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ÖBB-Unterinntal-Planungsteam ausgezeichnet

25.10.2010

Eine technische Meisterleistung durch ÖBB-Ingenieure fand jetzt beim Österreichischen Tunneltag in Salzburg ihre Anerkennung! Die „International Tunneling Association“ vergab ihren diesjährigen Innovationspreis an das Planungsteam der neuen Unterinntalbahn.

Kleinere Tunnels günstiger

Die Vorgeschichte: Beim Bau großer Tunnels geizen Planer um jeden Zentimeter. Kleinere Tunnels kosten weniger Geld. Nicht nur, dass weniger Ausbruchmaterial anfällt. Auch die Sicherung durch Stahl und Beton wird mit geringerem Querschnitt günstiger. Besonders deutlich zeigt sich die Kostenersparnis beim „maschinellen Tunnelbau“. Fast zehn Kilometer der neuen Unterinntalbahn haben die Tunnelbaumaschinen „Jenny“ und „Otto“ vorgetrieben.

 

Tunnel um fast einen Meter geschrumpft – enorme Kostenersparnis

Ursprünglich ließen erste Prognosen erkennen, dass für die neuen Eisenbahntunnels zwischen Brixlegg und Jenbach ein Schneidraddurchmesser von fast 14 Meter erforderlich gewesen wäre. Grund genug, die Jagd auf „verlorenen Millimeter und Zentimeter“ zu eröffnen. Nach vielen Monaten konzentrierter Arbeit hatten die ÖBB-Ingenieure fast einen Meter Tunnelquerschnitt eingespart. Geschätzt belief sich die Ersparnis auf ca. 60 Millionen Euro.

 

Probleme bei der Wurzel angepackt

Besonders effektiv waren die Planer beim Design der Innenauskleidung der neuen Tunnels. Die Betonschale wäre nach dem Stand der Technik rund 30 Zentimeter stark auszuführen gewesen. Vor allem die erforderlichen Baustahlelemente – auch Bewehrung genannt - bedingten die enorme Aufbauhöhe. Arnold Fink, ÖBB-Chefplaner für das Unterinntal: „Unser Ziel war, das Problem an der Wurzel anzupacken. Vorbehaltlos analysierten wir mit unseren Auftragnehmern alle Details.“

 

Neues Bewehrungskonzept

Ergebnis der Arbeit war mit dem „Spannbogensystem Unterinntal“ ein völlig neues Bewehrungskonzept. Fink: „Statt dem Einbau von massiven Gitterträgern ist es uns gelungen, ein schlankes selbsttragendes System zu entwickeln. Der geringere Materialaufwand bei Stahl, Beton und Tunnelausbruch führt auch zu einem wesentlich reduzierten Energieverbrauch. Das wirkt sich natürlich positiv auf die Umweltbilanz des gesamten Vorhabens aus.“ Alleine durch das neue Spannbogensystem konnte der Durchmesser der Eisenbahntunnels um 20 Zentimeter gedrückt werden. Und in der Verarbeitung erwies sich die Neuentwicklung als völlig problemlos.

 

Anerkennung durch Expertengremium

Nun wurde dem ÖBB-Team um Arnold Fink gemeinsam mit dem Partnerunternehmen ferroplan-Bewehrungstechnik Pitscheider für die Neuentwicklung auch fachliche Anerkennung zu Teil. Beim Tunneltag in Salzburg hat die „International Tunneling Association“ die Erfindung aus dem Unterinntal jetzt vor Hunderten Experten mit dem diesjährigen Innovationspreis bedacht.

Tunnelbau für neue Unterinntalbahn abgeschlossen

Der Vortrieb von 30 Kilometer zweigleisigem Eisenbahntunnel für die neue Unterinntalbahn wurde bereits 2009 abgeschlossen. Das nun prämierte System für den Innenausbau aller maschinell hergestellten Tunnelabschnitte ist zur vollsten Zufriedenheit der beteiligten Techniker vor wenigen Wochen zu Ende gegangen. 2012 wird die neue Unterinntalbahn fahrplanmäßig in Betrieb gehen. Sie bietet der Transportwirtschaft neue Umweltfreundliche Beförderungskapazitäten auf der Brennerachse. Anrainer der bestehenden Bahnanlagen können eine wirksame Entlastung vom Verkehrslärm vor allem in den Nachtstunden erwarten. Im Unterinntal kann der öffentliche Personennahverkehr weiter ausgebaut werden.

 

ÖBB: Österreichs größter Mobilitätsdienstleister

Als umfassender Mobilitätsdienstleister sorgt der ÖBB-Konzern österreichweit für die umweltfreundliche Beförderung von Personen und Gütern. Mit rd. 45.000 MitarbeiterInnen und Gesamterträgen von rd. 5,7 Mrd. EUR ist der ÖBB-Konzern ein wirtschaftlicher Impulsgeber des Landes. Im Jahr 2009 wurden von den ÖBB 453 Mio. Fahrgäste und 120,3 Mio. Tonnen Güter transportiert. Strategische Leitgesellschaft des Konzerns ist die ÖBB-Holding AG.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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