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Mit Vorurteilen aufräumen

26.09.2014

Clemens Hecht, Sprecher der ­Qualitätsgruppe Wärmedämmsysteme, hat sich viel vorgenommen.

 

In regelmäßigen Abständen kocht die Diskussion über den Sinn thermischer Sanierung und damit einhergehend auch der Wärme­dämmung in den Medien hoch. Da man nicht immer darauf hoffen kann, auch zu Wort zu kommen, setzt die Qualitätsgruppe Wärmedämmsysteme (QG WDS) seit gut eineinhalb Jahren selbst Maßnahmen, um das Image der Wärmedämmung und vor allem die Qualität in der Verarbeitung von WDVS-Systemen zu verbessern.

Seit gut eineinhalb Jahren fährt die QG WDS eine offensive Imagekampagne, um die Öffentlichkeit und natürlich auch die Baubranche für das Thema WDVS-Systeme zu sensibili­sieren. Merken Sie mittlerweile Veränderungen? CLEMENS HECHT: Wir als Gruppe werden seitdem eindeutig stärker wahrgenommen und auch öfter um unsere Meinung gefragt. Aber auch unsere Verarbeitungsrichtlinie wird immer häufiger in Ausschreibungen vorausgesetzt. Wenn sich diese Entwicklung weiterhin fortsetzt, ist das extrem positiv und ein Zeichen, dass unser Engagement Wirkung zeigt.

Dazu gehören aber auch ausgebildete Verarbeiter. Wie hoch ist das Interesse an der Ausbildung zum „zertifizierten Fachverarbeiter“, die Sie gemeinsam mit den Bauakademien anbieten? HECHT: Anfangs war der Zulauf sehr groß. Momentan, das muss man ehrlich sagen, stagniert es ein bisschen. Deshalb werden wir auch in diesem Jahr noch Maßnahmen setzen, um das Thema präsent zu halten. Allerdings bieten wir nicht nur die Weiterbildung zum zertifizierten Fachverarbeiter an, sondern auch zum zertifizierten Techniker. Mit dieser Ausbildung richten wir uns an Bauleiter, die für die Kontrolle der Ausführung verantwortlich sind. Hier ist eine leichte Verschiebung erkennbar. Mittelfristig möchten wir auch Planer ansprechen, aber das ist noch ein Ressourcenproblem. Grundsätzlich gibt es die Bestrebung, aus der Ausbildung einen Lehrberuf zu machen. Natürlich nicht eins zu eins mit den aktuellen Inhalten. Es müsste ein völlig neues Berufsbild sein – zum Beispiel die Lehre zum „Verarbeiter für energieeffiziente Fassaden“. Noch ist das Zukunftsmusik, aber in diesem Bereich wird sich über kurz oder lang etwas ändern, und ich bin ein Freund davon, die Themen zu diskutieren und zu entwickeln, solange wir noch Zeit und keinen Druck haben. 

Sind die Auftraggeber überhaupt bereit, für dieses Extra-Know-how zu zahlen? HECHT: Die Nachfrage nach geschultem und zertifiziertem Personal hat auf Auftraggeberseite ganz klar zugenommen. Deshalb arbeiten wir auch gerade an einer entsprechenden Datenbank, in der wir Unternehmen, die zertifizierte Fachverarbeiter beschäftigen, listen. Dadurch entsteht vielleicht auch ein bisschen Druck, der viele Unternehmer motiviert, ihr Personal entsprechend zu schulen. Das wäre ein Mehrwert für das Bauunternehmen und für die Bauherren natürlich auch.

Die Einreichfrist für den siebenten Ethouse-Award geht gerade in den Endspurt. Wie hat sich die Qualität der eingereichten Projekte in den vergangenen Jahren entwickelt? HECHT: Ich begleite den Ethouse-Award nun schon zum dritten Mal, und ich muss sagen, die Qualität der Projekte ist gleichbleibend hoch. Bewertet werden von unserer Fachjury die technische Umsetzung sowie die architektonische Qualität. Im vergangenen Jahr wurden die Einreichkriterien konkretisiert – mittlerweile müssen mindestens 50 Prozent der Fassade aus WDVS-Systemen bestehen. Das hat den Bewerbungen gutgetan. In diesem Jahr kamen bis jetzt schon deutlich mehr aktive und konkrete Nachfragen zum Einreichprozedere. Wünschenswert ist natürlich, dass auch die Zahl der Teilnehmer kontinuierlich steigt. Bisher hatten wir aber schon immer genug Auswahl.

Auf welchen Themenbereichen liegt in nächster Zeit ihr Fokus? HECHT: Ein sehr wichtiger Punkt wird weiterhin die Dokumentation sein. Die ÖNormen B 6400 und B 6410 für Planer und Verarbeiter werden gerade überarbeitet, des Weiteren sind wir stark in die Entwicklung der europäischen Norm involviert, und auch die Aktualisierung unserer Merkblätter werden wir weiter forcieren. Ansonsten hat sich nach knapp zwei Jahren in dieser Formation eine – sagen wir mal – wohlgemeinte Routine eingestellt, die es uns künftig auch erlaubt, andere wie zum Beispiel politische Themen anzupacken und uns entsprechend zu positionieren.

Ethouse-Award 2014

Zum siebenten Mal vergibt die QG WDS den mit 12.000 Euro dotierten Ethouse-Award. Er würdigt Gebäudesanierungen, die eine kreative, auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Herangehensweise an das Thema Energieeffizienz in Verbindung mit Wärmedämmverbundsystemen unter Beweis stellen. Vergeben wird der Preis in folgenden drei Kategorien: öffentliche Gebäude, gewerbliche Bauten sowie Wohnbau. 
Einreichschluss ist der 7. Oktober 2014, 12 Uhr. www.waermedaemmsysteme.at

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