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Österreicher bauen in Rekordzeit

06.03.2006

Autobahn M6, Ungarn
Die Baumaschinen los, lautet die Devise auf bei einem der größten Infrastrukturbauvorhaben in Ungarn, der Errichtung der Autobahn M6 zwischen Erd bei Budapest und der Stahlstadt Dunaujvaros. Für die Bauausführung zeichnet eine Arbeitsgemeinschaft aus Bilfinger Berger Österreich, Porr und Swietelsky verantwortlich. Das Investitionsvolumen für das Bauvorhaben beläuft sich auf 482 Millionen Euro, 395 Millionen Euro entfallen auf die Baumaßnahmen. Zu Spitzenzeiten sind auf dem knapp 60 Kilometer langen Teilstück durch die ungarische Tiefebene bis zu 600 Baumaschinen und knapp 3000 Bauarbeiter im Dauereinsatz. Das Baulos ist in mehrfacher Hinsicht ein rekordverdächtiges Projekt. Knapp 18 Monate liegen zwischen Baustart und geplanter Inbetriebnahme. In Wirklichkeit ist es noch viel weniger. Aufgrund von zwei strengen Wintern und den damit einhergehenden Baustopps verbleiben lediglich zwölf Monate Nettobauzeit – und das für eine Bauloslänge die der Entfernung zwischen Wien und St. Pölten entspricht. Der enge Zeitplan stellt höchste Anforderungen an die Leistungsfähigkeit von Bauarbeitern sowie Baumaschinen und erfordert ein hohes Maß an logistischem Können. „Der Transport der gewaltigen Baumaschinenflotte erfolgte zum Teil auf dem Wasserweg auf Lastkähnen über die Donau unmittelbar zum Einsatzort“, erklärt Hans Göppl, Projektleiter von Bilfinger Berger Österreich. Um keine Zeit zu verlieren und eine volle Auslastung von Baumaschinen und Mannschaft zu erzielen, werden die schweren Geräte direkt auf der Baustelle von Tankwägen befüllt und von einem mobilen Serviceteam gewartet bzw. instand gesetzt. Schichtbetrieb für die Bauarbeiter ist angesichts des knappen Zeitrahmens selbstverständlich. Um den Fertigstellungstermin einhalten zu können, musste in den Wintermonaten auch die Natur überlistet werden. Die gefrorenen Bodenschichten wurden kurzerhand abgefräst und durch neuen Boden ersetzt. So konnten Stehzeiten auf ein Minimum reduziert werden. Das Baulos umfasst insgesamt 25 Brückenbauwerke und 28 Unterführungen. Um auch hier schnell voranzukommen, wurde auf einen hohen Vorfertigungsgrad der Bauteile besonderes Augenmerk gelegt. Zusätzlich galt es, rund 12 Millionen Kubikmeter Erde zu bewegen, 42.000 Laufmeter Bohr- bzw. Rammpfähle zu verbauen, mehr als 62.000 Kubikmeter Beton einzubringen und gewaltige 1,5 Millionen Quadratmeter Asphaltdecke aufzubringen. Läuft alles nach Plan und macht die Natur den Projektverantwortlichen aus Österreich keinen Strich durch die Rechnung, kann die neue Autobahn bereits in wenigen Wochen in Betrieb genommen werden. „Wir können mit Recht von uns behaupten, bei diesem Bauvorhaben eine außerordentliche Leistung zustande gebracht zu haben“, zeigt sich Richard Metzenbauer, Geschäftsführer von Bilfinger Berger Österreich mit dem Baufortschritt in der ungarischen Pusza zufrieden. Nach dem Ende der Bauarbeiten im Frühjahr ist das Autobahnprojekt für die Beteiligten jedoch lange noch nicht abgeschlossen. Der Auftrag für die Autobahn M6 wurde von der ungarischen Regierung als Public-Private-Partnership vergeben und beinhaltet neben dem Bau auch den Betrieb und die Erhaltung der Strecke für die kommenden 22 Jahre. „Vor der Übergabe des Autobahnteilstücks im Jahr 2028 sind wir verpflichtet, den gesamten Fahrbahnbelag komplett auszutauschen“, verweist Bernhard Pawlitscko, verantwortlicher Projektleiter von Bilfinger Berger Österreich, auf kommende Aufgaben im ungarischen Tiefland. Der Konzessionsnehmer, bestehend aus Bilfinger Berger, Porr und Swietelsky sowie der deutschen Kreditbank für Wiederaufbau, erhält seine Investitionen in gleich bleibenden Monatsraten vom ungarischen Staat refundiert. Ein vom Verkehrsaufkommen abhängiger Refinanzierungsanteil, wie er in naher Zukunft bei der ebenfalls als PPP projektierten Nordautobahn zwischen Wien und Mistelbach vorgesehen ist, kommt in Ungarn nicht zur Anwendung. „Für den Konzessionsnehmer ist dadurch das finanzielle Risiko im laufenden Betrieb deutlich reduziert“, unterstreicht Metzenbauer die Vorteile dieser PPP-Variante für Investoren. Die für Investoren günstige Regelung hat ihren Hintergrund in dem gescheiterten PPP für die Autobahn M1, das viel politischen Staub aufgewirbelt hat. Die M1 wurde von einem österreichischen Baukonzern ausgeführt und in weiter Folge durch selbst festgelegte Mautabgaben privatwirtschaftlich betrieben. Die Folge war eine Geisterautobahn, die vom Staat wieder übernommen werden musste. Diesen Fehler wollte die ungarische Regierung bei der Autobahn M6 kein zweites Mal begehen und setzt mit einem konservativen PPP auf eine sichere Bank.

Cube Hotel, Schweiz
Pulverschnee und blauer Himmel sind für wintersportbegeisterte Jugendliche und Junggebliebene nicht mehr ausschließlich die entscheidenden Faktoren für ein perfektes Urlaubsvergnügen. Gefragt sind angesagte Events und eine dem konsumorientierten Zeitgeist entsprechende Umgebung, damit auch abseits der Pisten den hedonistischen Verwirklichungen gefrönt werden kann. Auf dieses geänderte Freizeitverhalten hat der heimische Immobilienspezialist UBM Realitätenentwicklung mit einem innovativen Hotelkonzept reagiert. Cube nennt sich der schlichte Hotelwürfel, der diesen Winter im Schweizer Wintersportort Savognin im Kanton Graubünden eröffnet wurde. Der Erfolg des 2004 eröffneten Cube Nassfeld im Kärntner Wintersportort Hermagor hat die Investoren überzeugt, den Schritt ins Ausland zu wagen. Erst das perfekte Zusammenspiel aller Projektbeteiligten machte die Umsetzung dieses unkonventionellen Hotelprojekts möglich. Die besondere Herausforderung lag in der extrem kurz bemessenen Bauzeit. Zwischen Baugrubenaushub und Eröffnung lagen lediglich acht Monate. Zu Spitzenzeiten mussten von der UBM-Projektsteuerung bis zu 200 Bauarbeiter unterschiedlicher Gewerke gleichzeitig koordiniert werden. Erst durch das zeitliche Nebeneinander verschiedener Bauphasen konnte der enge Zeitplan eingehalten werden. 20 Millionen Euro haben die UBM, der österreichische Tourismusspezialist Rudolf Tucek und die lokalen Bergbahnen in das Cube-Hotel investiert. Mit den Hotelburgen im aufgesetzten aber mehrheitsfähigen Regionalstil inklusive dunkler Holzbalkone, hat die hippe Herberge nichts gemein. Bei Nacht präsentiert sich der vom Vorarlberger Architektenbüro Baumschlager-Eberle entworfene Hotelbau mit seiner vorgesetzten Glasfassade und mehrfarbiger Hinterleuchtung als illuminierter Hot-Spot der 1000-Seelen-Gemeinde. Die unkonventionelle Architektur und das urbane Design werden im Inneren konsequent weitergeführt. Homebase lautet das Konzept – belebte Gemeinschaftsflächen statt Rückzug auf die Zimmer die gelebte Praxis. Die Erschließung erfolgt über einen großzügig angelegten Lobbybereich, von dem skischuhgerechte Rampen zu den einzelnen Geschoßebenen führen. Hinterleuchtete Stützenverkleidungen aus Glas, offen liegende Lüftungsrohre und Sichtbetonflächen verleihen dem Gebäudeinneren ein edles, an Industriedesign angelehntes Erscheinungsbild. Großflächige Plasmabildschirme sind als Attribut an die multimediale Jugend installiert. Das Cube-Hotel bietet auf 76 Zimmern Platz für 270 sportbegeisterte Gäste. Große, den Hotelzimmern vorgelagerte und gemütlich eingerichtete Freizonen bieten ideale Möglichkeiten, mit anderen Hotelgästen in Kontakt zu kommen.
Stefan Pruckmayr

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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