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Offener Betriebsvergleich

29.10.2010

Drei große Baugewerbebetriebe in Österreich haben sich einem offenen Betriebsvergleich gestellt und alle Karten auf den Tisch gelegt. Von dem Mehrwert sind die Beteiligten überzeugt.

Die Bauunternehmen Rieder Bau GmbH & Co KG aus Schwoich/Kufstein, Dipl Ing. Wilhelm Sedlak Gesellschaft m.b.H. aus Wien und Tomaselli Gabriel BauGmbH/Karl Gabriel Baumeister GmbH aus Nenzing/Nüziders haben sich zusammengetan und einen offenen Betriebsvergleich gemacht. Karl Fröstl von der unico Unternehmensberatung & Industrie-Consulting Gesellschaft m.b.H. hat den Vergleich durchgeführt.

„Bei offenen Betriebsvergleichen werden alle Karten offen auf den Tisch gelegt. Die Zahlen der einzelnen Teilnehmer werden in Absolutwerten bekanntgegeben, insbesondere wird aus der Umsatzgröße und den konkreten Ergebniszahlen kein Geheimnis gemacht“, erklärt Michael Ebner vom unico-Team. „Beim aktuellen offenen Betriebsvergleich wurde auch eingehend der Hintergrund der Kennzahlen in Arbeitsgruppen von Mitgliedern der Führungsteams diskutiert. Schwerpunkte waren zum Beispiel Unternehmensstrategie, Baustellenabwicklung oder Bauträger­aktivitäten“, so Fröstl.

Der Experte erklärt den Unterschied: „Die normalen Betriebsvergleiche mit einer größeren Anzahl von Unternehmen, wie wir sie zum Beispiel seit 15 Jahren bei der ABau Niederösterreich/Wien durchführen, haben als einen wesentlichen Schwerpunkt die Wahrung der Anonymität. Dementsprechend werden bei allen Aussagen keine Absolutwerte verwendet, so ist zum Beispiel nirgendwo ersichtlich, wie groß der den einzelnen Teilnehmern zugeordnete Umsatz ist. Hingegen wird ausschließlich mit Relationswerten, Pro-Kopf-Werten, Stundenkennzahlen etc. gearbeitet, sodass jeder Teilnehmer im Vergleich seine Stärken und Schwächen erkennt, aber die Werte der anderen Teilnehmer nicht den einzelnen Firmen zuordnen kann“, berichtet Fröstl.

Schrittweise zum Ziel
Anton Rieder erklärt, wie das Projekt überhaupt zustande gekommen ist: „Wir sind alle drei Mitglieder diverser Baugenossenschaften, innerhalb derer es seit vielen Jahren Benchmarkvergleiche gibt. In Wien und Niederösterreich werden diese Vergleiche konstant weiterverfolgt, im Westen gab es dazu allerdings weniger Aktivitäten“, so Rieder. Um dem entgegenzuwirken, haben sich die drei Mittelständler zusammengetan. „Der Vergleich ist insofern wertvoll, als die drei Unternehmen relativ ähnlich sind und es daher Sinn macht, die Kennzahlen untereinander zu vergleichen. Denn obwohl alle drei Unternehmen besser als der Branchendurchschnitt sind, gibt es doch auf einigen Ebenen große Unterschiede“, so Rieder.

Im ersten Schritt des Betriebsvergleiches wurden somit die Kennzahlen verglichen. Der zweite Schritt war die Bildung von Arbeitskreisen. „In diesen Arbeitskreisen haben nicht nur die Firmenchefs, sondern auch die Bereichsleiter der verschiedenen Unternehmensschwerpunkte teilgenommen und beispielsweise über die Abwicklung von Kleinbaustellen, Unternehmensstrategie oder zum Thema Krankenstand miteinander diskutiert“, erläutert Anton Rieder. Als dritter Teil des Projektes wurde im Betrieb Rieder Bau in Kufstein das integrierte Softwaresystem vorgezeigt, das vom Unternehmen bereits verwendet wird. „Damit haben wir auch den beiden anderen Unternehmen einen Ausblick gegeben, welche Möglichkeiten sich dadurch bieten“, so Rieder.

Auch Wilhelm Sedlak bekräftigt den Vorteil der Arbeitsgruppen: „Wir haben bereits in der Vergangenheit offene Betriebsvergleiche mit anderen Firmen durchgeführt, und ich halte sie für sehr sinnvoll. Der Vorteil des offenen Betriebsvergleichs, wie wir ihn hier durchgeführt haben, liegt darin, dass es kein reiner Zahlenvergleich ist, sondern dass wir die Möglichkeit genutzt haben, direkt auf einzelne Spezialgebiete einzugehen und näher zu durchleuchten“.
Philipp Tomaselli von Tomaselli Gabriel BauGmbH erklärt die Hintergründe für die Beteiligung an dem offenen Betriebsvergleich:

„Hauptsächlich haben wir an dem Projekt teilgenommen, um für uns eine interne Standortbestimmung durchzuführen und zu erfahren, wie andere Betriebe ihr Geschäft machen. Sowohl mit dem Ablauf als auch mit dem Ergebnis sind wir insgesamt sehr zufrieden und werden einen derartigen Vergleich so oder so ähnlich jedenfalls wieder machen“, so Tomaselli. Den Erfolg sieht Tomaselli ebenfalls im inhalltlichen Austausch mit den anderen Betrieben. „Jedes Unternehmen hat eigene Themen in den Betriebsvergleich eingebracht, die wir diskutiert haben. Dadurch ergeben sich immer neue Impulse zur Weiterentwicklung des eigenen Unternehmens“, ist Tomaselli überzeugt.

Zukünftige Erweiterung
Mit dem Ergebnis des Betriebsvergleiches ist auch Anton Rieder sehr zufrieden: „Das Projekt war eine gute Sache, und es ist geplant, das weiterhin zu verfolgen. Entweder werden wir den Vergleich nächstes Jahr wieder machen, spätestens in zwei Jahren“, so Rieder. „Nachdem das Projekt so erfolgreich war, werden wir uns künftig einmal jährlich in dieser Konstellation treffen, um verschiedene Themen zu besprechen und zu diskutieren. Ob das gleich ein offener Betriebsvergleich sein muss, das wird sich noch zeigen, aber ein Treffen in diesem Rahmen ist bestimmt sinnvoll“, ist Tomaselli überzeugt.

Der Tiroler Unternehmer Anton Rieder hat zudem schon weitergehende Zukunftspläne: „Noch spannender wäre es, wenn sich noch weitere Unternehmen anschließen würden. Man könnte eine Mittelstands-Benchmark-Group daraus machen. Wichtig dabei ist, dass die Betriebe eine bestimmte Größe haben und sich mit Strategieprozessen auseinandersetzen. Eine reine Optimierung der Kostenstrukturen als Unternehmensziel ist dabei zu wenig“, ist Rieder überzeugt. Auch Tomaselli betont: „Ein offener Betriebsvergleich ist ein geeigneter Rahmen, um Fragestellungen mit Kollegen zu diskutieren, mit denen man nicht in direktem Wettbewerb steht. Dadurch herrscht grundsätzlich ein offeneres Gesprächsklima.“

Michael Ebner ergänzt: „Bei den drei Betriebsvergleichspartnern handelt es sich um größere Baugewerbebetriebe, die allesamt sehr erfolgreich agieren. Darüber hinaus ist jeder der drei Betriebe äußerst eigenkapitalstark, was in der heutigen Zeit von zunehmender Bedeutung ist.“ Die Vergleichbarkeit ist auch für Wilhelm Sedlak die entscheidende Komponente: „Für einen sinnvollen Betriebsvergleich müssen die Firmen ähnlich gelagert sein. Auch die gemeinsamen Interessen sind von Bedeutung, wenn man – wie wir mit diesem offenen Betriebsvergleich – in die Tiefe gehen will. Ansonsten ist es nur ein Zahlenvergleich, der auch Sinn macht und durchaus seine Berechtigung hat, aber mit einem anderen Anspruch dahinter“, so Sedlak. Der nächste Vergleich in dieser Größenordnung wird voraussichtlich in Wien bei Wilhelm Sedlak stattfinden. „Das nächste Mal werde ich zu uns einladen. Ein Vorteil ist natürlich, dass wir örtlich weit auseinanderliegen und daher auch nicht unmittelbar in einem Konkurrenzverhältnis stehen“, so Sedlak.

Maximaler Erfolg
Dass sich der Vergleich zwischen den Unternehmen als Erfolg bewährt hat, davon sind die Firmenchefs überzeugt. Ein Betriebsvergleich in diesem Umfang ist laut Sedlak in wenigen Tagen zu bewältigen „Es ist ein minimaler Zeitaufwand notwendig für einen maximalen Erfolg. Zudem hat es so gut funktioniert, weil alles in geordneten Bahnen abgelaufen ist und gut vorbereitet war. Der direkte Vergleich von zwei bis drei Unternehmen macht vor allem deshalb Sinn, weil man nicht nur oberflächliche Daten erhält, sondern wirklich in die Tiefe gehen und voneinander lernen und profitieren kann“, ist Sedlak überzeugt. Das bestätigt auch Philipp Tomaselli: „Der investierte Zeitaufwand von gut einer Woche hat sich in jedem Fall bezahlt gemacht.“

Teilnehmende Betriebe
Dem offenen Betriebsvergleich haben sich drei große Baugewerbebetriebe mit ähnlicher Unternehmensstruktur gestellt:

Rieder Bau GmbH & Co KG

Dipl. Ing. Wilhelm Sedlak Gesellschaft m.b.H.

Tomaselli Gabriel BauGmbH/Karl Gabriel Baumeister GmbH

(Redaktion: Diana Danbauer, Bauzeitung)

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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