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Österreichs Zementindustrie:

14.06.2004

Der Erfolg der heimischen Zementindustrie hängt mit der Bautätigkeit zusammen. Die derzeitige Bauflaute spürt die Branche unmittelbar.

Die deutsche Zementindustrie erwartet aufgrund der nach wie vor schwachen Baukonjunktur für 2004 einen Rückgang des Zementverbrauchs. Die Österreichischen Kollegen zeigen sich hier wesentlich optimistischer. Die neun heimischen Zementwerke erreichten 2003 mit 3,9 Tonnen Zementversand einen steigenden Absatz gegenüber 2002. Der Export konnte mit 132.000 Tonnen um 26 Prozent gesteigert werden. Der Import ging um vier Prozent auf 750.000 Tonnen zurück.
In Deutschland wie auch in Österreich wird vor allem auf Investitionen durch die öffentliche Hand gehofft, vor allem mit dem nachhaltigen Ausbau der Infrastruktur. Als potentieller, zukünftiger Impulsgeber wird die EU-Osterweiterung gesehen, wodurch laut Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ) Nachfrage und Baukonjunktur stabilisiert werden kann. Peter Orisich, Vorsitzender des Vorstands der VÖZ, blickt 2004 positiv entgegen: „Der künftige Zementabsatz wird vor allem von der wirtschaftlichen Entwicklung Österreichs im Gefolge der EU-Erweiterung sowie von der Umsetzung des Generalverkehrsplans (GVP) abhängen. Die Erweiterung der Europäischen Union wird Impulse bringen, weil Österreich von der stärkeren Wirtschaftsdynamik in den Nachbarländern im EU-Schnitt überdimensional profitieren kann.“ Das Bruttoinlandsprodukt der EU wird in den kommenden fünf Jahren um bis ein Prozent stärker wachsen. In Österreich wird laut Wirtschaftsforschungsinstitut ein Erweiterungsbonus von 0,75 bis 1,5 Prozent erwartet. Voraussetzung dafür: eine klare Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur. „Wichtigste Einflussgröße für den Zementverbrauch bleibt daher die Finanzierung der geplanten Infrastrukturmaßnahmen durch die öffentliche Hand, auch wenn eine Belebung im Industriebau zusätzliche Chancen eröffnet“, so Orisich. Die kontinuierliche Umsetzung der im GVP festgelegten Straßen- und Tunnelprojekte, der Schienenausbau wie auch die Anbindung an die neuen Nachbarländer werden von Orisich als dringend notwendig erachtet – nicht zuletzt auch zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Österreich.
Bezüglich Pro-Kopf-Zementverbrauch liegt Österreich im Europavergleich an der oberen Verbrauchsskala. Das Marktvolumen betrug 2003 4,6 Millionen Tonnen, das sind pro Kopf gerechnet 575 Kilogramm. Insgesamt zeigt sich die Entwicklung der Zementindustrie mit einem Umsatzplus von fünf Prozent dynamischer als die gesamte Baustoffindustrie, die ein Plus von 2,6 Prozent auf drei Milliarden Euro erzielte.

Rückgang der Baugenehmigungen
Mit dem Hochbau wird der Zementverbrauch 2004 kaum gesteigert werden können. Dies ist für den VÖZ aufgrund der gesunkenen Anzahl der Baugenehmigungen klar. Felix Friembichler, Geschäftsführer VÖZ, betont: „Auf den Neubau können wir nicht verzichten. Natürlich muss auch in puncto Sanierung innovativ weitergedacht werden.“
Klare CO2-Einsparungsmöglichkeiten sieht Friembichler im Bereich Raumwärme. Österreich muss ein Drittel der Treibhausgasreduktion – im Ausmaß von vier Millionen Tonnen CO2 – schaffen. Einsparungen beim Energieverbrauch sind vor allem durch die Nutzung der Sonneneinstrahlung und bessere Dämmung möglich. Die massiven Bauteile wirken als Temperaturpuffer, indem sie Wärme speichern und später abgeben, während die hochgedämmten Außenwände die Energieverluste minimieren. Dabei punktet die Speichermasse Beton massiv als Baustoff für Niedrigenergie- und Passivhäuser sowie für die Nutzung von Umweltenergie. „Die Verhinderung von Energieverlusten und die optimale Nutzung erneuerbarer Energiequellen werden die wesentlichen Themen des neuen Bauens. Mit seiner hohen Speichermasse ist Beton der optimale Baustoff für die passive Nutzung der Sonnenenergie in Niedrigenergie- und Passivhäusern“, so Friembichler.

Gute Zukunftsaussichten für Erdwärme
Gute Zukunftsaussichten sieht Friembichler aber auch in der kostengünstigen Nutzung der Erdwärme – diese noch junge Technik ist wiederum mit dem Baustoff Beton verbunden – zum Heizen und Kühlen von Gebäuden. Fundierungselemente aus Beton sind dabei längst Stand der Technik.
Ideal sind die neuen energiesparenden Baumaßnahmen im Neubau anzuwenden – hier warnt der VÖZ vor den geplanten Kürzungen in der Wohnbauförderung (WBF): „Die Erhaltung der Wohnbauförderung ist nicht nur für die Bautätigkeit wichtig, sondern auch in puncto Klimaschutz. Wir haben keine Bedenken, wenn nicht wirksame Teile der WBF überarbeitet werden, aber für den Neubau ist die WBF unerlässlich.“

Schwere Belastungen
Massive Belastungen treffen die heimische Zementindustrie durch die Kyoto-Vereinbarungen. Der Emissionshandel beeinträchtigt die Entwicklung der Branche stark. Orisich kritisiert die unfaire Verteilung der Zertifikatsregelungen. Zwischen 2005 und 2007, dies ist die erste Handelsperiode, werden 99,6 Millionen Zertifikate (Tonnen CO2) für Industrie und E-Wirtschaft ausgegeben. Pro Jahr sind das 33,2 Millionen. Tatsächlich verteilt werden aber nur knapp 32,9 Millionen Zertifikate, 330.000 Tonnen sind Reserve. Den Industriebetrieben werden 20,46 Millionen Tonnen zugeteilt, wobei die emissionsintensive Zementbranche 2,575 Millionen Tonnen zugebilligt bekam.
Orisich will zumindest für die zweite Handelsperiode eine faire Zuteilung: „Es fehlen uns bei den prognostizierten Wachstumsraten gut 160.000 Tonnen, der Zukauf von Emissionszertifikaten würde eine Preiserhöhung bewirken, die vom Markt nicht akzeptiert wird.“ Die Kosten für die Branche würden sich dabei auf 2,1 Millionen Euro belaufen. Pro erzeugter Tonne bedeutet dies 15 Prozent zusätzliche Kosten für die Zementhersteller. Laut VÖZ ist das völlig unfinanzierbar. Zudem müssen diese Kosten ja zu den rund zwei Millionen Euro, die bereits im Rahmen des Ökostromgesetzes anfallen, als Belastung für die Zementbranche hinzugerechnet werden, warnt der VÖZ. Ordnung könnte hier die vor wenigen Tagen gegründete „Emission Certificate Registry GmbH“ (Ecra) schaffen. Der privatwirtschaftlich geführten Registerstelle gehören die Wirtschaftskammer, die Kontrollbank, die Investkreditbank, Lenzing, Porr, die Zement- und Betonindustrie wie auch die Mehrzahl der österreichischen Stromerzeuger als Gesellschafter an.

Registerstelle Ecra gegründet
Die Ecra, die unter der Kontrolle des Umweltministeriums steht, wird Vergabe, Besitz, Übertragung und Löschung von Emissionszertifikaten ähnlich wie eine Bank mit Konten registrieren.
Während die Zementproduktion durch Importe zwischen 1990 und 2002 um 13,8 Prozent zurückging, konnte die CO2-Emission um 18,2 Prozent gesenkt werden. Möglich wurden diese drastischen Reduktionen durch hohe Investitionen in der Produktion. Vorsitzender Orisich ärgert sich über die erfolgte „Bestrafung“, nach dem Biomasse als Brennstoff für die Zementbranche wegfiel: „Wir haben mit der technischen Aufrüstung unserer Anlagen auch das Problem der Tiermehl-Verwertung mit lösen geholfen. Gleichzeitig konnten wir durch den Einsatz dieses biogenen Brennstoffs eine echte CO2-Reduktion erzielen. Jetzt sollen wir die gleichen niedrigen Werte erzielen, obwohl kein Tiermehl und auch keine anderen biogenen Brennstoffe mehr zur Verfügung stehen.“ Wenn hier keine faire Lösung für die Zementindustrie erfolgt, muss mit verstärkten Importen gerechnet werden.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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