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Mit voller Kraft stromaufwärts unterwegs

26.04.2005

Gallus Pesendorfer stellte sich als Landesinnungsmeister der Bau Oberösterreich für eine neue Periode zur Verfügung – und wurde wieder als Chef der oberösterreichischen Baubranche bestätigt. Seine Beweggründe, noch einmal für die bauausführende Wirtschaft die Interessen zu vertreten, erklärt Pesendorfer: „Es ist sehr schwierig, Funktionäre zu finden, ich fühle mich verpflichtet, dass ich mich engagiere, nur kritisieren und nichts tun, das entspricht nicht meiner Person. Ich bin auch davon überzeugt, etwas bewegen zu können.“ Sein Fazit für die vergangenen fünf Jahre ist durchwegs positiv: „Wir haben einige Projekte am Laufen, z. B. die Kooperation mit Südböhmen. Stark sind wir auch im Lehrlingsbereich, wir haben in Oberösterreich sehr viele Lehrlinge. Ich bin sicher, wir werden in puncto Lehrlingszahlen auch weiterhin zulegen – ein guter Anreiz ist die nicht zuletzt auch durch uns mitbegründete Lehrlingsprämie.“ Nicht immer ist der „Alltag“ als Landesinnungsmeister einfach – für das „Taggeld neu“ musste Pesendorfer einiges an Kritik einstecken: „Wir wurden wüst beschimpft – und jetzt haben alle verstanden, dass die Vereinbarung eigentlich in Ordnung ist.“ Auch hier zeigte sich die Bauinnung Oberösterreich aktiv und informierte umfassend mit Veranstaltungen und Vorträgen. Ein Meilenstein der vergangenen Jahre ist der HTL-Wettbewerb „Planen und Bauen“. Die Maturaschüler der HTL Linz konnten sich an dem von der Bauinnung Oberösterreich ausgeschriebenen Wettbewerb beteiligen – „wir sind beeindruckt von den eingereichten Leistungen“, so Pesendorfer.
Aber auch für ein aktives Lobbying setzt sich Pesendorfer ein – dazu wurde eine Baukoordinationsstelle eingerichtet. Dabei sitzen die Sozialpartner, die Bauindustrie und das Baugewerbe an einem Tisch. „Wir diskutieren mit der Politik maßgebliche, aktuelle Fragestellungen der Bauwirtschaft, besprechen Probleme – wie z. B., dass wir zu wenige Aufträge haben, welche Möglichkeiten gibt es hier für uns. Der gemeinsame Dialog ist wichtig. Durch die Baukoordinationsstelle ist aber vor allem auch nach außen klar, dass wir miteinander arbeiten.“

Höhere Strafen notwendig
Zum Stichwort Schwarzarbeit und Scheinfirmen hat sich Pesendorfer der Aktion Bau fair angeschlossen, räumt aber dennoch ein: „Wir versuchen, unsere Mitglieder über die langfristigen, wirtschaftlichen Nachteile mit massivem Nachdruck extra noch hinzuweisen – doch die schwarzen Schafe sind einerseits schwierig festzumachen, andererseits sind die Strafen, wenn z. B. eine Scheinfirma aufgedeckt wird oder tatsächlich Pfusch am Bau bewiesen wird, meiner Meinung nach viel zu niedrig! Die Strafsumme kalkuliert doch der Unternehmer bereits ein – tatsächlich verdienen wird er ein Vielfaches. Den Firmen muss endlich klar werden, dass Pfusch am Bau nicht nur unser Image ruiniert, sondern letztlich auch für den Bauherrn vom Nachteil ist.“
Das Image der Baumeister leidet – doch „Leiden“ ist laut Pesendorfer auch eine der Lieblingsbeschäftigung seiner Kollegen. Und damit soll endlich Schluss sein: „Die ewige Jammerei bringt nichts, vor allem: Wir machen ja selbst die Preise. Wir müssen eine Imagekorrektur des Baumeisters vornehmen. Dem schlechten Image und dem Pfusch am Bau können wir nur mit noch mehr Qualität entgegnen.“ Neben der Imagekorrektur steht laut Pesendorfer ebenso eine Berufsbildkorrektur an: „Wir müssen uns viel stärker in Richtung Manager entwickeln und weiterbilden, dies gilt für Kleinbetriebe ebenso wie für Unternehmer mit 70 Mitarbeitern. Unsere Befugnis ist breit, diese reicht vom Planen bis zum Bauen, wir müssen auf den veränderten Markt reagieren. Nur Baumeister zu sein, ist heute mit Sicherheit einfach zu wenig. Ebenso muss die traditionelle Botschaft der Baumeister ,massiv bauen‘ überdacht werden, diese stimmt nur noch zum Teil, wir müssen flexibel sein, massiv bauen ist unsere ureigenste Sache, wir können aber weit mehr machen als nur massiv bauen, im Wohnbau ist die Bauform jedoch sicherlich das Nonplusultra.“
Aus- und Weiterbildung würde Pesendorfer für jedes Mitglied am liebsten verpflichtend einführen. Die BauAkademie Oberösterreich unter der Leitung von Harald Kopececk bietet ein qualitativ hohes und breites Bildungsangebot für Unternehmer wie auch deren Mitarbeiter. „Doch auch hier wünsche ich mir viel mehr Aktivität der Baumeister – auch in Bezug auf die Bildung ihrer Mitarbeiter, dass auch diese zu Schulungen und der Erreichung höherer Qualifikationen motiviert werden“, so Pesendorfer. Dazu will er auch den Projektmanagement Bau-Lehrgang stärker in der Kollegenschaft forcieren.
Die Baumeisterprüfung wurde umgestaltet, Pesendorfer zeigt sich zuversichtlich für das kommende Jahr, es gibt bereits viele Anmeldungen. Ein Wermutstropfen ist wiederum das Stichwort Qualität: „Die Qualität der Prüflinge sinkt, die Leistungen derer, die zur Baumeisterprüfung antreten, sind schwach – es gibt kein Mittelfeld mehr. Bedenklich ist für mich auch, dass die FH-Absolventen gut vorbereitet sind – die Kollegen aus der Praxis sind viel weniger motiviert und probieren halt mal. Das ist dann meist für die Baumeisterprüfung zu wenig.“

Aufträge von der Politik fordern
Pesendorfer steht im ständigen Austausch mit den politischen Entscheidungsträgern des Landes Oberösterreich. Vor wenigen Tagen ist ihm in Bezug auf die Inhalte der förderungsrelevanten Verordnungen und die geplanten Änderungen gelungen, eine für die Bauwirtschaft befriedigende Einigung zu erzielen. Auch die Wohnbauförderung, die per 1. April in Kraft trat, konnte zufrieden stellend abgeschlossen werden. Pesendorfer brachte gemeinsam mit Spartenobmann Günther Pitsch bei Landeshauptmannstellvertreter Hiesl und Landesrat Kepplinger die Forderungen und Wünsche der Bauwirtschaft vor. Im Gespräch mit Hiesl vereinbarte Pesendorfer z. B., dass die Reihenhausförderung mit dem Einfamilienhaus gleichgestellt wird: „Ein toller Vorteil für uns: Wir können nun auch bei Reihenhäusern einen vorzeitigen Baubeginn erreichen. Zudem ist es uns gelungen, dass das Land Projekte, die für 2006 geplant waren, in den Herbst 2005 vorzieht. Diese Tatsache garantiert eine gute Auslastung der Bauwirtschaft in Oberösterreich.“ Die Stärken des Landes stromaufwärts der Donau liegen vor allem im Industriebau wie auch in der Infrastruktur.
Einige Verordnungsnovellierungsentwürfe zu Förderungen wurden aktuell beschlossen. In diesen Verordnungen sind Übergangsfristen bis zum 1. Jänner 2007 vorgesehen, um beim mehrgeschoßigen Wohnungsbau Bauherrn und Ausführenden Zeit zu geben, sich mit den geänderten diesbezüglichen Inhalten vertraut zu machen und diese umzusetzen.
„Da es in Oberösterreich in der Vergangenheit betreffend der Mittelzuteilung bzw. Freigabe von vorgelegten Förderungsprojekten vor allem im mehrgeschoßigen Wohnungsbau zu einem Stau bzw. Stopp gekommen ist, hoffen wir, dass nun spätestens zu Saisonbeginn die diesbezüglichen Förderungsstellen effizient handeln bzw. reagieren und Förderungsmittel freigeben bzw. die dazu notwendigen Zusagen bzw. Bewilligungen erteilen. Diese rasche und effiziente Umsetzung wird gefordert und notwendig sein, um der gesamten oberösterreichischen Bauwirtschaft (Bauhaupt- und Baunebengewerbe) die Möglichkeit zu bieten, eine gewisse Grundauslastung in ihren Auftragsbüchern zu verbuchen und damit letztendlich ihrer Belegschaft gesicherte Arbeitsplätze ,in Aussicht‘ zu stellen“, zeigt sich Pesendorfer optimistisch.

Gisela Gary

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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