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Mobile Baumeister auf der Überholspur

21.02.2006

Montagmorgen, 7:30 Uhr: Baubesprechung in Mistelbach, 11:00 Uhr: Anbotslegung in Klosterneuburg, 13:00 Uhr: Bauübergabe in Stockerau, 17:00 Uhr: Geschäftsessen in Wien – kein Testlauf für einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde, sondern der ganz normale Tagesablauf eines geschäftstüchtigen Baumeisters.
Mobilität und effizientes Zeitmanagement sind heute wesentliche Voraussetzungen für einen funktionierenden Arbeitsablauf und ebenso selbstverständliche Bestandteile im Anforderungsprofil an den Baumeister wie Innovationsbereitschaft und profunde Fachkenntnisse in den Bereichen Baumanagement, Bauplanung und -ausführung. Über die Vielzahl der täglichen Termine gilt es den Überblick zu bewahren. Flexibilität steht dabei an oberster Stelle. Termine müssen im ohnehin schon dichten Zeitplan koordiniert, Terminänderungen kurzfristig berücksichtigt und unvorhergesehene Zeitlöcher effizient genutzt werden.
Ein durchdachtes Zeitmanagement, das auch auf unerwartete Ereignisse reagieren kann, ist dabei eine der wesentlichsten Grundvoraussetzungen. Mobiltelefon und klassischer Terminplaner reichen in den meisten Fällen nicht mehr aus, um diesen Anforderungen gerecht zu werden.
Dringliche E-Mail-Anfragen müssen auch von unterwegs beantwortet werden, Dokumente in letzter Minute noch nachgereicht und Planänderungen kurzfristig abgesegnet werden. Im Idealfall sollte auch jene technische Infrastruktur, die am Büroschreibtisch gang und gäbe ist, mobil verfügbar sein. Elektronische Helfer wie Personal Digital Assistent (PDA) oder Smartphones tragen mit ihrer Anwendungsvielfalt dazu bei, auch unterwegs am letzten Stand der Dinge zu sein und rasch auf Anfragen zu reagieren.

Vorteile erkennen – Chancen nutzen
Österreich ist das Land der mobilen Kommunikation. Mehr Mobiltelefone als Einwohner weisen die jährlichen Statistiken der heimischen Netzbetreiber auf. Ein Ende der mobilen Aufrüstung ist noch lange nicht in Sicht. Nicht zuletzt die attraktive Preisgestaltung und die hohe Qualität in puncto Netzabdeckung sowie die Rauschfreiheit in der modernen Mobiltelefonie sichern den Anbietern zufriedene Kunden und damit auch weiterhin steigende Absätze. Die aktuellen Zahlen des Mobilfunkbarometers 2005 belegen die hohe Qualität der heimischen Netze. Der Großteil der mehr als 800 Befragten ist mit der Qualität der Verbindungen sehr zufrieden. An erster Stelle stehen für die Kunden Netzqualität und Netzabdeckung.
Auch Unternehmer haben die Vorteile der mobilen Kommunikation längst erkannt. Einer aktuellen Studie des deutschen Marktforschunginstituts Knowledge Intelligence zufolge sehen mehr als 80 Prozent aller Unternehmer die Ausrüstung ihrer Mitarbeiter im Außendienst mit Personal Digital Assistent (PDA) als Investitionsschwerpunkt der kommenden Jahre. Bereits mehr als vierzig Prozent der Unternehmen wenden rund zehn Prozent ihres IT-Budets für die Ausrüstung ihrer Mitarbeiter mit mobiler Kommunikation auf. Weitere 55 Prozent der befragten Unternehmen planen eine deutliche Steigerung ihrer Investitionen in diesen Bereich. Der Anteil jener Unternehmen, die einen Budgetanteil von rund 20 Prozent allein für die Computerisierung ihres Außendienstes veranschlagen, soll sich in den nächsten eineinhalb Jahren verdreifachen. Die Gründe für den Vormarsch der mobilen Kommunikation liegen auf der Hand: ortsunabhängige Anbindung an das Firmennetz, Einbindung in interne Geschäftsabläufe und die Vernetzung interner und externer Unternehmensprozesse.

UMTS ist die Zukunft
Aus der Vielzahl der auf dem Markt befindlichen High-End-Geräte wurden vom Testteam der bau.zeitung sechs ausgewählte Handhelds und Smartphones auf ihre Praxistauglichkeit und Funktionalität getestet. Dem Vergleich stellten sich: BlackBerry Wireless Handheld, HP IPAQ hw 6515, MDA PRO, Nokia N70, Palm Treo 650, Sony Ericsson P910i.
Die besonderen Bedürfnisse für die Verantwortungsträger am Bau standen dabei im Mittelpunkt. Als profunder Kenner der Mobilfunkbrache leistete Christian Haspl, Produktmanager bei Hutchison 3G Austria, praktische Unterstützung beim Test. „Sämtliche Geräte zeichnen sich durch eine hohe Leistungsfähigkeit aus und können als vollwertige PDA bezeichnet werden“, erläutert Haspl. Mit Microsoft Pocket-PC, Palm OS und Symbian OS spiegeln die Testgeräte die gesamte Palette der erweiterbaren Betriebsysteme wieder. Nur bei diesen Standardbetriebssystemen können Fremdapplikationen zusätzlich installiert werden.
Wesentliches Auswahlkriterium beim Kauf ist laut Haspl der Übertragungsstandard. „UMTS ist und bleibt der Standard in der mobilen Kommunkikation – auch in Zukunft“, bringt Haspl das wichtigste Auswahlkriterium auf den Punkt. Vor allem bei der Übertragung von Bilddaten oder PDFs zeigt sich bei auf UMTS basierenden Geräten ein Geschwindigkeitsvorsprung um den Faktor zehn im Vergleich zur GPRS-Variante. Darüber hinaus bieten UMTS-Endgeräte auch die Möglichkeit, mit einem Bluetooth-Adapter mittels Notebook schnell und problemlos online zu gehen. Lediglich das Nokia N70 und der MDA erfüllen diese Anforderungen. Von den restlichen Geräten zeigt sich Haspl in Bezug auf die Übertragungstechnologie „enttäuscht“. Der GPRS-Standard ist heute nicht mehr zeitgemäß“, bricht Haspl eine Lanze für UMTS und weiter: „Niemand will lange Übertragungszeiten – denn Zeit ist Geld.“

Mehr als nur Telefonieren
Wassereintritt in die Baugrube, kurzfristige Planänderungen oder komplexe Detailfragen bedürfen in der Regel einer schnellen Lösung. Im Idealfall wäre die Anwesenheit des Baumeister bzw. Bauleiters vor allem in derartigen Situationen von Vorteil. Gleichzeitig zeigt die Praxis, dass bei der Vielzahl an laufenden Projekten gerade dies im Normalfall nicht möglich ist. Mithilfe von Fotoübertragungen und Videotelefonaten kann der Projektverantwortliche einen unmittelbaren Eindruck von den Vorgängen auf der Baustelle gewinnen, ohne dass seine persönliche Anwesenheit erforderlich ist, und kann so auch aus der Ferne rasch und effizient handeln.
Die aktuelle Generation der mobilen Multifunktionsgeräte bieten digitale Fotografie mit einer Auflösung von zwei bis drei Megapixel. Das ist mit der Fotoqualität einer herkömmlichen Pocket-Digitalkamera vergleichbar und für den täglichen Gebrauch ausreichend. Im Testfeld reicht das Spektrum von 1,3 bis 2,0 Megapixel. Einzig das BlackBerry Handheld verfügt über keine Fotofunktion. Das Nokia N70 bietet als zusätzliches Feature die drahtlose Übertragung der Fotodateien auf den Firmenrechner. Dabei werden die Aufnahmen automatisch gespeichert, sobald sich das Smartphone in einem Umkreis von maximal zehn Metern zum Rechner befindet. Zeitgleich mit der Archivierung auf dem Standrechner werden die Dateien am Gerät gelöscht, sodass immer ausreichend Speicherkapazität zur Verfügung steht. Sowohl der MDA PRO als auch das Nokia N70 bieten neben der digitalen Fotografie auch die Möglichkeit von Videotelefonaten.
Bauen heißt auch ständig auf Achse zu sein. Um im Dickicht der Großstadt und auf Überlandfahrten nicht vom rechten Weg abzukommen, bieten die Mobilfunktreiber als Zusatzfunktion ein Navigationssystem an. Als einziges der Testgeräte verfügt das Nokia N70 über einen integrierten GPS-Empfänger. Die Netzbetreiber Mobilkom Austria und der UMTS-Spezialist Drei haben im Angebot, brandaktuelles Kartenmaterial direkt aus dem World Wide Web herunterzuladen. Im Vergleich mit den anderen auf dem Markt befindlichen Navigationslösungen, verringert das die Investitionskosten deutlich und bietet einen Aktualitätsvorsprung.

Mail-Systeme
Selbstverständlich verfügen alle getesteten Smartphones auch über umfassende Mailfunktionen, die sich in der Handhabung durch die jeweiligen Mailprogramme unterscheiden. In Europa liegt trotz der allgemein hohen IT-Investitionsbereitschaft der Anteil von mobilen E-Mail-Zugängen an Firmenmailboxen im einstelligen Prozentbereich. Vor allem für die klassischen KMU sind Netzbetreiber-Systeme – die von der hauseigenen IT-Abteilung oder dem EDV-Administrator selbst verwaltet werden können – ein idealer Einstieg in die mobile Kommunikation auf dem aktuellen Stand der Technik.
In diesem Sinne eignet sich für Microsoft-Kunden das E-Mail-System „Microsoft Exchange“. Für Endgeräte mit Windows Mobile mit einem MS-Exchange-Mailserver ist die Push-Funktion standardmäßig mit an Bord. Der Vorteil liegt in erster Linie in den Kosten, der Nachteil: eigenes IT-Know-how muss im Unternehmen vorhanden sein.
Auch die IBM Websphere Everyplace beinhaltet im Rahmen der IBM-Groupware die Push-Software, die alle Endgeräte unterstützt und kann mit allen Netzbetreibern verwendet werden kann. Große Firmen mit eigener IT-Abteilung können den Betrieb selbst organisieren, kleinere Unternehmen sollten sich auf die professionelle Unterstützung über eine Hosting-Variante mit Support verlassen.
Die Push-Software von Ericsson Mobile Organizer EMO vereint E-Mail, Kalender und Kontakt-Synchronisation. Der große Vorteil des EMO ist, dass es mit allen Netzbetreibern funktioniert und die meisten am Markt befindlichen Endgeräte unterstützt. Für die Datenübertragung können alle Mobilfunktechnologien, inklusive Wireless LAN, benutzt werden. Die Kommunikation ist mit einer 128-Bit-Verschlüsselung gesichert und entspricht damit dem derzeit höchsten Sicherheitsstandard. Die Einstellungen einer etwaigen Firmenfirewall bleiben davon unbetroffen und müssen nicht angepasst werden.
Seit Beginn dieses Jahres betreibt auch Nokia seine eigene Push-Mail-Lösung NBS. Das System kann laut Nokia auch von den Firmen selbst betrieben werden. Der große Vorteil findet sich in den geringen Kosten, derzeit werden aber nur die eigenen Handhelds unterstützt.
Zu den absoluten Klassikern der mobilen Kommunikationslösung zählt Blackburry als einer der ersten Hersteller von PDA. BlackBerry wird von T-Mobile und A1 als Unternehmens- und Endkunden-Version vertrieben. Großer Nachteil: Das BlackBerry-System kann von den Unternehmen nicht selbst betrieben werden. Der Netzbetreiber verrechnet den Kunden eine monatliche Lizenz für den Dienst. Der Vorteil ist die hohe Datenkomprimierbarkeit.

Tom Cervinka und Stefan Pruckmayr

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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