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Ökologisierung des Bauens als Chance

22.11.2005

Der 5. November stand für die niederösterreichische Bauwirtschaft ganz im Zeichen der Innungstagungen des Bau- und Bauhilfsgewerbes sowie des Baugewerbetages 2005 im Schloss Haindorf in Langenlois. Den Mittelpunkt der Veranstaltung – erstmals unter dem Vorsitz von Landesinnungsmeister Robert Jägersberger – bildete ein Round-Table-Gespräch mit Politikern, Beamten und Baumeistern zum Thema „Ökologie und Bauwirtschaft“. Traditionellerweise wurde im Rahmen des Baugewerbetages auch der Dorf- und Stadterneuerungspreis NÖ verliehen. Über die Projekte berichtet die bau.zeitung ausführlich in den nächsten Ausgaben.

Wohnbauförderung nicht wegzudenken
Den einleitenden Dank an die Politik dafür, „dass sie immer ein offenes Ohr für unsere Anliegen hat“, verband Jägersberger im Hinblick auf die immer wieder in Diskussion geratende Wohnbauförderung gleich mit dem Ruf: „Dieses Instrument ist nicht wegzudenken! Was ohne Wohnbauförderung passiert, hat man in Deutschland gesehen: Die Bauproduktion bricht ein.“
Zur Konjunkturentwicklung konnte LIM Jägersberger zwar „vermelden, dass die Auslastung der Betriebe derzeit sehr gut ist – bis Mitte des Jahres 2005 gibt es österreichweit eine Steigerung der Bauproduktion um 2,6 Prozent, wobei der Hochbau leider ein Minus von 1,5 Prozent aufweist, der Tiefbau ein Plus von 8,2 Prozent“. In Niederösterreich hingegen schaue es nicht so gut aus: „Hier ist die Bauproduktion bis Mitte des Jahres mit minus fünf Prozent negativ, wobei auch das schlechte Frühjahr ausschlaggebend ist; im Laufe des Jahres ist also noch mit einem Anstieg zu rechnen.“
Auch beim Auftragsbestand muss sich Niederösterreich derzeit mit weniger zufrieden geben, als bundesweit ausgewiesen werden kann. Jägersberger: „Österreichweit ist der Auftragsbestand mit plus 20 Prozent sehr positiv, bei den niederösterreichischen Kollegen hingegen ist der Auftragsbestand – und entsprechend auch die Stimmung – durchschnittlich gleich bleibend im Vergleich zum vergangenen Jahr, wiewohl mit leicht steigender Tendenz.“

Gefahren: Preise, Pfusch, Nachwuchs
Wo ist das Gefahrenpotenzial für die Entwicklung am Bau, wo die größte Konkurrenz? Dazu berichtete Jägersberger über die Ergebnisse einer Mitgliederbefragung der Landesinnung Bau, wonach an der Spitze „die zu niedrigen Preise für unsere guten Leistungen“ stehen, gefolgt vom „ewigen Thema Pfusch“ und dem Problem, dass Kunden zwar Qualität suchen, aber nicht den Preis dafür zahlen wollen. Es folgen in der Umfrage die Klagen über zu wenig öffentliche Aufträge sowie über Mangel an qualifiziertem Nachwuchs. Zu Letzterem konnte Jägersberger zwar eine Erfolgsmeldung bringen: „In Niederösterreich haben wir durch die Initiative „Bau auf Bau“ (www.bauaufbau.at) und auch der Schulungen in der BauAkademie die Lehrlingszahlen heuer um acht Prozent steigern können.“ Es fehle jedoch der qualifizierte Nachwuchs, der Nachwuchs, der aktiv den Maurerberuf als eine interessante zukunftsträchtige Alternative anstrebe. Dazu müsse auch das Image des Maurerberufes verbessert, der Maurerberuf salonfähiger werden.

Aufträge nicht um jeden Preis
Zum Klagethema „Preisniveau“ hofft Jägersberger auf ein baldiges Umdenken dahingehend, „dass nicht um jeden Preis und nur, um die Leute in Beschäftigung zu halten, Aufträge hereingefahren werden.“ Es müsse Kostenwahrheit gewahrt bleiben, und Jägerbergers Appell an die Mitglieder: den kaufmännischen Bereich sehr genau zu hinterfragen, genau zu überlegen, wo ist ein Deckungsbeitrag, wie weit kann man nach unten gehen.
Was die Schwarzarbeit betrifft, macht sich Jägersberger keine Illusionen, diese beseitigen zu können, „wir hoffen aber, sie in Zusammenarbeit mit den Behörden und mit entsprechenden Maßnahmen wenigstens einzudämmen“. Man müsse allerdings auch an sich selbst arbeiten, die schwarzen Schafe in den eigenen Reihen bekämpfen und mit Qualität punkten.

Bauqualität definierbar machen
Wie aber mit Qualität punkten, die nicht bezahlt wird – und warum nicht? Um diese Frage drehte sich zum Teil denn auch die Podiumsdiskussion – neben ökologischen Themen wie der Feinstaubproblematik und der Ökologie im Bereich Betriebsanlagen. So wurde von einem Vertreter der Qualitätsüberwachung zu bedenken gegeben, dass der Baumeister sich immer in die Preisdumpingecke drängen lasse und es dann schwer habe, die Qualität, die er liefert, zu kommunizieren und zu argumentieren. Auf Qualitätsüberwachungsseite habe man dann immer das Problem, den Qualitätsbaumeister gegenüber jenem zu verteidigen, der über Schwarzarbeit und sonstige Dubiositäten den Preis beherrsche. Es müsse Möglichkeiten geben, nach klar definierten Qualitätskriterien zu sagen, was ein Baumeister nachweislich kann.
Als ein Instrument, das die Möglichkeit bietet, Qualität für den Baukunden zu definieren, nannte Franz Gugerell vom Ökobaucluster Niederösterreich das Klimaschutzprogramm klima:aktiv vom Bund (www.programm.klimaaktiv.at) – „1000 Punkte für ökologisch Bauen“. Der Konsument habe damit die Möglichkeit, Qualität zu definieren, er könne zum Beispiel sagen, er hätte gern ein Haus mit 800 Punkten, und umgekehrt könne der Baumeister ein Haus ebenfalls mit der definierten Qualität anbieten. Es gehe dabei eben darum, Qualitätskriterien zu beschreiben und dadurch die Qualität transparent zu machen. Dies führe dann auch zu mehr Bereitschaft, für Qualität zu zahlen.
„Der Knackpunkt“, so Gugerell, „ist, diese Qualität zu transportieren, und ich bin zuversichtlich, dass die Wohnbauförderung mit dazu beitragen kann – und dass die ökologischen Kriterien bei der Wohnbauförderung eine wesentliche und zusätzliche Berechtigung sind, die Wohnbaufördermittel aufrechtzuerhalten.“
Auch LIM Jägersberger sieht die Ökologisierung des Bauens als Chance. „Was die Belastungen bezüglich Emissionsreduktionen betrifft, ist es natürlich ein Hemmschuh, aber sehen wir es als Chance und nutzen wir diese Entwicklung.“

„Kunden sind mündig“
Im Zusammenhang mit der Problematik, Qualität zu transportieren, wies Jägersberger aber auch auf die Mündigkeit des Kunden hin: Dieser könne sich kundig machen, welcher Baumeister zu welcher Leistung fähig sei. „Wir haben eine Gewerbeplattform (http://www.bau-noe.at) vorgestellt, wo sich unsere Mitgliedsbetriebe dahingehend deklarieren, welche Befähigungen sie haben. Und das soll so weit ausgebaut werden, dass sich auch der private Kunde darüber informieren kann, welche Betriebe für welches Bauvorhaben infrage kommen.“ Nur eines müsse der Kunde schon selbst machen: „Sich Referenzen holen und erfragen, wo wer was geleistet hat und ob die anderen Kunden zufrieden sind.“

Feinstaubverordnung: Milde erwartet
Ein weiterhin brisantes Thema war die Feinstaubproblematik. Die Diskussion über eine entsprechende Landesverordnung im Rahmen des Immissionsschutzgesetzes Luft steht nun, nachdem Tirol und Wien mit der Partikelfilterpflicht für Baumaschinen „vorgeprescht“ sind, auch in Niederösterreich an. „In den nächsten drei Monaten müssen wir einen entsprechenden Maßnahmenkatalog erstellen“, erklärte Friedrich Rauter, Abteilung Umwelttechnik der NÖ Landesregierung. Dabei erwartet sich Jägersberger Fingerspitzengefühl, um die Bauwirtschaft in Niederösterreich nicht mit einer ähnlichen Verursacher-Schieflage und mit Kosten für die Partikelfilter-Nachrüstung zu belasten wie in Wien und Tirol.
Michaela Hinterholzer, Landtagsabgeordnete und Landesinnungsmeister-Stellvertreterin des Bauhilfsgewerbes, erklärte dazu, sie werde sich vehement für eine wirtschaftsverträgliche Lösung – „nur über ein Anreizsystem für neue Maschinen“ – einsetzen.

Hansjörg Preims

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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