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Niedrigstenergiehaus als Ziel

09.07.2010

Wenn sanieren, dann aber ordentlich: Mit der Gebäuderichtlinie fährt die EU einen klaren Kurs in Richtung Klimaschutz und Energieeffizienz. Der Klima- und Energiefonds startete dazu eine Sanierungsinitiative.

Ingmar Höbarth, Geschäftsführer des Klima- und Energiefonds, weiß worum es in Zukunft geht: „Aus klima- und energiepolitischen Gründen müssen die CO2-Emissionen reduziert werden. Der Gebäudesektor spielt hierbei eine zentrale Rolle.“ Rund ein Drittel des gesamten Energiebedarfs wird bei der Beheizung von Gebäuden großteils quasi beim Fenster hinausgeschmissen. Eines der wesentlichsten Ziele lautet daher: Die Sanierungsquote soll von momentan einem Prozent auf drei gehoben werden. Und generell soll die Sanierung grundlegend revolutioniert werden, vorgelegtes „best practice“ zum neuen Standard werden. Im Rahmen eines „Blue Globe Spezial“ in luftiger Höhe der WKO-Skylounge wurde deshalb „Sanierung für die Zukunft“ thematisiert und die neue Mustersanierungsoffensive des Fonds präsentiert.


Wenn schon, dann richtig ...

Mit dabei: Wolfgang Feist, seines Zeichen Pionier in Sachen Passivhaus. Keinesfalls sei eine Verbrauchsreduktion bei Heizung durch bauliche Maßnahmen um 80 bis 90 Prozent schwieriger als eine Standardsanierung. „Der größte Teil der Kosten sind Ohnehin-Kosten. Wenn man schon saniert, dann sollte nicht an Qualität gespart werden. Es ist heute schon fast so: Das Energiesparen gibt’s kostenlos dazu.“ Denn erneuerbare Energien und Energieeffizienz gehören einfach zusammen. „Der größte Fehler bei einer Sanierung ist es, sie im Vorhinein nicht ordentlich zu machen. Nichts ist unwirtschaftlicher als die Sanierung der Sanierung“, so Feist. Denn nach einer Sanierung dauert es lange, bis wieder etwas passiert.

Da könnte man es gleich richtig und komplett erledigen – und eben nur einmal die Kosten hinnehmen. Feist relativiert: „Momentaner Flaschenhals sind die Kenntnisse der Professionisten.“
Fakt ist: Zumindest am Niedrigst­energiestandard führt mit der im Mai beschlossenen Gebäuderichtlinie der Europäischen Union kein Weg mehr vorbei. Ab 2018 sind alle öffentliche Gebäude, ab 2020 generell alle Gebäude in diesem Standard zu bauen.

„Der Gebäudesektor nimmt eine Schlüsselrolle für die Europa-2020-Strategie ein“, stellt Waltraud Schmid von der Exekutivagentur für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation (EACI) fest. Die Organisation hat sich die Verbreitung von kreativen und innovativen Ideen innerhalb Europas zum Ziel gesetzt. „Die Gebäuderichtlinie ist das Herzstück der Energieeffizienzpolitik der EU.

Dazu gehören eine gemeinsame Berechnungsmethode, Mindestanforderungen bei Renovierungen, der Energieausweis und Inspektionen bei Heizkessel und Klimaanlage. Bis 2020 wird dadurch eine sechsprozentige Reduktion des Gesamtenergieverbrauchs erwartet, um fünf Prozent weniger CO2.“

Und: 280.000 bis 450.000 der sogenannten „Green Jobs“ könnten dadurch in den nächsten zehn Jahren entstehen. EU-weit startet ab 2011 eine große, mehrjährige Qualifikationsinitiative. Wer sich schon vorab entsprechend informieren will, ist unter www.buildup.eu gut aufgehoben.


Musterbeispiele Sanierung

Im Rahmen der Sanierungsinitiative des Klima- und Energiefonds wurde dieser Tage auch eine dazugehörige Informationswebsite präsentiert. Auf www.musterseite.at werden Best-Practice-Beispiele vorgestellt und ein umfassender Überblick über Förderungen gegeben. Der zentrale Ansatz der Mustersanierungsoffensive ist die Modellhaftigkeit der Best-Practice-Sanierungen und deren Multiplizierbarkeit. Die Leuchtturmprojekte geben gleichsam den Impuls für einen Schneeballeffekt.

Das strategische Herzstück der Mustersanierungsoffensive ist die rasche und umfassende Verbreitung der Erkenntnisse und die Bereitstellung von Know-how für die breite Öffentlichkeit. Auf mustersanierung.at sind sämtliche Projekte umfassend dokumentiert, die der Klima- und Energiefonds im Jahr 2009 gefördert hat.

Eines dieser Musterbeispiele ist unter anderem das Boutiquehotel Stadthalle in Wien. Mit dem ersten Null-Energie-Bilanz-Hotel gilt Eigentümerin Michaela Reiterer als Vorreiterin. Geht man nach der Haustechnik, schaut hier sogar ein Überschuss in Form von Warmwasser heraus. Und das wäre dann auch der nächste Schritt: Das Gebäude als Minikraftwerk, das abseits des eigenen Bedarfs sogar zusätzliche Energie liefert. Inzwischen auch kein Ding der Unmöglichkeit.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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