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No-Name gegen Name

06.06.2014

Ersatzteile mit dem Markennamen auf der Verpackung sind meist um ein gutes Stück teurer. Dafür gibt’s allererste Qualität, sagen die Anbieter. Lohnt sich der Mehraufwand?

Oft kommen Originalersatzteile und preisgünstigere No-Name-Teile aus dem Lager desselben Produzenten. Die bessere Kontrolle macht den Unterschied, argumentieren die Markenanbieter.

Auf der Website der Kärntner Firma Baumaschinen Ersatzteil BME finden sich die Namen fast aller Maschinenhersteller. Darunter einige, die schon lange nicht mehr existieren, wie Kälble, oder die es in dieser Schreibweise nie gab, wie Hanomak. BME gehört zu jenem Dutzend kleinerer Unternehmen, die meist nur eine Handvoll Mitarbeiter beschäftigen und sich auf die Bereitstellung von Ersatzteilen für Bagger, Radlader und Co spezialisiert haben. Mit Preisen, die um 20, 30, 40 oder mehr Prozent unter jenen liegen, die Markenherstellern für Originalteile verlangen, halten sie sich seit vielen Jahren erfolgreich am Markt. 
Die österreichischen Niederlassungen der Premiumhersteller, die das Ersatzteilgeschäft nicht nur als hehren Dienst am Kunden, sondern auch als lukratives Geschäft sehen, haben mit den Billig­anbietern nicht immer Freude. Die Argumentation, weshalb bei ihnen ein auf den ersten Blick gleich aussehender Teil um einiges mehr kostet, hört sich bei allen Firmen ähnlich an: Es werde bessere Qualität geboten, die dem Kunden mehr Sicherheit bringe. 

Strenge Richtlinien

Ilona Rautenberg etwa meint für CNH: „Forschung, Planung, Prüfung, Produktion und Lieferung der Ersatzeile erfolgen entweder direkt durch uns oder unter unserer Aufsicht und Kontrolle. Wir ­stehen damit nicht nur für Qualität, sondern ebenfalls für hundert Prozent Service und Zuverlässigkeit.“ Christian Grabenreiter, bei ­Zeppelin in Österreich für Ersatzteile verantwortlich, sieht das ähnlich: „Original­ersatzteile sind nach strengen Richtlinien gefertigt, Maßgenauigkeit, Härtung und viele andere Dinge sind auf die Gesamtperformance der Maschine ausgerichtet. Dafür stehen wir mit unserem Namen.“ Dass die No-Name- und die Markenersatzteile in vielen Fällen aus demselben Werk stammen, bestreiten die Premiumhersteller nicht. Durch strengere Prüfungen können sie verlässlich das bessere Produkt bieten, heißt es dazu. So etwa sagt Andreas Leidl, beim Komatsu-Repräsentanten Kuhn für Ersatzteile verantwortlich: „Der Lieferant verpflichtet sich, an Komatsu nur das Beste vom Besten zu liefern, und das wird vom Unternehmen auch laufend überprüft.“

Kunde muss entscheiden

Robert Stammler vom Ersatzteilhändler Stage Stammler in Aschach kennt solche Argumente. „Der große Aufwand der Markenanbieter kostet Geld, und der Kunde muss sich fragen, ob er dafür einen Aufpreis bei den Ersatzteilen zahlen will oder nicht“, sagt Stammler. Er meint damit, dass durch mehrfache Qualitätskontrollen ergänzend zu jenen beim ursprünglichen Hersteller des Ersatzteils möglicherweise tatsächlich einzelne Teile gefunden werden, die nicht den sehr hohen Qualitätskriterien entsprechen, „aber es sind einzelne Teile, und sie weisen bestimmt keine gravierenden Mängel auf. Ob allein deshalb ein erheblicher Mehrpreis gerechtfertigt ist, muss jeder Kunde selbst entscheiden.“
Ähnlich sieht es Alfred Minichberger. Sein Unternehmen vertreibt im oberösterreichischen Marchtrenk ein komplettes Ersatzteilsortiment, darunter auch Laufwerksketten. Diese Produkte lassen selbst die großen Baumaschinenhersteller bei darauf spezialisierten Firmen fertigen. Weltmarktführer bei Laufwerkskomponenten für kettengetriebene Erdbewegungsmaschinen ist beispielsweise das zur ThyssenKrupp AG gehörende Unternehmen Berco.
Sofern solche Unternehmen nicht vertraglich gebunden sind, bieten sie die auf derselben Linie wie für den Markenhersteller gefertigten Ketten ohne Markenlabel auch am freien Markt an: „Ich kaufe die Kette bei solchen Firmen vielleicht teurer ein als der Markenhersteller, aber ich habe als Kleinbetrieb nicht diesen Aufschlag und kann daher deutlich günstiger anbieten“, sagt Minichberger.

Renommierte Produzenten

Christoph Eichinger von der Firma Franz Eichinger in Rastenfeld, die sich auf Motorenservice und Teile für Motoren spezialisiert hat, bricht ebenfalls eine Lanze für die Lieferanten seiner Ersatzteile: „Unsere Nachbauten sind gute Qualität und stammen von renommierten Firmen wie Kolben-Schmitz, Mahle Filtersyteme oder Glyco.“ Er betont, dass es mit diesen europäischen Produkten keinerlei Qualitätsprobleme gebe, „aber sie sind um etliches billiger als Originalteile“.
Bei BV Minibagger Verschleißtechnik in Salzburg stehen Gummiketten und Laufwerksteile im Mittelpunkt des Angebots. Geschäftsführer Johannes Schneider sieht auch bei seinen Produkten „keinen wesentlichen Unterschied zwischen Original und Nachbau, aber dafür deutlich günstigere Preise“. Ein Problem in seinem Sektor ist angesichts der Vielfalt an Geräten das Finden des exakt passenden Produkts: „Hier haben wir jahrelange Erfahrung, und außerdem unterstützen uns die Produzenten“, sagt Schneider.

Vorsicht angebracht

Die Ersatzteilhändler geben aber zu, dass nicht alle No-Name-Produkte erste Sahne sind. Das kann etwa bei Hydraulikkomponenten der Fall sein, erzählt Alfred Minichberger. „Hier werden Nachbauten auf den Markt gebracht, die mit gewisser Vorsicht einzusetzen sind“, sagt er. So kann es durchaus passieren, betont Minichberger, dass nachgebaute Hydraulikpumpen nicht die Leistung des Originals bringen. „Wir machen einen Kunde natürlich auf solche Risiken aufmerksam, und er kann dann entscheiden, ob er diese in Kauf nimmt, dafür aber wesentlich weniger für den Teil bezahlt, oder ob er zum teureren Originalersatzteil greift“, sagt Minichberger.
Robert Stammler weist ebenfalls darauf hin, dass manche Ersatzteillieferanten, die extrem günstiger anbieten, nicht immer gute Qualität liefern. Auch er macht in solchen Fällen seine Kunden ausdrücklich darauf aufmerksam, „dass das Ding um ein Eck weniger kostet, aber natürlich die Qualität nicht gleich wie bei einem Originalteil ist“. Im wahrsten Sinn des Wortes billige Nachbauteile, die nicht einmal gewisse Mindeststandards erfüllen, werden von österreichischen Ersatzteilherstellern nicht angeboten, behaupten sie unisono: „So etwas will ich nicht verkaufen, weil das nur Ärger mit den Kunden bringt“, sagt etwa Robert Stammler.

Besserer Informationsstand

In manchen Bereichen sehen sich Ersatzteilhändler aber sogar mit der Nase vorn – etwa bei Verschleißteilen wie Baggerlöffel und Baggerzähne, erzählt Alfred Minichberger: „Wir beschäftigen uns intensiv mit diesen Produkten und haben deshalb wahrscheinlich einen besseren Informationsstand als so manche Vertretung eines Geräteherstellers“, behauptet er. Immer wieder kommen Kunden zu ihm und beklagen sich über den riesigen Verschleiß. „Wir empfehlen ihnen dann den für ihren Einsatz wirklich optimalen Löffel oder jene Zähne, mit denen der Verschleiß deutlich geringer ist“, behauptet Minichberger.
Wirklich bange sind die Vertreter der großen Baumaschinenmarken angesichts preisdrückender Ersatzteilkonkurrenz aber nicht. Für sie arbeitet die technische Entwicklung: „Bei den neuen Maschinengenerationen, die wesentlich mehr Performance bieten, sind hochwertige und aufeinander abgestimmte Komponenten im Bereich Hydraulik und Motoren wichtiger denn je“, sagt Christian Grabenreiter von Zeppelin. Damit Kunden der Empfehlung, bei diesen Baumaschinen unbedingt Originalteile zu verwenden, auch Folge leisten, lassen sich die Firmen einiges einfallen. Andreas Leidl von Kuhn erzählt, dass sich in den Filterkits von Komatsu nicht nur der Filter, sondern auch alle notwendigen O-Ringe finden: „Diese Kits kosten vielleicht auf den ersten Blick mehr. Aber wirklich teuer wird es, wenn der Kunde beim Filtertausch mit dem No-Name-Produkt merkt, dass ihm ein O-Ringe fehlt und er deswegen die Reparatur verschieben muss.“

Autor/in:
Wolfgang Pozsogar
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