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Mit viel Schwung in den Maurerberuf

06.12.2005

Einer Tradition aus der alten Bauhüttenordnung aus dem Jahr 1275 folgend werden jedes Jahr die neuen Lehrlinge für den Maurer-, Schalungsbauer- und Tiefbauerberuf feierlich begrüßt. Der Rahmen der Veranstaltung trägt den historischen Namen „Aufdingfeier“ – zum Auftakt wird als symbolisches Zeichen für die Verbundenheit mit dem zukünftigen Beruf bei jeder Aufdingfeier ein Ziegelstein in eine Mauer in der BauAkademie Wien – Lehrbauhof Ost eingemauert. Besonders ehrenvolles Highlight der diesjährigen Aufdingfeier: Bundespräsident Heinz Fischer kam höchstpersönlich um den Jungen alles Gute auf ihrem Weg zum Maurer zu wünschen.
Walter Ruck, Landesinnungsmeister Bau Wien, begrüßte die 112 neuen Lehrlinge und betonte die Tradition als die Wurzel des Gewerbes – aus der die Kraft geschöpft wird. Stephan Gillich, Fachverband Bauindustrie, zeigte sich begeistert über den massiven Lehrlingszuwachs. Bundespräsident Heinz Fischer gratulierte den Lehrlingen zu ihrer Berufswahl: „Ein gut ausgebildeter Nachwuchs ist für unser Land sehr wichtig – ich freue mich über die hohe Zahl der Lehrlinge. Die Jungen sichern die Zukunft unseres Landes, die Wirtschaftskraft von Österreich. Dabei spielt die Ausbildung eine wesentliche Rolle, mit der man sich auf dem Arbeitsmarkt behaupten kann.“
Das klassische Berufsbild des Maurers umfasst das Errichten von Bauwerken und Bauwerkteilen im Hoch-, Tief-, Wasser-, sowie Straßenbau. Ebenso saniert er alte Häuser mit alten Techniken, indem er denkmalgeschützte Fassaden oder erhaltungswürdige Innenräume wiederherstellt. Die Hauptaufgabengebiete des Schalungsbauers liegen dort, wo viel mit Beton gearbeitet wird: z.B. beim Hochhausbau, im Brückenbau oder bei der Errichtung von Kraftwerken. Der Tiefbauer schließlich ist der jüngste Lehrberuf und beschäftigt sich mit den immer höher werdenden Anforderungen beim Bau von Straßen, Eisenbahnwegen, Brücken, Deponien und Tunnels.
Die unterschiedlichen Tätigkeiten aller drei Lehrberufe erfordern sowohl handwerkliches Geschick, als auch die Kenntnis vieler Materialien und Werkzeuge. Für die Lehrstellensuchenden ist eine Ausbildung in einem Bauberuf attraktiv, weil es sich um angesehene, verantwortungsvolle Berufe mit lukrativen Verdienst- und besten Aufstiegsmöglichkeiten handelt. Ausgelernte Facharbeiter können bei entsprechender Tüchtigkeit schon bald zum Vorarbeiter avancieren. Mit entsprechenden Kursen ist der Aufstieg zum Polier möglich. In der Folge bietet sich sogar die Chance der Selbstständigkeit. Denn nach der Absolvierung der Baumeisterkurse und Ablegung anspruchsvoller Prüfungen steht dem Titel „Baumeister“ nichts mehr im Wege. Eine andere Möglichkeit wäre auch die Ablegung einer Berufsreifeprüfung, um eine Fachhochschule oder Universität zu besuchen und Bauingenieur zu werden.

Mut zur Doppellehre
2.832 Lehrlinge – zehn davon weiblich – erlernen derzeit bundesweit das traditionelle Handwerk des Maurers, etwa 100 den Beruf des Schalungsbauers, und ungefähr 110 haben den Weg zum Tiefbauer eingeschlagen. Interessant ist, dass sich 387 Lehrlinge für eine Doppellehre mit einem verwandten Beruf wie z.B. Zimmerer entschieden haben. Solche Facharbeiter sind österreichweit gesuchte Arbeitskräfte. Eine ideale und zukunftssichere Kombination stellen selbstverständlich die drei Berufe untereinander dar. Um den Facharbeiternachwuchs in der Baubranche weiter zu fördern, setzen die Bauverbände zusätzlich zum Lehrlingspaket der Regierung außerdem noch weiterführende Maßnahmen. Der Facharbeiterstand soll unter anderem auch durch finanzielle Anreize langfristig gesichert werden. Für jeden Lehrling erhält der ausbildende Betrieb eine jährliche Prämie von 1.500 Euro von der Baugewerbeinnung und dem Fachverband der Bauindustrie. Dazu kommt noch eine staatliche Prämie von 1.000 Euro. Diese Lehrlingsoffensive soll einen Anreiz und eine Kostenabgeltung für die Lehrlingsausbildung darstellen. Da das Interesse der Bauwirtschaft an hochqualifizierten Facharbeitern sehr groß ist, fällt diese Initiative auf fruchtbaren Boden.

Gisela Gary

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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