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Mit viel Fleiß und Ehrgeiz

18.12.2009

Der junge Baumeister Gerald Hoffmann übernahm vor wenigen Monaten das traditionelle Bauunternehmen Frauenfeld & Berghof. Im Exklusivporträt verrät er seine Strategie wie auch die Meilensteine seiner Lehrzeit.

Das Büro des Baumeisterunternehmens Frauenfeld & Berghof stammt aus den 50er-Jahren – von der Einrichtung her, aber auch bezüglich der Atmosphäre. Am Morgen ist es bei Hoffmann – noch – ruhig, gelegentliches Telefonläuten bringt Hoffmann sicher nicht aus der Ruhe. Nachdem er seine kleine Tochter in den Kindergarten gebracht hat, fährt Hoffmann zu einem Termin, auf die Baustelle oder ins Büro. Er hat vor wenigen Monaten das traditionelle Wiener Baumeisterunternehmen Frauenfeld & Berghof übernommen. Viele Jahre zuvor lernte der im Sternzeichen Stier geborene das Baugeschäft von der Pike auf. Hoffmann begann – nach einigen unwilligen Schuljahren und Diskussionen mit den Eltern, seine Lernerfolge betreffend – als technischer Zeichner in dem Unternehmen. „In Wahrheit wusste ich eigentlich gar nicht, was ich einmal werden wollte. Das einzige, was mich faszinierte, war schrauben, Technik einfach.“ Sein damaliger Klassenvorstand, Ehefrau des damaligen Prokuristen von Frauenfeld & Berghof, riet den Eltern, den kleinen Gerald doch eine Lehre machen zu lassen. Technischer Zeichner, das wäre etwas für ihn – so der Klassenvorstand. Die Eltern vertrauten der Pädagogin, und Gerald Hoffmann startete seine Karriere.

Spaß am Lernen
„Da musste ich das bis dato einzige Vorstellungsgespräch meines Leben führen“, lacht Hoffmann. Schlagartig erwachte in der Lehre die Wissbegier von Hoffmann, und er bestand seine Ausbildung 1982 mit Bravour. Zeichnen, einfach so, genügte Hoffmann nicht, laufend quälte er seinen Ausbildner, über die Hintergründe seiner Skizzen mehr wissen zu wollen.
Vorteil des Stiers: Hartnäckigkeit. Hoffmann blieb lästig – und gewann: Das Vertrauen seines Lehrherrn, der ihm die Chance für mehr Bildung gab.
Nach dem Bundesheer war bei Frauenfeld & Berghof nicht viel zu planen – kein Platz für Hoffmann als technischer Zeichner. Kurzerhand entschied er sich für die Werkmeisterschule – Lernen machte ihm plötzlich Spaß. „Mit der Ausbildung durfte ich zwar Lehrlinge ausbilden, aber für die Baumeisterausbildung war dies nicht anrechenbar.“ 1988 holte er auch noch die Maurerlehre nach, denn Hoffmann war klar, er will Baumeister werden. 1989 startete er mit dem Lernen für die Baumeisterprüfung, die er in zweieinhalb Jahren auf Anhieb bestand.
„Mein erstes größeres Bauvorhaben war 1986 eine Aufstockung in der Tries­ter Straße. Ich war damals 22 Jahre alt und habe ein 3,5-Millionen-Schilling-Projekt geleitet. Das war ein großer Vertrauensbeweis von Baumeister Hutschinski, dem damaligen Eigentümer von Frauenfeld & Berghof.“ Nach jahrelanger Erfahrung als Bauleiter absolvierte Hoffmann letztlich auch die Ausbildung zur Sicherheitsvertrauensperson. Da die Kinder von Hutschinski keine Ambitionen zeigten, den Betrieb zu übernehmen, begann sich Hoffmann zu interessieren. Die ersten Gespräche begannen 2001.
Hutschinski wollte einen Kaufpreis, den sich Hoffmann nicht leisten konnte. „Ich hatte diese Sicherheiten für die Bank nicht. Nach einer Mitarbeiterbefragung über meine Führungsqualitäten, die positiv verlaufen ist, wurde ich Geschäftsführer.“ Hoffmann bekam die Chance, den Kaufpreis mit der Firma zu verdienen, sodass er das Unternehmen dann um einen Euro übernehmen konnte. 2006 sollte es so weit sein, aber das war schwieriger als geplant. 2008 wurde dann alles weitere mit Rechtsanwälten, Notaren und Banken besprochen. Seit Juli bin ich nun alleiniger Eigen­tümer“, so Hoffmann nicht ohne Stolz.
Die Banken wollen aber noch mehr Eigenkapital sehen, das bedeutet, Hoffmann muss das Eigenkapital erhöhen, um so die Abhängigkeit von den Banken zu reduzieren. Doch Hoffmann ist zuversichtlich und optimistisch.
Kaufmännische Ausbildung hatte Hoffmann keine – aber den Überblick über Zahlungen, Eingänge und Kosten hat er: „Ich weiß jeden Tag, wie viel wir am Konto haben, welche Ausstände es gibt. Eine meiner ersten Handlungen als Geschäftsführer war die Umstellung des Nachkalkulationsprogrammes. Dies berechnet nun, wie viel Erlös eine Baustelle bringt, sodass wir die Zahlen immer im Griff haben. 2006 hatten wir eine Großbaustelle, die HAK I, die 600.000 Euro Umsatz gebracht hat. Da wussten wir genau, dass wenn da was schiefgeht, dass alles nach hinten losgeht. 2007 und 2008 hatten wir einige große Bauprojekte als Generalunternehmer-Aufträge. Das war natürlich ein guter Zusatzumsatz, mit dem wir zwei Millionen überschritten.“
Der Fokus von Frauenfeld & Berghof sind Fassaden und Wohnungssanierungen. Der aktuelle Trend zu vermehrten Investitionen in die eigene Immobilie kommt dem kleinen Bauunternehmen nur zugute. Aber neben dem kaufmännischen Know-how gibt es auch den Bereich Akquirieren, den Hoffmann nie gelernt hat, aber offensichtlich im Griff hat: „Wir haben hauptsächlich Stammkunden und investieren nicht viel in Werbung. Wir leben hauptsächlich von Mundpropaganda und punkten nicht nur mit Qualität auf der Baustelle, sondern auch in der Kundenbetreuung. Unsere Stammkunden schätzen unsere gute Beratung. Mein Steckenpferd ist die technische Schiene, und auch wenn die Ausarbeitung der Details sehr knifflig und kompliziert sein kann, kann sich der Kunde darauf verlassen, dass alles stimmt. Und wenn es brennt, sind wir sofort da. Heute geht der Kostenvoranschlag raus, und morgen sind wir auf der Baustelle. Wir machen sehr viele kleinere Baustellen, zwischen 190 und 200 Baustellen im Jahr.“

Firmenkapital Mitarbeiter
Auf der Baustelle arbeiten zurzeit 16 Mitarbeiter. Bei Bedarf stockt Hoffmann mit Leihhelfern auf. „Wir haben nur mehr wenige Hilfsarbeiter. Viele wurden weitergebildet und sind nun Hilfsmaurer. Wenn die Auslastung mal nicht so gut ist, dann stehen eben ein Maurer und ein Hilfsmaurer auf der Baustelle. Wir arbeiten schon lange mit einer Personalfirma zusammen, von der wir sehr rasch sehr gute Leute bekommen.“
Effizient – so ist Hoffmann. Nur keine Leerläufe – die Firma ist gut strukturiert wie auch die Abläufe intern: „Ich bin ein Teamarbeiter im Büro wie auch auf der Baustelle.“ Er gestattet seinen Leuten einen gewissen Spielraum in der Art und Weise, wie sie die Arbeiten durchführen – doch die Vorgaben sind streng. Vor allem Qualität ist Hoffmann auch bei der kleinsten Baustelle ein Anliegen: „Wir sind dadurch sicher etwas teurer, aber unsere Bauherren wissen unsere Arbeit zu schätzen“, schmunzelt Hoffmann. Heuer erwartet Hoffmann einen Umsatz von zirka zwei Millionen Euro.

(Diana Danbauer, Die Bauzeitung)

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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