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Optimistisch, aber nicht euphorisch

02.02.2004

LIM Drexel: „Obwohl das vergangene Jahr besser als erwartet ausgefallen ist, braucht die Konjunkturlokomotive Bau dringend weitere Antriebskraft.“

Mit einem Appell an die öffentlichen Auftraggeber hat Gastgeber LIM Franz Drexel die von Teilnehmern aus allen Bundesländern bestens besuchte Veranstaltung eröffnet. „Obwohl das vergangene Jahr besser als erwartet ausgefallen ist, braucht die Konjunkturlokomotive Bau dringend weitere Antriebskraft“, so Drexel. Landeshauptmann Herbert Sausgruber bekräftigte die Bedeutung der Baukonjunktur für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung und die Arbeitsmarktsituation und erinnerte daran, dass das Land Vorarlberg nach wie vor in der Lage und willens sei kräftige Impulse für die Bauwirtschaft zu setzen.
Die Studienwoche befasste sich im ersten Teil mit betriebswirtschaftlichen Themen wie:
• Preisangemessenheit von Angeboten
• Die Berechnung von Mehrkosten bei Behinderungen und
• Der Generalunternehmer und sein Subunternehmer.
Speziell letzteres Thema ist auf großes Interesse gestoßen. Referent war in allen drei Fällen der bekannte Fachmann Dipl.-Ing. Dr. Andreas Kropik. Wir werden in den nächsten Ausgaben der Österreichischen Bauzeitung alle Themen ausführlich behandeln.
Mit modernen Kommunikationsmethoden als Wettbewerbsfaktor der Zukunft beschäftigte sich Robert Giesinger. Als er in seiner Aufzählung der Kommunikation von gestern die Produktion von Papier im gleichen Atemzug mit den berittenen Boten nannte, war zu vermuten, dass nun ein Vortrag über Breitband und andere technische Details folgen wird. Doch es kam anders.
Robert Giesinger, in der Bregenzer Bausoftwareschmiede BDS für den Bereich „steuerliche und betriebswirtschaftliche Inhalte“ verantwortlich, schaffte es wieder einmal, dieses technische Thema allgemeinverständlich zu präsentieren.
Der Bogen spannte sich von der effizienten Nutzung des Mailverkehrs bis zum Aufbau eines firmenspezifischen Intranet. Besondere Aufmerksamkeit erlangte die Aussage, dass heute Wissen eine „Holschuld“ darstelle. Nur so könne die Papierflut eingedämmt werden, wenn die Informationen optimal bereitgestellt würden, sodass diese vom Bauleiter bis zum Geschäftsführer jederzeit eingesehen/abgeholt werden könnten. Das erfordere einerseits eine optimal integrierte Bausoftware, andererseits die Schaffung der technischen Voraussetzungen für einen einfachen und effizienten Zugriff auf die Daten.
Dass unter diesen Voraussetzungen jeder an seinem Platz – ob im Haus oder auf der Baustelle – seine Arbeit verrichtet, bewirkt, dass sich der Datenfluss Baustelle/Bauleiter – Zentrale im Hintergrund abspielt und somit zur Selbstverständlichkeit wird. Giesinger brachte dazu Beispiele von externer Stunderfassung bis zu einem Life-Einstieg in das BDS-Rechenzentrum, welches vermehrt von Bauunternehmungen in Anspruch genommen wird. Dort holte er sich als Bauleiter die Informationen einer Baustelle seines Übungsbetriebes, wie er auch gleichzeitig die Abgrenzungen für die monatliche Bauerfolgsrechnung erledigte.
Den mahnenden Finger erhob Giesinger zum Verkehr des Baumeisters mit seinen Kunden. Er erinnerte daran, dass die Kundenstruktur jünger werde und ein Internet-Auftritt einer Bauunternehmung wohl durchdacht sein müsse. Der Häuselbauer setze sich vor den Bildschirm, und da müsse es dem Baumeister gelingen, dass er über seine Homepage stolpere, auf ihn aufmerksam werde und sein Interesse geweckt würde, dass er auf ihn zukomme.
Zusammenfassend stellte Giesinger fest, dass die Zukunft schon begonnen habe, nur in den Köpfen sei der Durchbruch noch nicht erfolgt. Und da sei es höchste Zeit dazu.
Dr. Sophie Karmasin erläuterte im Anschluss den Wandel im Konsumentenverhalten, mit dem wir uns in einer der nächsten Ausgaben ausführlich beschäftigen werden. Nur eine Zahl vorweg: Kaufentscheidungen bezüglich einer neuen Wohnung oder eines Hauses werden bereits zu 31 Prozent von Frauen gefällt.

35.000 neue Arbeitsplätze
Infrastrukturinvestitionen von knapp über 2 Mrd. Euro hat Vizekanzler und Verkehrsminister Hubert Gorbach am letzten Tag der Baustudienwoche angekündigt. Dies bedeute etwa 35.000 zusätzliche Arbeitsplätze in der Bauwirtschaft und in vor- bzw. nachgelagerten Bereichen.
Generell gelte, dass jede Milliarde, die an öffentlichen Geldern in die Bauwirtschaft investiert werde, 16.000 bis 18.000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffe. Die Strukturreform der ÖBB beispielsweise sichere, dass jährlich ein bis 1,2 Mrd. Euro allein in den Schienenausbau investiert würden. Im Jahr 2003 seien es noch 850 Mio. Euro gewesen, was einer Steigerung von 23 Prozent entspreche, so Gorbach.
Zu den aktuellen Konjunkturdaten meinte der Vizekanzler, dass das heimische Wirtschaftswachstum von 0,7 Prozent im Jahr 2003 im Wesentlichen dem Einzelhandel und den Bauinvestitionen zu verdanken sei. Vor allem der Bereich Tiefbau habe sich zur „Konjunkturlokomotive" der Bauwirtschaft entwickelt mit einer Wachstumsrate von 5 Prozent, so Gorbach. Er persönlich werde dafür sorgen, dass sich der Aufwärtstrend bei den Infrastrukturinvestitionen auch in der Zukunft fortsetze.
Gorbach verwies weiters auf Großprojekte der kommenden Jahre mit der EU. Es sei gelungen, in der Liste der 29 prioritären Projekte der Transeuropäischen Netze fünf österreichische Projekte prominent an vorderster Stelle zu platzieren. Dies entspreche einem Investitionsvolumen von 12,27 Mrd. Euro in langfristige Infrastrukturprojekte.
Sein Nachfolger als Vorarlberger Landesstatthalter, Dieter Egger, betonte die unbedingt notwendige Beibehaltung der Wohnbauförderung und erläuterte das Maßnahmenpaket der Vorarlberger Landesregierung zur Unterstützung der heimischen Bauwirtschaft. So werden allein im Straßenbau 64,08 Millionen Euro, im Hochbau rund 74 Millionen Euro und in der Wasserwirtschaft rund 18 Millionen Euro vergeben. „Zukunft Vorarlberg – bauen wir sie gemeinsam auf“ so sein abschließender Appell.

Relativierte Euphorie
Für die Entwicklung der Bauproduktion im Jahr 2004 ist das Bauhauptgewerbe (Baugewerbe und Bauindustrie) grundsätzlich optimistisch. So der Tenor von Bundesinnungsmeister Ing. Johannes Lahofer und des Obmannes des Fachverbandes der Bauindustrie Dr. Hans Peter Haselsteiner anlässlich des Abschlusses der der Zürser-Baustudienwoche.
Die euphorischen Meldungen über einen „Bauboom“ auf Basis der statistischen Werte für die erste Jahreshälfte 2003 wurden relativiert. Aufgrund der günstigen Witterungsverhältnisse konnte die Bausaison nämlich bereits früher als in den Vorjahren beginnen. Somit ergaben die ersten sechs Monate des Jahres Steigerungsraten von fast 10% für den Hoch- und Tiefbau.
Für 2004 wird von den Wirtschaftsforschern ein Wachstum von rund. 1,8% erwartet. Die FGW nimmt für 2005 sogar einen Wachstumsbereich von 2,5% an.
Der Bauproduktionswert des Bauhauptgewerbes wird sich nach den aktuellen Prognosen 2004 um die 10 Mrd. EURO bewegen, das Bauhilfs- und Baunebengewerbe dürfte bei 7,3 Mrd. EURO liegen.
Der Hauptanteil des Aufschwunges wird durch den Tiefbau getragen, besonders durch den Verkehrs- und Wegebau. Für 2003 wird, nach vorliegen der endgültigen Zahlen, ein reales Wachstum von 5% erwartet.
Der Hochbau ist 2003 nur geringfügig gewachsen. 2004 sollte eine Steigerung von etwa 1,3% möglich sein. Insgesamt wird für das kommende Jahr ein Produktionswert von 6 Mrd. EURO erwartet. Der öffentliche Hochbau konnte nach den starken Einbußen der Vorjahre, bedingt durch die Budgetkonsolidierung, heuer wieder positiv abschließen.
Nach dem eingebremsten Rückgang von 2002 konnte 2003 im Wohnungs- und Siedlungsbau ein schwaches Plus von knapp unter 1% verzeichnet werden. Die erstmals seit 1995 wieder gestiegenen Bewilligungszahlen sowie die stärkere Nachfrage nach Wohnungen in den Städten lassen eine positive, zumindest aber stabile Entwicklung für die nächsten Jahre erwarten.
Einen deutlichen Impuls könnte dabei auch die Einführung eines reduzierten Mehrwertsteuersatzes für Baudienstleistungen liefern. Diese Regelung hat sich in 9 EU-Staaten bewährt, sodass auch auf europäischer Ebene die Fortsetzung dieses Projektes von der EU-Kommission empfohlen wurde. Bundesinnungsmeister Lahofer betonte, dass der Wohnbau ein Hauptstandbein des Baugewerbes sei und somit im Bereich der Wohnbauförderung am bauwirksamen Fördervolumen keinerlei Kürzungen erfolgen dürften.
Besorgniserregend sei, dass im Bereich der Sanierung und Modernisierung ein Rückgang von mehr als einem Prozent zu verzeichnen gewesen sei. Hier gelte es, im Zuge der Umsetzung der Gebäuderichtlinie Anreize zu schaffen, um unter dem Kriterium der Nachhaltigkeit die notwendigen baulichen Sanierungen und Assanierungen vorzunehmen, nicht zuletzt zur Realisierung der Kyoto-Ziele.
Unter Druck befinden sich weiterhin die Erträge. Die Betriebe haben damit zu kämpfen, dass die Baupreise nicht mit den steigenden Kosten Schritt halten konnten.
Bei der Zahl der Insolvenzen befindet sich die Bauwirtschaft zwar mit rund 1000 im verangenen Jahr nach wie vor im Spitzenfeld, die Insolvenzsumme ist jedoch laut KSV um mehr als ein Drittel zurückgegangen.
Als sehr positives Signal für den Wirtschaftsstandort Österreich wird die KöSt.-Senkung gesehen.
Die Zahl der Arbeitslosen im Hoch- und Tiefbau ist im Dezember 2003 auf über 48.000 um 1,6% gegenüber dem Vorjahr gestiegen, im Jahresschnitt aber um 2,3% gesunken. In diesem Zusammenhang gilt es, Maßnahmen zur Vermeidung des „Abgabenbetruges“ durch die Gründung von Scheinfirmen zu treffen. Dazu ist eine bessere Vernetzung von Sozialversicherung, Gewerbebehörde sowie der Bauarbeiter- Urlaubs- und Abfertigungskasse notwendig. In die Überlegungen einbezogen werden sollte auch eine raschere SV-Anmeldung durch moderne elektronische Medien und Kommunikationsmittel. Die sogenannte KIAB wird personell auf 185 Kontrollore aufgestockt.
Diese sollte künftig auch zur Kontrolle von Pfuscherbaustellen eingesetzt werden.
Die Erlassung von Ausübungs- und Standesregeln für Bauunternehmen ist beim Wirtschaftsminister schon seit längerer Zeit in Prüfung.
Bei allfälligen legistischen Änderungen ist mit Augenmaß vorzugehen, um nicht wegen schwarzer Schafe die Belastungen und Bürokratie für die übrigen Firmen unverhältnismäßig zu erhöhen.
Kopfzerbrechen bereitet dem Bauhauptgewerbe auch der deutliche Rückgang bei den Lehrlingen. So ist in den letzten drei Jahren, die Zahl um ein Drittel, auf 3.300 zurückgegangen.
Aus diesem Grund wurde die Ausbildungsumlage höher dotiert, aus deren Aufkommen 2004 eine große Lehrlingskampagne finanziert werden soll. Ein Maßnahmenmix soll die Zahl der Maurer, Schalungsbauer und Tiefbauer wieder deutlich steigern. Ab der zweiten Jahreshälfte 2004 wird an Baugewerbebetriebe, ab 2005 auch an Bauindustriebetriebe, die Lehrlinge ausbilden, jährlich eine Prämie in der Größenordnung von 1.500 EURO refundiert. Um die Aktion auch voll zur Wirkung zu bringen, fordern die Bauverbände die Steuerfreiheit dieser Prämie.
Dieses Projekt wird von Baugewerbe und Bauindustrie, die vor einem halben Jahr ihre Organisationen in der Geschäftsstelle Bau zusammengelegt haben, gemeinsam durchgeführt.
Vorrangige Anliegen für die Bauwirtschaft sind auch die Verkürzung und die Vereinfachung der Bewilligungsverfahren, Beseitigung von Bürokratie, Vereinheitlichung der Bauordnungen sowie die Forcierung von Private Public Partnership Modellen, insbesondere im Bereich der Infrastruktur und in den Versorgungsbereichen (Medizin, Wasser, Entsorgung,…).
Die Spitzen der beiden größten Bauverbände sind sich einig, dass durch eine engere Kooperation der beiden Verbände eine erhöhte Durchschlagkraft und eine Stärkung der Bauwirtschaft möglich ist. Gemeinsam soll der Stellenwert der Bauwirtschaft als Schlüsselbranche betont und das Image des Baues in ein gebührend positives Licht gerückt werden.
Im Rahmen der Baustudienwoche tagte auch der „Betriebswirtschaftliche Ausschuss der Bundesinnung“, der sich mit dem Thema „Road-Pricing“ beschäftigte. Über die Ergebnisse berichten wir in der nächsten Ausgabe.
Mit dem traditionellen Galaabend endete die Vorarlberger Baustudienwoche, und „Cheforganisator“, Landesinnungsgeschäftsführer Thomas Peter konnte wieder einmal stolz auf eine gelungene Veranstaltung zurückblicken.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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