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Mit viel Optimismus ins neue Jahr

15.07.2009

Österreichs Bauwirtschaft blickt zufrieden auf das Jahr 2007 zurück. Für das Jahr 2008 ist der Optimismus leicht gebremst, jedoch wird von den Bauschaffenden mit einer kontinuierlichen Auslastung gerechnet.

Die Referenten der 64. Euroconstruct-Konferenz bestätigten ein starkes Wachstum der europäischen Bauwirtschaft in den Jahren 2006 und 2007. Das Euroconstruct ist ein europäisches Netzwerk, dem auch das heimische Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) angehört. Für 2008 erwartet Georg M. Busch, Leiter der Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen der europäischen Kommission, eine Verlangsamung des rasanten Aufschwungs der vergangenen Monate: „Die fallenden Immobilienpreise wirken sich auf die Finanzmärkte aber im Detail auch auf den Wohnbau und die gesamte Konjunktur aus. Die allgemeine Wirtschaftslage wird fast täglich schwächer. Die Wirtschaft, insbesondere die Bauwirtschaft, ist aber stark genug, um dieser negativen Entwicklung standzuhalten.“

Dollar löst Finanzkrise aus

Busch erklärt als Gründe für die Verlangsamung den Ölpreis, den Dollarkurs wie auch die weltweite Finanzkrise. Jedoch betont er auch die positiven Elemente für 2008: Beschäftigung und Investitionen steigen, die Konsumenten sind optimistisch, die Spareinlagen hoch, die Inflation mit zwei Prozent moderat wie auch die Staatsergebnisse erweisen sich als wesentlich besser als vor fünf Jahren. Die Wertsteigerung des Euros wertet Busch als positiv. Auf der anderen Seite betont er das Misstrauen der Banken, welche auf ihren schlechten Krediten sitzen bleiben und damit die Kreditbedingungen für Private erst recht verschärfen: „Diese Dynamik wirkt sich erst wieder auf die Wohnbautätigkeit aus.“ Insgesamt erwartet Busch ein positives Wachstum der Bauwirtschaft – denn rund 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts wird jeweils durch den privaten Konsumenten gestellt. Die Arbeitslosenrate wird von sieben auf sechs Prozent sinken – Thema wird laut Busch jedoch der Facharbeitermangel bleiben. Das bedeutet für die heimische Bauwirtschaft, 2008 verstärktes Augenmerk der Lehrlingsausbildung zu schenken.

Österreichs stabiler Wohnbau

Patrick de la Morvonnais, Wohnbauexperte des Institutes Bipe, Frankreich, schätzt den Verlust durch die Kreditkrise in den USA auf 400 Milliarden Dollar mit massiven Auswirkungen auf Europa, weil die Liquidität sinkt und ein Vertrauensverlust entsteht: „2008 wird es weniger Wohnbauaktivitäten geben und die Immobilienpreise werden weiter fallen. Auch für Wien prognostiziert Morvonnais im Neu-Wohnbau ein leichtes Minus. Er prognostiziert dem Wohnbau eine schwierige Kreditsituation bis 2009: „Viele Haushalte können sich Investitionen im Wohnen nicht mehr leisten – dort liegt nun die Herausforderung für die Regierungen.“ Die Anzahl der fertiggestellten Wohneinheiten wird bis 2010 auf 400.000 jährlich sinken. „Wir beobachteten einen radikalen Wechsel – 2006 war der Wohnbau noch der Motor der Wirtschaft, bis 2010 wird er aber drastisch zurückgehen. Nur Österreich, die Niederlande, Ungarn, Polen und Tschechien bleiben auf Wachstumskurs in Bezug auf Wohnneubau“, erklärt Morvonnais. Als wesentlichen Trend betonte Morvonnais auch die verstärkt zu erwartenden Investitionen in Sanierungsprojekte aufgrund der mittelfristigen Energiesparmaßnahmen.
Pekko Pajakkala, Institut VTT, Finnland, brachte die Trends des Nichtwohnbaus auf den Punkt: „30 Prozent aller Bauprojekte sind Geschäfts-, Büro- und Gewerbebauten, in Mittel- und Osteuropa laufen die stärksten Bautätigkeiten. Auch für die kommenden Monate bin ich mir sicher, dass diese Sparte stabil bleibt und sich gut weiterentwickelt.“ Auch bezüglich Verwertung zeigt sich Pajakkala optimistisch. Erich Gluch, Institut für Wirtschaftsforschung (IFO), Deutschland, bestätigt den Tiefbau auch als Motor für die Bauwirtschaft im Jahr 2008: „Vor allem in Frankreich, Großbritannien, Italien, Deutschland und Spanien erwarten wir ein sattes Plus der Investitionen im Tiefbau. Dazu kommen die guten Einnahmen durch die Lkw-Maut wie auch die rund 2,5 Milliarden Euro, welche in die Revitalisierung von Eisenbahnstrecken innerhalb der EU investiert werden.“ Deutlich positive Auswirkungen wird auch der Ausbau des Breitbandnetzes der Telefonunternehmen haben – welcher wiederum dem Tiefbau zugute kommt. Die östlichen Nachbarländer werden eine Vielzahl an Infrastrukturprojekten umsetzen. In Ungarn und Tschechien erwartet Gluch ein Investitionsplus in Umweltmaßnahmen.

Zinsen drücken Erfolg

Margarete Czerny, Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo), warnt vor überzogenen Erwartungen der Bauwirtschaft: „Der Bau wird nicht mehr der Konjunkturmotor sein – ausgelöst durch das zu erwartende Minus durch den Rückgang im Wohnbau. Der Bauboom hat sich 2007 bereits eingebremst. Dafür wird der Infrastrukturbereich zulegen.“ Czerny betont als positive Aspekte, dass die Arbeitslosenzahlen sinken werden, es mehr Beschäftigte geben wird, aber dennoch der Facharbeitermangel ein brandaktuelles Thema bleibt. Dazu kommen ihrer Meinung nach Engpässe bezüglich Material – wie zum Beispiel im Bereich Isolierung. „Finnland und Norwegen sind die beiden aktivsten Märkte für den Bau – 2008 wird am meisten in Schweden gebaut werden wie auch in Österreich und in den Niederlanden. Polen, Slowakei, Tschechien und Ungarn werden boomen“, erklärt Czerny. Für den Tiefbau und seine positiven Auswirkungen für die Bauwirtschaft macht Czerny vor allem Regierungsprogramme wie auch regionale Budgets verantwortlich.
Johannes Lahofer, Bundesinnungsmeister Bau, führt aus: „Im abgelaufenen Baujahr konnte zwar ein Anstieg des realen Bauproduktionswerts um 5,5 Prozent verzeichnet werden. Leider haben sich die Gewinnsituation und auch die Insolvenzquote von Baubetrieben trotzdem nicht entsprechend verbessert. Aufgrund des relativ milden Winters konnten in den Wintermonaten mehr Bauaufträge abgearbeitet werden, was jedoch in zahlreichen Regionen Auftragslöcher im Frühjahr nach sich zog. Die Arbeitslosenraten konnte erfreulicherweise deutlich gesenkt werden. Für 2008 prognostiziert das Wifo eine reale Bauproduktionssteigerung von drei Prozent, wovon 2,7 Prozent auf den Hochbau und 3,9 Prozent auf den Tiefbau entfallen. Das liegt zwar deutlich über dem Schnitt der westeuropäischen Staaten, beträgt jedoch nur rund ein Drittel der durchschnittlichen Zuwächse in Osteuropa. Im Regierungsprogramm wurden Anfang des Jahres auch für die Bauwirtschaft deutliche Weichenstellungen vorgesehen: Eines der zentralen Themen der nächsten Jahre ist das energieeffiziente und nachhaltige Bauen. Zur Erreichung der EU-Klimaschutzziele ist die thermische Sanierung der Nachkriegsbauten unabdingbar. Aber auch im Neubau ist Niedrigenergie- und Passivhausstandard unumgänglich. Dies war nicht zuletzt einer der Gründe, dass die Wohnbauförderung für die nächste Finanzausgleichsperiode nicht gekürzt wurde. Es wird darauf zu achten sein, dass aus dem vorhandenen Topf seitens der Länder so wenig wie möglich zweckentfremdet verwendet wird. Damit genügend Mittel für den Neubau bleiben, wird es auch notwendig sein, fiskalische Anreize für die thermische Sanierung zu schaffen und Mittel aus dem Klimaschutzfonds zu lukrieren. Die BauAkademien bieten laufend Schulungen für energiesparende Bauweisen an, um den erforderlichen Qualitätsstandards zu entsprechen. Die Lehrlingszahlen konnten zwar wieder leicht gesteigert werden, es besteht jedoch weiterhin ein akuter Mangel an qualifizierten Fachkräften, dem in den nächsten Jahren aufgrund der geburtschwächeren Jahrgänge und den verstärkten Pensionierungen entgegengewirkt werden muss. Zur Bekämpfung der Schwarzbeschäftigung am Bau wird ab 2008 bundesweit die Anmeldung vor Arbeitsbeginn eingeführt. Weiters wurde eine Sozialpartnereinigung zur Bekämpfung der Hinterziehung von Sozialversichungsbeiträgen erzielt, die 2008 in Gesetzesform gebracht werden muss. Danach haftet der Generalunternehmer für SV-Beiträge seines Subunternehmers in der Höhe von 20 Prozent des Auftrages, wenn Letzterer von der Sozialversicherung kein Unbedenklichkeitsstatus attestiert wurde oder der GU diesen Betrag nicht direkt an die Sozialversicherung überwiesen hat. 2008 steht wieder eine Kollektivvertragsrunde an. Neben der Lohnerhöhung werden dabei auch Themen wie Verbesserung der Jahresbeschäftigung, Arbeitszeitflexibilisierung, Bau­arbeiter-Urlaubsrecht und Pensionsversorgung der Bauarbeiter behandelt werden.“

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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