenhang von den drei Grundpfeilern der FIEC und fügt hinzu: „ Nachhaltigkeit ist kein Wert der kommt und auch wieder gehen wird wie eine Modeerscheinung. Nachhaltigkeit wird auch in Zukunft in der Bauwirtschaft bestand haben und jene, die sich dafür entscheiden das zu ignorieren, werden auf lange Sicht die Verlierer sein.
Die Prinzipien der Nachhaltigkeit sieht der FIEC zum einen als Möglichkeit das Profil der Bauwirtschaft in der Öffentlichkeit zu schärfen. Auf der anderen Seite sind die Nachhaltigkeitsprinzipien aber auch eine Notwendigkeit und ein Leitfaden für die europäischen Bauunternehmer - so wie für den FIEC selbst - ihre betriebe für die Zukunft fit zu machen und deren Bestehen langfristig zu sichern. Zum Abschluss des Kongresses rief Küchler die Länderverbände dazu auf, die FIEC-Prinzipien in ihre eigenen Sprachen zu übersetzen und publik zu machen. Am wichtigsten aber sei es, dass die einzelen Bauunternehmen in ganz Europa die Nachhaltigkeitsprinzipien akzeptieren und ihrer gesellschaftlichen Verantwortung entsprechend auch in die Tat umsetzen.

Tom Cervinka

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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