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Multikulti im Wohnbau

11.03.2011

Den Mankos beim kulturell durchmischten Miteinander auf der Spur: Das bereits 39., hochkarätig besetzte Symposium von wohnen.plus analysierte die Integrationspraxis in heimischen Wohnhausanlagen.

In Österreich wird Integration missverstanden und selektiv wahrgenommen, attestiert Politologe Anton Pelinka der heimischen Volksseele die Reduktion des Themas auf Ausländer erster Generation oder Asylwerber. „Integration ist jedenfalls ein Prozess, kein Zustand. Hintergrund ist die Vorstellung einer Einheitlichkeit in der österreichischen Gesellschaft. Die ist aber Fiktion, hat nie existiert.

Und: Integration kann auch nicht per Gesetz erzwungen, muss aber politisch ermöglicht werden.“ – So weit zur Theorie beim bereits 39., abermals hochkarätig besetzten Symposium von wohnen.plus, dieses Mal in der Wiener Urania. Unter dem Titel „Integrationspraxis in Wohnhausanlagen – Problemzone oder Zukunftsmodell“ präsentierten Gast­referenten Pelinka und Co eine Melange zum vieldiskutierten Thema Wohnen à la Multikulti.
Allen voran ist sich Jörg Wippel, geschäftsführender Gesellschafter der wvg Bauträger, aufgrund seiner Erfahrungen mit international durchmischten Wohnanlagen sicher: „Es kommt immer auf den Zugang an. Sucht man den Dialog, ist man Gesprächspartner. Nimmt man sich Zeit und erklärt, ist man Freund.“

Dahinter steckt jedoch langwierige Arbeit. Das weiß man bei Sozialbau, schon durch das mit dem Wiener Wohnpreis prämierte „Wohnmodell Inter-Ethnische Nachbarschaft“. Generaldirektor Herbert Ludl: „Es gibt alles, nur keine schnellen Erfolge. Integration ist Arbeit aller und vor Ort.“ Zehn Jahre habe beim Projekt die Gemeinschaftsbildung gedauert. Ganz wesentlich sei dabei eine ethnische wie soziale Mischung. Und wahrscheinlich noch wichtiger: „Eine Preiswürdigkeit. Es ist ein entscheidender Faktor, ob man für alle offen ist. Eine Anlage muss für Österreicher wie Zuwachs in gleichen Maße attraktiv sein.“ Integration im Wohnbau sei jedenfalls, bescheinigt Ludl, über einzelne Projekte hinaus Normalität geworden.

Doch es gibt Nachholbedarf. So erklärt Klaus Lugger, Geschäftsführer der Neuen Heimat Tirol: Es bedarf trotz weniger Zwischenfälle eine bessere Ausbildung der Mitarbeiter von Hausverwaltungen. Generell braucht es eine Steigerung im Qualitätsmanagement.“
„In Österreich erkennt man zwar, dass es Zuwanderung braucht, man will sie aber nicht“, zeigt Intergrationsexperte Kenan Güngör vom Büro für Gesellschaftsanalysen und Integration die Ambivalenz beim Thema auf. Sein Vorschlag zur Verbesserung eines Zusammenlebens: die Refunktionalisierung der Nachbarschaft. Güngör: „Aufgrund der Strukturwandels gibt es heute keinen Grund mehr, sich mit dem Nachbarn zu treffen – außer zu streiten.“ Deshalb sei es wichtig, so Adelheid Wimmer, Psychoanalytikerin und Beraterin der Wohnen-Plus-Akademie, dass Mitarbeiter einer Hausverwaltung Anlässe für interkulturellen Kontakt schaffen: „Denn Integration hat mit Emotion zu tun.“ Ihr Hinweis: Lehrgänge dafür gibt es bereits, etwa bei Wohnen Plus, u. a. im Mai in Wien.

Ganz nah an der Intergrationspraxis ist Renate Schnee, die Leiterin des Stadtteilzentrums Bassena am Schöpfwerk. Sie erkennt die Probleme in der Intergration als Symptome. „Problemzonen haben exogene Ursachen wie das Wirtschaftssystem und Polarisierung.“ Kurz: „Kapital“ führe zu Arbeitslosigkeit und Armut, Armut wiederum zur Flucht in Drogen und Kriminalität. Zudem werde Armut wie Bildungsniveau vererbt. Erschwerend käme ein schwieriger Zugang zum Sozialsystem dazu. Schnee: „Das schlägt sich im Gemeinbau als Brennpunkt nieder, ist aber dort nicht entstanden.“ Sie fordert eine aktivierende Gemeinwesenarbeit. Dafür seien aber auch Mittel notwendig, die, so die offene Kritik auch in Richtung des anwesenden Wien-Wohnstadtrats Michael Ludwig, offenbar zumindest am Schöpfwerk spärlich gesät sind.

(Redaktion: Helmut Melzer)

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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