Direkt zum Inhalt

Österreichs Aufgaben im Klimaschutz

26.03.2004

Österreich hat sich zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 13% bis 2012 bekannt. Dieses Ziel ist durch die Ratifizierung und das Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls verbindlich.

Der Rat der Europäischen Union hat im März 2002 einstimmig die Verpflichtung zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen um acht Prozent zwischen 1990 und 2008/2012 für alle Mitgliedstaaten beschlossen. Österreich muss seine Emissionen von treibhauswirksamen Gasen (vor allem Kohlendioxid) um 13 Prozent reduzieren. Maßnahmen und die Bereitstellung der erforderlichen finanziellen Mittel müssen in den Bereichen Raumwärme und Energieerzeugung, Verkehr, Industrie und Abfallwirtschaft sowie Land- und Forstwirtschaft erfolgen. Unter der Koordination des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft wurde gemeinsam eine nationale Klimastrategie erarbeitet. Industrie und Energiewirtschaft müssen 50 Prozent des in der Klimastrategie festgelegten Reduktionspotentials von 2005 bis 2007 realisieren. Von 2008 bis 2012 sind die Reduktionspotentiale der Industrie und der Energiewirtschaft dann zu 100 Prozent ausgeschöpft.
Doch gleich nachdem die Kyoto-Ziele bekannt geworden waren, begann die Strategie des Verdrängens: Jeder schob die Hauptursache für die erhöhten Emissionen auf den anderen. Im Endeffekt bestätigen aber alle Statistiken. Der Verkehr, die Industrie und: der Hausbrand sind vor allem gefordert, Reduktionsmaßnahmen zu setzen. Josef Pröll, Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, sieht die Bewusstseinsbildung als Grundvoraussetzung für jegliches Umdenken: „Klimaschutzmaßnahmen werden nur dann erfolgreich sein, wenn sie nicht nur in Gesetzen und Verordnungen festgeschrieben werden, sondern wenn die Menschen bereit sind, Klimaschutzziele auch zu leben. Jeder Einzelne kann und muss einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, im täglichen Leben, beim Einkaufen, beim Autofahren, beim Heizen, bei der Urlaubsplanung oder beim Wohnbau. Wenn das gelingt, dann werden wir erfolgreich sein.“

Bauwirtschaft mit Vorreiterrolle
Vor wenigen Wochen gründeten Vertreter der heimischen Bauwirtschaft – u. a. hagebau/Öbau, Ardex Baustoffe, Baumit Wopfinger, Ebenseer Betonwerke, Wienerberger und Velux – die Plattform Hochbau. Gemeinsam wurde Wirtschaftsminister Martin Bartenstein eine Petition überreicht, in dem sie ihn zur Ankurbelung des Hochbaus auffordern. „Hochbau-Investitonen dürften nicht ausschließlich als Budget belastende Kosten betrachtet werden. Tatsächlich erzielt man durch den Bau und die Sanierung von öffentlichen Gebäuden einen hohen betriebswirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Nutzen“, betont Helmut-Dieter Kus, Initiator der Initiative und Geschäftsführer von hagebau/Öbau. Vor allem in der nachhaltigen Sanierung von Gebäuden, mit dem vorrangigen Ziel, den Energieverbrauch zu senken, steckt in Österreich ein großes Potential. Damit könnte die heimische Bauwirtschaft auch einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung des Kyotoziels leisten. „Hier verbessern entsprechende Investitionen nicht nur die Schadstoffbilanz, sondern erhöhen auch die Wirtschaftlichkeit und schaffen neue Arbeitsfelder“, so Kus. Beispielhaft führt er die erhöhten Anforderungen an die technische Gebäudeausrüstung an – Heizungs- Klima- und Lüftungssysteme.
In die gleiche Kerbe schlägt auch Johannes Lahofer, Bundesinnungsmeister Bauhauptgewerbe, wie auch Hans Peter Haselsteiner, Obmann des Fachverbandes der Bauindustrie. Anlässlich der Baustudienwoche in Zürs betonte Lahofer, dass der Wohnbau ein Hauptstandbein des Baugewerbes sei und somit im Bereich der Wohnbauförderung am bauwirksamen Fördervolumen keine Kürzungen vorgenommen dürften. Als bedenklich sieht er dabei den Rückgang gerade im Bereich der Sanierung von mehr als einem Prozent im Jahr 2003.
Die Studie „Energieszenarien 2020“ des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), stellt fest, dass die Umsetzung der Maßnahmen zur Erreichung der Kyoto-Ziele für Österreich insgesamt positive volkswirtschaftliche Effekte mit sich bringt. Bis 2010 ist mit rund 26.000 zusätzlichen Beschäftigten durch verstärkte Klimaschutz-Investitionen zu rechnen. Die größten Beschäftigungseffekte ergeben sich in der Bauwirtschaft, durch verstärkte thermisch-energetische Sanierungen im Althausbestand.

Reduktionspotential nützen
In Österreich wurden im Kyoto-Basisjahr 1990 nach der jüngsten Emissionsstatistik des Umweltbundesamtes etwa 77 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent an Treibhausgasen emittiert. Dieser Wert beinhaltet die unterschiedlichsten Treibhausgase. Bis 2012 dürfen die Treibhausgas-Emissionen rund 67 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent nicht überschreiten. Pröll zeigt sich optimistisch: „Wichtig ist, dass entsprechend der österreichischen Klimastrategie auch in anderen Bereichen konsequent Maßnahmen gesetzt werden. Im Verkehr wird dies etwa durch die Beimischung von Biotreibstoffen erreicht, bei der Raumwärme etwa durch eine 15a-Vereinbarung zur Wohnbauförderung sowie durch JI/CDM (grüne Investitionen im Ausland). Insgesamt wird es durch ein Maßnahmenbündel gelingen, das ehrgeizige Ziel von 13 Prozent CO2-Reduktion, zu dem sich Österreich international verpflichtet hat, zu erreichen.“
Die Emissionen im Kleinverbrauch, aus Raumwärme und Warmwasser von privaten Haushalten, gewerblich und öffentlich genutzten Gebäuden, steigen weiter an. Trotz Energieeffizienz im Neubau sind durch den insgesamt wachsenden Wohnungsbestand ohne zusätzliche Maßnahmen auch weiterhin leicht steigende Emissionen zu erwarten. Umfangreiche Maßnahmen zur thermischen Gebäudesanierung, Effizienzsteigerungen bei Heizungssystemen (einschließlich Abwärmenutzung) bzw. der Umstieg auf CO2-ärmere und erneuerbare Energieträger sowie der Anschluss an vorhandene und neu zu erschließende Fernwärmepotentiale müssen forciert werden.
Der größte Raumwärmebedarf ist in Wohngebäuden. Die Treibhausgas-Reduktionspotentiale können nur durch positive Anreize genützt werden – günstige Preise für alternative Energieerzeugung, hochwirksame Wärmedämmung u. ä. Für gewerbliche- und öffentliche Gebäude ist „Energie-Contracting“ das geeignete und kosteneffizienteste Instrument zur Energieeinsparung durch Sanierung.

Bereits erfolgte Maßnahmen zur Erreichung der Kyoto-Ziele
• Umweltförderung mit Schwerpunkt Klimaschutz,
• Sonder-Förderungen für thermische Gebäudesanierung,
• Ökostromgesetz und die Einspeiseregelungen für Strom aus erneuerbaren Energien,
• Deponieverordnung, mit der eine maßgebliche Reduktion der Methanemissionen aus der Abfallwirtschaft erzielt wird,
• das Road-Pricing für Lkw,
• Anhebung der Energieabgaben und die Einführung der Kohleabgabe seit 2004,
• JI/CDM-Programm für den Ankauf von Emissionsreduktionen aus Klimaschutzprojekten im Ausland.

Handel mit Emissionen
Das Emissionszertifikategesetz (EZG) wurde vor wenigen Tagen beschlossen und wird am 31. März 2004 der Europäischen Kommission vorgelegt. Der Emissionshandel verknüpft marktwirtschaftliche Instrumente mit den Zielen des Umweltschutzes. Umweltressort, Wirtschaftsressort und die Interessensvertreter der Wirtschaft einigten sich darin auf folgende Eckpunkte:
• Industrie und Energiewirtschaft müssen in der Periode 2005 bis 2007 zumindest 1,65 Mio. Tonnen CO2 reduzieren,
• das bedeutet ca. 7,58 Prozent CO2-Reduktion für die Energiewirtschaft und ca. 2,89 Prozent CO2-Reduktion für die Industrie,
• die Aufteilung der Reduktionsziele auf die einzelnen Branchen wird noch festgelegt.

Althaussanierung als wesentlicher Beitrag zur Reduzierung von CO2
• Wohnbauten – Baujahr 1945 bis 1980 – besteht erheblicher Sanierungsbedarf;
• Wohnkomfortverbesserung des abgewohnten Wohnungsbestandes bei förderungsmäßiger Verknüpfung mit Generalinstandsetzungs- und Verbesserungsmaßnahmen im Gebäudebestand;
• Minderung des Drucks in Richtung Wohnungsneubau und damit positive Effekte auf Raumordnung und Verkehrsaufkommen;
• Erhaltung/Steigerung des Wohnungskapitalstocks (in den letzten Jahren war die Sanierungstätigkeit nicht ausreichend, um die Wertminderung auszugleichen);
• erheblicher mittel- bis langfristiger wirtschaftlicher Nutzen für Gebäudeeigentümer und Gebäudenutzer durch beträchtliche Energieverbrauchssenkungen.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
Werbung

Weiterführende Themen

Normen
04.08.2020

Die ÖNorm EN 13670 „Ausführung von Tragwerken aus Beton“ bleibt weiterhin aktuell und wird durch die Nationalen Festlegungen in der ÖNorm B 4704 ergänzt.

VÖB-Präsident Franz Josef Eder ist mit der aktuellen Entwicklung zufrieden, kritisiert aber, dass im aktuellen Plan der Bundesregierung kein Förderungen massiver Bauweisen vorsieht.
Aktuelles
04.08.2020

Die aktuell stabile Auftragslage lassen die Beton- und Fertigteilbranche positiv in die Zukunft blicken. Gleichzeitig fordert man eine gerechte Streuung der Fördermaßnahmen.

Thomas Löckinger (r.) übernimmt mit 1.8.2020 die Baumarkt-Vertriebsleitung für die Baumit GmbH in Österreich. Er folgt Johann Holy (l.), der nach 21 Jahren als erfolgreicher Vertriebsleiter seinen wohlverdienten Ruhestand antritt.
Aktuelles
29.07.2020

Baumit hat eine neue Baumarkt-Vertriebsleitung Österreich. Wer auf Johann Holy folgt, lesen Sie hier.

Aktuelles
27.07.2020

Die Zugriffszahlen der E-Baulehre in Wien haben sich von rund 1.100 Zertifizierungen im März auf rund 8.400 Zertifizierungen bis Anfang Juli knapp versiebenfacht. 

"Wir sind besonders stolz, dass wir trotz aller Corona-Widrigkeiten die Kapazitätserweiterung in Serbien plangemäß fertigstellen konnten", sagt Austrotherm-Geschäftsführer Klaus Haberfellner.
Aktuelles
23.07.2020

Austrotherm nahm dieser Tage in der südserbischen Großstadt Nis eine neue XPS-Produktionslinie in Betrieb.

Werbung