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„Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Rubble Master ist bei Kompaktbrechern das, was Caterpillar im Segment Bagger ist.“

Nächstes Ziel: Weltherrschaft

12.03.2018

Rubble Master hat sich am Weltmarkt etabliert. Ein neuer Standort in China, die Übernahme eines nordirischen Siebherstellers und der Ausbau des Headquarters sollen die Position festigen.
 

Egal ob in Paraguay oder Oberösterreich: Es gilt, die richtige Maschine mit dem richtigen Setting zur gewünschten Zeit zu liefern.

Spricht man mit Gerald Hanisch, Gründer und CEO von Rubble Master, über sein Unternehmen, spürt man, mit wie viel Herzblut und Freude er daran hängt. Seit kurzem ist das „kleine“ österreichische Unternehmen, das mittlerweile Marktführer im Segment der mobilen Brecher ist, um einen Standort in China gewachsen und hat einen nordirischen Siebhersteller übernommen. Eine spannende und herausfordernde Situation, wenn man plötzlich aufwacht und einen Konzern leitet – findet zumindest Hanisch.

2017 war für Rubble Master schon wieder ein mehr als erfolgreiches Jahr. Ein Umsatz von 110 Millionen Euro, ein Umsatzwachstum von mehr als 22 Prozent.
Gerald Hanisch: Das stimmt. Für mich waren 100 Millionen Umsatz immer so ein Schwellenwert, der ein wenig indiziert, dass man richtig im Geschäft der Großen angelangt ist. Man könnte sagen, wir sind nach 26 Jahren erwachsen geworden. Dabei hätten wir letztes Jahr sogar noch mehr Maschinen verkaufen können, doch konnten mit der Nachfrage nicht ganz mithalten. Natürlich stört mich so etwas sehr, dennoch bin ich Realist genug, um genau zu wissen, dass man unsere Wachstumszahlen nur mit einer gewissen Nachhaltigkeit erreichen kann. Auch 2018 stimmt uns positiv, wir planen zurzeit konservativ mit einem weiteren Umsatzwachstum von über 20 Prozent. Trotzdem muss man festhalten, dass solch ein Wachstum auch eine Herausforderung ist und eine andere Art der Professionalität im Unternehmen erfordert. Wir sind mehr als 20 Jahre unter dem Radar geflogen. Niemand hatte uns auf der Landkarte. Wir haben unser Unternehmen entwickeln können, und plötzlich sind wir der beste Feind von allen. Alle wollen das tun, was wir tun. Das ehrt mich einerseits, andererseits gilt es nun auch, richtig zu agieren. Unser Wachstum muss immer mit Qualitätskriterien untermauert sein.

Wie geht man mit einer solchen Drucksituation vonseiten der Konkurrenz um?
Hanisch: Wir müssen das Original hypen, den Menschen zeigen, dass wir seit 26 Jahren an ein Produkt glauben, von dem 20 Jahre lang viele behauptet haben, dass es nie funktionieren wird. Heute bauen diese Firmen unsere Produkte nach. Zusätzlich gilt es, weiterhin aufzuzeigen, wofür die Marke Rubble Master steht: Wir stehen nicht nur für hochqualitative Maschinen auf dem neuesten Stand der Technik, sondern auch für einen 24/7-Support unserer Kunden, für einen Service über den Lebenszyklus der Maschine und hochqualifizierte Mitarbeiter, die hinter all dem stehen. Hinzu kommen auch noch unsere Kunden, die für uns das beste Vertriebsnetzwerk sind, das man sich wünschen kann. In Amerika­ bleibt mir immer der Mund offen stehen, wenn ich höre, wie positiv Leute über unser Produkt reden. Wir haben eine ellenlange Referenzliste, da kann man einfach jeden davon anrufen, und es wird eine gute Rückmeldung kommen. Das können andere Unternehmen einfach nicht, und das ist auch das, wofür wir stehen. Die Markenreputation, die wir uns mittlerweile am Weltmarkt erarbeitet haben, ist phänomenal. In Nordamerika wird unser Firmenname als Spartenbezeichnung gehandelt. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Rubble Master ist bei Kompakt­brechern das, was ­Caterpillar im Segment Bagger ist.

Sie sind mittlerweile in 110 Ländern vertreten und haben nun auch eine neue Niederlassung in China eröffnet. Wie kam es zu diesem Schritt?
Hanisch: China ist allein schon von der Größe ein sehr interessanter Markt. Wir waren schon früher einmal in China unterwegs, mussten aber feststellen, dass man eine kritische Masse an Marktmacht braucht, um dort wirklich Fuß fassen zu können. Diese haben wir, unserer Einschätzung nach, nun erreicht. Die aktuellen strategischen Fünf-Jahres-Pläne der Regierung, in denen Umwelttechnik ein fester Bestandteil ist, spielen uns dabei auch ein wenig in die Karten und können vielerorts ein Türöffner im Bereich Recycling sein. Trotzdem gehen wir es langsam an und versuchen, wie in den anderen Märkten auch organisch zu wachsen. Das Ziel für das erste Jahr sind 20 Maschinen, alles was darüber hinausgeht, ist ein Erfolg. Das Wichtigste ist aber immer, dass all unsere Kunden zufrieden sind und ihren Service, ihre Ersatzteile sowie unsere Expertise jederzeit bekommen.

Jetzt ist China für ein europäisches Unternehmen kein einfacher Markt. Allein die Plagiate haben schon viele Unternehmen wieder vom Markt vertrieben.
Hanisch: Das ist richtig, und im Internet findet man schon Händler, die mit unseren Maschinenfotos unter einem anderen Label werben. Was uns zugutekommt, ist, dass man auch in China mittlerweile eine Sensorik für das Original und Qualität entwickelt hat. Hier sollte uns unsere etablierte Marke zugutekommen. Trotzdem muss man damit leben, dass immer das Original und Kopien davon existieren werden.

Organisches Wachstum war bei Rubble Master eines der zen­tralen Schlagworte der bisherigen wirtschaftlichen Unternehmensgeschichte. Nun gehen Sie mit dem Einstieg beim nord­irischen Siebhersteller Maximus neue Wege. Warum das?
Hanisch: Maximus war lange Zeit ein Zulieferer von uns, der Siebanlagen herstellt. Das sind Dinge, die keine besonders komplexe Technologie beinhalten und die wir deswegen auch produzieren lassen haben. Trotzdem haben wir über die Jahre sehr viel Ideen und Know-how in das Unternehmen gebracht und wollten diese auch ein wenig absichern, nicht dass morgen jemand das Unternehmen aufkauft, und wir können wieder bei null anfangen. Also haben wir uns mit den Besitzern zusammengesetzt, um über die Möglichkeit einer Minderheitsbeteiligung zu reden. Im Laufe der Gespräche hat sich herauskristallisiert, dass zum einen das Produkt für uns einen hohen strategischen Wert hat und zum anderen das Unternehmen finanziell nicht so gut aufgestellt ist. Plötzlich hat sich das Szenario für uns gedreht. Wir sind nun mit 75 Prozent Mehrheitseigentümer des Unternehmens.

Eine ganz neue Situation für das Unternehmen und auch für Sie persönlich. Kann Rubble Master das leisten?
Hanisch:
Es ist schon ein ganz eigenes Gefühl, wenn man aufwacht und sich plötzlich in einem Konzernbetrieb wiederfindet. Sie können sich vorstellen, dass ich mich oft gefragt habe, ob wir das überhaupt können. Wir haben aber über die letzten Jahre so viel Organisationsentwicklung und Prozessengineering betrieben, dass wir uns fit fühlen, diese Prozesse in ein anderes Unternehmen zu implementieren, ohne dass wir diesem unsere Mentalität überstülpen. Es wird aber auf alle Fälle eine große Herausforderung.

Wie wurde die Übernahme in Nordirland aufgenommen?
Hanisch:
Wir haben vonseiten der Mitarbeiter eine hohe Aufgeschlossenheit uns gegenüber erlebt. Wir arbeiten schon lange zusammen, sie wissen, wofür wir stehen, wie wir Dinge anpacken. Es war bewegend zu erleben, wie Mitarbeiter freudig auf einen zukommen und versprechen: „Gerald, if you are in, we go the extra mile.“ Wir sehen auch schon nach den ersten Wochen, dass wir als österreichisches Unternehmen in Nordirland nur aufgrund des Umgangs mit unseren Mitarbeitern schon ein Alleinstellungsmerkmal haben. Es hat viel Aufsehen erregt, wie wir einfach damit angefangen haben, das Arbeitsumfeld zu verbessern. Allein diese Maßnahme hat uns schon neue Mitarbeiter beschert. Es ist für mich aber selbstverständlich, unsere Mentalität in diesen Bereichen in das Unternehmen einzubringen – egal ob es dabei um soziale Leistungen, Mitarbeiterqualifikation und -weiterbildung oder unsere strategische Prozessdenke geht. Trotzdem sollen die Mitarbeiter so irisch bleiben, wie sie nur können. Ich bin nämlich der festen Überzeugung, dass aus den beiden „Kulturen“, die wir synergetisch zusammenführen wollen, tolle neue Produkte entstehen werden. Zusätzlich kann der Prozess einer kritischen Auseinandersetzung mit einer anderen Herangehensweise noch mehr kreative Kraft freisetzen.

Großbritannien ist für Rubble Master schon immer ein wichtiger Markt gewesen. Durch dieses Investment steigen jedoch auch die Auswirkungen des Brexits auf Ihr Unternehmen. Können Sie schon abschätzen, wie sich dies entwickeln wird?
Hanisch:
Der Brexit ist ein sehr spannendes Thema, das sowohl positiv als auch negativ ausgehen kann. Einfach gesagt: Wird es ein harter Brexit, könnte das Pfund ins Unermessliche fallen, was uns wiederum einen Standortvorteil durch sinkende Kosten vor Ort bringt. Sollte es zu einem weichen Brexit kommen, wird sich wenig ändern. Was genau passieren wird, steht jedoch in den Sternen. Festhalten kann man, dass wir am britischen Markt schon alles erlebt haben. Das britische Pfund unterliegt teilweise heftigen Kursschwankungen, woraus sich immer neue Situationen ergeben. Das Gleiche gilt auch für den US-amerikanischen Markt und den Dollar.

Ihr einziger Produktionsstandort ist und bleibt aber Linz.
Hanisch:
Ja, und davon werden wir auch nicht abweichen. Ich kann mir nicht vorstellen, bei unseren Qualitätsansprüchen die Produktion der Maschinen aus Österreich auszulagern. Wir werden weiterhin in den Standort investieren und in den nächsten Jahren die Kubatur des Bestandgebäudes verdoppeln. Der Neubau wird auch unsere Werte widerspiegeln. Unsere Vision des Gebäudes ist ein neues Distributionscenter, ein Servicecenter, ein Ersatzteilecenter, ein Trainingscampus, ein Innovationsbereich und ein Testbereich. So wollen wir eine Anlaufstelle für die besten Köpfe bieten. Gleichzeitig wollen wir einen Campus schaffen, der unser Gebäude mit dem unseres Nachbars, der IT-Schmiede Celum, verbindet. Diese Räumlichkeiten sollten zukünftig von beiden Firmen genutzt werden, wir bilden gemeinsam die nächste Generation an Experten aus und profitieren von deren Visionen.

Dies bedeutet aber auch, dass Sie Ihre Mitarbeiter aufstocken­ müssen – kein einfaches Vorhaben in dem aktuellen Markt­umfeld.
Hanisch:
Wir haben Gott sei Dank tolle Mitarbeiter in der Pipeline, da wir unsere Kooperationen mit FHs und Universitäten wirklich leben. Es gibt in den letzten Jahren genügend Beispiele von Studenten, die über ein gemeinsames Projekt zu uns gekommen sind. Dies ist ein wesentlicher Faktor, wie man es in einem rigorosen Umfeld – der Arbeitnehmermarkt ist momentan wirklich ausgelutscht – schafft, hochqualifizierte Mitarbeiter an Bord zu bekommen. Auch unsere soziale Nachhaltigkeit kommt uns dabei zugute, da am Markt bekannt ist, dass wir unsere Mitarbeiter gut behandeln, sie entwickeln und fördern. Diese Positionierung veranlasst viele junge engagierte Menschen, bei uns anzudocken. Und das ist genau das, was wir brauchen. Wir brauchen Kreativität, wir brauchen Prozessorientierung, einen neuen Zugang für diese Konzernwelt, in der wir uns nun befinden.

Produkte, Unternehmen, Mitarbeiter – wo sehen Sie die größte Herausforderung der Zukunft?
Hanisch:
Die größte Herausforderung wird sein, mit möglichst wenigen Ressourcen möglichst viel Deckungsbeitrag zu erzielen und dabei möglichst anwenderbezogen zu arbeiten. Deswegen kann man zukünftig auch nicht mehr eine Maschine mit netten Gimmicks einfach linear erweitern. Es wird immer wichtiger, sich in den Kunden hineinzuversetzen, die unterschiedlichen Bedingungen und Anforderungen zu sehen und dementsprechend dem Kunden die richtige Maschine, perfekt kalibriert an den Einsatzort, zu liefern. Eine Maschine in der Atacama-Wüste, die Servicezyklen von 200 Stunden hat, hat andere Ansprüche als eine Maschine im oberösterreichischen Zentralraum, wo man von einer Baustelle mit 500 Tonnen zur nächsten Baustelle mit 500 Tonnen fährt. Gleichzeitig müssen Service und Troubleshooting auf hohem Niveau bleiben, egal wo unser Kunde tätig ist. Das werden die Herausforderungen sein, und diesen werden wir Rechnung tragen.

Haben Sie eigentlich schon einmal Übernahmeangebote für die Firma erhalten?
Hanisch
: Dazu kann ich nur sagen, dass ungefähr alle zwei Wochen ein Übernahmeangebot reinkommt. Ich könnte zwar durch einen Verkauf gutes Geld verdienen, aber ich wüsste nichts, was mir ähnlich viel Freude bereitet, wie mein jetziger Job.

Autor/in:
Christoph Hauzenberger
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