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Österreichische Bauwirtschaft baut auf

06.05.2005

Klaus Gruber erfuhr Mitte Jänner von der Kurier-Aid-Austria-Hilfsaktion „Österreich-Dörfer für Sri Lanka“. Die österreichische Bauwirtschaft erklärte sich spontan bereit bei der Spenden- und Hilfsaktion mitzuhelfen. Einerseits wurden sofort 500.000 Euro durch die heimische Bauwirtschaft zur Verfügung gestellt. Andererseits entschied sich Gruber innerhalb einer Woche selbst mit anzupacken. Zudem wurden sieben Jungmaurer zum Mithelfen entsandt. Der junge Baumeister aus Wien traf rasch eine kurzfristige Umorganisation innerhalb seines Unternehmens und machte sich auf den Weg. Was er auf Sri Lanka vorfand, war zunächst deprimierend. Vor allem die Entscheidung, wo zuerst helfen, war nicht einfach. Doch in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz wurden betroffene Familien ausgewählt.
Zurzeit sind konkret rund 200 Häuser – damit das erste Österreich-Dorf – geplant. Im Juli, dem Ende der Regenzeit, soll mit dem Bau begonnen werden.
„Walter Ruck fragte mich, ob ich bereit wäre, zwei bis drei Monate nach Sri Lanka zu gehen und dort von der technischen Seite her das Projekt Österreich-Dörfer zu betreuen“, erzählt Gruber. Geplant war, alle drei Wochen nach Wien zurückzukommen. „Die Bauherren meiner laufenden Projekte waren einverstanden. Vor Ort stellte ich fest, dass meine Anwesenheit nicht ständig erforderlich ist. Gemeinsam mit Harald Edler von der Porr begleiten wir nun das Projekt.“ Edler ist für die kaufmännische Seite zuständig, Gruber für die technische. „Nun fliegen Edler und ich abwechselnd nach Sri Lanka – so zirka alle sechs Wochen. Außer einer Aufwandsentschädigung gibt es für den Einsatz kein Geld. Doch für mich zählt die unbezahlbare Lebenserfahrung, die ich durch dieses Projekt erlebe, die Möglichkeit, an so einem Projekt mitzuarbeiten“, so Gruber.

Stabile Häuser im Regionalstil
„Nach der Sondierungsreise mit Max Sandtner wurde die Entscheidung getroffen, in welcher Region wir helfen werden, in District Galle. Oft war allerdings auch nicht klar, wem z. B. ein zerstörtes Haus gehört. Wir brauchten aber auch Baugründe, Max Santner intensivierte Kontakte zu Politik und Behörden. Durch sein gutes Netzwerk konnte ein Grund von über fünf Hektar gefunden werden, auf dem wir nun das erste Dorf mit 180 bis 200 Häusern errichten werden“, erklärt Gruber. Die Preise stiegen gewaltig: „Wir fanden einen Grund um einen zwar höheren Preis, von einem Privaten – doch uns war klar, wir können nicht warten, die Preise steigen weiter.“ Derzeit laufen die Bewilligungen, im Mai soll die erste Ausschreibung erfolgen. Im Juli kann dann mit dem Bau begonnen werden. Sind Abläufe wie „Vorentwurfsplanung“ oder „Baubewilligung“ üblich? „Ja, absolut. Die Baubehörden sind über den ordentlichen Ablauf des ganzen Projekts äußerst erfreut. Zudem ist die Bauwirtschaft auf Sri Lanka keineswegs ,hinten nach’. Ich habe Abrechnungen, Anbote, Kalkulationsprogramme und auch standardisierte Leistungsbeschreibungen gesehen – das gibt es alles und wird auch professionell verwendet“, erklärt Gruber.
Gebaut wird in Massivbauweise – auf Stelzen. „Nicht um die Häuser vor dem Wasser zu schützen, wir sind rund 800 Meter weit weg vom Meer. Die Häuser müssen ausbaufähig sein, ein flexibles Haus ist daher notwendig. Wenn z. B. der Sohn heiratet, zieht die Frau zum Sohn, die Alten bleiben auch im Haus. Jeder kann sein Haus selbst weiter ausbauen. Auf das Haus wird ein leichter Holzdachstuhl mit Welleternitdeckung gesetzt“, so Gruber.
Neben den örtlichen, sehr unterschiedlichen Gegebenheiten, gibt es „den Bauarbeiter“ nicht. Auf Sri Lanka arbeiten viele Menschen als Taglöhner, Beton wird händisch gleich direkt auf der Straße gemischt. Die Massivbauweise ist zum Teil üblich auf Sri Lanka. Bei den Österreich-Häusern werden die Eckpunkte mit Betonsäulen verstärkt: „Wir werden widerstandsfähige Häuser errichten und dennoch im Regionalstil bleiben. Zu den Baukosten kommt auch noch der Preis für den Grundkauf, die Infrastruktur wie auch die Kosten für das Abwassersystem müssen allerdings hinzu“, erklärt Gruber. Die Häuser werden über rund 75 Quadratmeter Wohnfläche verfügen. „Eine wichtige Erkenntnis war für uns, dass wir sehr wohl sehr massive Häuser bauen werden – jedoch so wie es auf Sri Lanka üblich ist. Deshalb hat es sich als Vorteil erwiesen, mit einheimischen Planern vor Ort zusammenzuarbeiten. Wir machen niemand glücklich, wenn wir europäische Häuser hinstellen, das wissen wir jetzt.“ Die derzeit insgesamt geplanten 440 Häuser werden sich auf zwei große Dörfer und auf ein drittes, kleineres Grundstück mit 50 Häusern aufteilen. Ende Mai wird auch das Wiederaufbauprojekt fertig gestellt sein, bei dem beschädigte Häuser repariert wurden.

Gisela Gary

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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