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Österreichs leistbarer Wohnbau als Vorbild

22.04.2009

Die neuen EU-Länder in Mittel- und Osteuropa haben einen dringenden Nachholbedarf in puncto leistbarem Wohnbau. Österreichs Wohnbaumodell könnte Vorbild sein – von der Finanzierung bis zur Ausführung.

„Der unzureichende Wohnungsneubau für den Mittelstand wird zum politischen Sprengstoff. Die neuen EU-Mitgliedsländer sind dabei, eine enorme politische Chance zu vertun“, wettert Erhard Busek, ehemaliger Sonderkoordinator des Stabilitätspaktes für Südosteuropa. Wolfgang Amann, Geschäftsführer des Instituts für Immobi­lien, Bauen und Wohnen, IIBW, bestätigt den Bedarf an leistbaren Wohnungen in den CEE-Ländern: „Die Fertigstellungszahlen von Wohnungen in Ungarn, Polen oder der Slowakei liegen heute bei gut der Hälfte des EU-Durchschnitts oder Österreichs.“ Noch mehr Aufholbedarf gibt es in Bulgarien, Rumänien oder auch der ­Ukrai­ne. Amann und Busek wollen österreichisches Know-how in die EU-Ost-Länder exportieren. Denn wenn Wohnungen gebaut werden, dann zu teuer – vor allem aber auch zu wenige. Busek bringt den Grund für den verstärkten Investitionsschub im Büro-, Gewerbe- und Infrastrukturbau und das Invest-Minus zulasten von günstigem Wohnbau auf den Punkt: „Es gibt auf der EU-Förderebene keine Zuständigkeiten für den Wohnbau! Der riesige Wohnungsbestand an zu sanierenden Plattenbauten kommt noch hinzu – Initiativen zur Stadterneuerung fehlen komplett.“ Problematisch ist dabei auch die urbane Konzentration – es wird vor allem in den Hauptstädten investiert. Der Schwerpunkt sozialer Wohnbau fehlt.

Exportschlager Wohnbauförderung

Österreich ist ein Beispiel für leistbaren Wohnbau. „Die Wohnversorgung in Österreich zeichnet sich durch gute Qualität, großen Flächenkonsum pro Bewohner, moderate Kosten und ein hohes Maß an Gleichheit aus“, erklärt Amann. „In Bulgarien explodieren die Wohnungspreise, die Löhne sind parallel dazu jedoch nicht gestiegen“, so Amann. Der Wohnbauforscher ist davon überzeugt, dass die Schiene des gemeinnützigen Wohnbaus in den CEE-Ländern aufgebaut werden muss. Vor allem das Modell der heimischen Wohnbauförderung könnte wichtige Impulse setzen. Ein Team österreichischer und rumänischer Experten unter der Federführung des IIBW entschied eine Ausschreibung des rumänischen Bautenministeriums für ein neues Wohnrecht für sich. Europaweit funktionsfähige legistische Bausteine mussten identifiziert und dem bestehenden Rechtsgefüge in Rumänien angepasst werden. Amann entwarf eine robuste Struktur mit einem Rahmengesetz und fünf Themengesetzen, Miete, Wohnungseigentum, Bewirtschaftung, Förderung. Das neue PPP-Wohnrechtsgesetz, das die österreichischen Experten Theo Österreicher, Verband gemeinnütziger Bauvereinigungen, und Andreas Sommer, Österreichischer „Focal Point of Housing“, Wirtschaftsministerium, verfassten, wurde nach dem Vorbild des österreichischen WGG entwickelt. „Wir sehen zwei mögliche Maßnahmen, einerseits die Schaffung von Organisationskraft, nämlich das Wissen, wie man Gemeinnützige in den CEE-Ländern etablieren kann, und andererseits das Finanzierungs-Know-how. Dazu ist aber eine rechtliche Basis nötig“, erläutert Amann. Leistbarer Wohnraum bedeutet für die Experten, einen Wohnraum mit zwei Euro pro Quadratmeter – wie zum Beispiel zurzeit für Montenegro entwickelt wird – schaffen zu können. Die Initiative wird auch von Walter Tancsits, Obmann des Vereins Busek-Preis für wohnwirtschaftliche Forschung, unterstützt.

Gisela Gary

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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