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Palfinger

18.05.2004

Der international führende Kranhersteller Palfinger will noch höher hinaus. Vorstandsvorsitzender Wolfgang Anzengruber skizziert die Pläne des Hebeexperten.

Hebe-, Lade- und Handlingsysteme sind die Kompetenzen von Palfinger. Das sicherlich prominenteste Produkt ist der Lkw-Knickarmkran. Mit einem Marktanteil von 30 Prozent zählt Palfinger zum Weltmarktführer. Die Bauwirtschaft kann zwischen 150 Modellen wählen 1999 übernahm das Unternehmen die französische Guima-Gruppe, wodurch Palfinger zum weltweit zweitgrößten Hersteller von Abrollkippern avancierte. Der Kauf von Tiffin Loader Cranes sowie die Übernahme der brasilianischen Madal S.A. stärkt das internationale Standbein.

Palfinger ist ein gut eingeführter Name in Österreichs Bauwirtschaft. Wie geht es dem Unternehmen? Wie stark ist der Konkurrenzdruck?
Anzengruber: Dem Unternehmen geht es sehr gut, 2003 erreichten wir mit 334 Millionen Euro gegenüber 2002 ein Umsatzwachstum von neun Prozent. Auch das Konzernergebnis konnten wir um knapp 16 Prozent steigern. Umsatzmäßig war 2003 damit das stärkste Jahr in der Firmengeschichte. Stolz sind wir auch auf die über 50 Prozent Eigenkapitalquote wie auch auf die niedrigste Verschuldung, seit es das Unternehmen gibt. Damit ist Palfinger finanziell ein absolut gesundes Unternehmen. Die Konkurrenz schläft nicht. Natürlich spüren wir deren Druck. Aber ich denke, für die Zukunft sind wir in allen Belangen gut gerüstet.

Welchen Strategie verfolgt Palfinger?
Anzengruber: Unsere Strategie steht im wesentlichen auf drei Säulen: Innovation, Internationalisierung und Diversifikation. Innovation forcieren wir auf Produktebene, wir wollen den Anspruch Technologieführer zu sein, auch weiter halten. Innovation gilt aber auch für Prozessoptimierungen. So konnten wir
z. B. beim Kran die Durchlaufzeit von der Bestellung bis zur Lieferung drastisch reduzieren. Auch das neue Standortnutzungskonzept geht in diese Richtung. Unter Internationalisierung verstehen wir nicht nur, daß wir unsere Produkte weltweit verkaufen wollen (zurzeit tun wir das in 82 Ländern) sondern Internationalität heißt auch internationale Produktion und Beschaffung. Was die Produktion angeht haben wir seit 1993 ein Werk in Slowenien/Maribor und seit dem Jahr 2000 produzieren wir auch in Bulgarien. Aus dieser Going-East-Strategie lukrieren wir Lohnkostenvorteile die uns natürlich helfen, konkurrenzfähig zu bleiben. In Slowenien betragen die Lohnkosten nur rund 40 Prozent im Vergleich zu Österreich, in Bulgarien sind es gar nur 10 Prozent der österreichischen Kosten.
Mit der Diversifikation wollen wir die Zyklizität der Palfinger Gruppe verringern. Bis Anfang der 90er Jahre haben wir ausschließlich den LKW-Ladekran gebaut, und damit waren wir natürlich sehr stark von der Bauwirtschaft abhängig. In den letzten 10 Jahren haben wir unser Produktportfolio erweitert, vom Abrollkipper über die Ladebordwand bis hin zur Hebebühne und konnten damit neue Branchen für Palfinger erschließen. Recycling- und Transportwirtschaft werden zukünftig eine immer wichtigere Rolle bei Palfinger spielen.
Mit 1. Jänner 2004 verfügt Palfinger zusätzlich über GPS. – Die neue „Global Palfinger Structure“ hat als oberstes Ziel, dass das Unternehmen optimal in den jeweiligen geografischen bzw. Produktmärkten operieren kann. Mit dieser neuen Struktur werden dezentral flexible und schnelle Entscheidungen vor Ort gewährleistet, die sowohl unseren Mitarbeitern zugute kommen, als auch unseren Händlern.

Sind Sie für 2004 optimistisch?
Anzengruber: Das Jahr 2004 ist auf alle Fälle vielversprechend angelaufen. Für das laufende Jahr erwarten Wachstum bei Umsatz und Ergebnis.
Wie reagiert Palfinger auf die EU-Osterweiterung?
Anzengruber: Wir verkaufen unsere Produkte heute schon in diesen Ländern – die interessantesten Märkte sind dabei Polen und Ungarn. Wir nutzen die neuen EU-Länder aber auch auf der Seite der Beschaffung bzw. habe ich vorher schon erwähnt, daß wir in Slowenien schon seit 1993 ein Werk mit rund 300 Mitarbeitern haben.

Markteinschätzung insgesamt: wird es auch für Palfinger härter?
Anzengruber: In konjunkturell schwierigen Zeiten wird es für jeden härter, natürlich auch für Palfinger. Aber lassen Sie es mich so formulieren: in guten Zeiten Geld zu verdienen ist keine Kunst, die Kunst besteht darin, auch in schlechten Zeiten gut zu verdienen, und das hat Palfinger in den letzten Jahren immer wieder geschafft.

Arbeitskräfte in den EU-Ostländern: Wie beurteilen Sie das Ausbildungsniveau der Fachkräfte?
Anzengruber: Ein Unternehmen wie Palfinger kann bei der Qualität keine Abstriche machen, ganz gleich wo auch immer eine Komponente gefertigt wird. Das Qualitätsniveau muß überall auf dem selben hohen Niveau sein. Das Ausbildungsniveau in Slowenien ist in den letzten Jahren stetig gestiegen, in der Qualität der Arbeit gibt es keinen Unterschied zu Österreich. Auch mit den bulgarischen Fachkräften können wir wirklich sehr zufrieden sein.

Wo liegt für Sie persönlich die Herausforderung bei Palfinger? Sie sind seit September vergangenen Jahres im Vorstand - Fazit bis dato?
Anzengruber: Einerseits in ein sehr erfolgreiches, weltweit tätiges aber doch österreichisches Unternehmen einzusteigen, und andererseits die Herausforderungen der Privatwirtschaft zu meistern. Zunächst einmal muß ich sagen, daß ich hier ein hervorragendes Team, hoch motivierte Mitarbeiter und ein gut aufgestelltes Unternehmen vorgefunden habe. Die technologische Kompetenz und die Marktposition geben Palfinger eine Alleinstellung. Es ist kein Zufall, dass Palfinger Weltmarktführer ist. Diese Position möchte ich nicht nur verteidigen, sondern weiter ausbauen und die vorhandenen Chancen nutzen. Über weitere Diversifikation und noch stärkere Internationalisierung und mehr Kundennähe werden wir wachsen.
Was sind die mittelfristigen Ziele der Gruppe?
Anzengruber: Wir wollen in den kommenden drei Jahren den Umsatz um 40 Prozent steigern! Das Potential ist vorhanden. Es darf auch nicht übersehen werden, dass unser Hauptaktionär die Familie Palfinger ist, die auf Unternehmenswert schaut – das heißt, dieser muss kontinuierlich gesteigert werden. Ein Plan für die nahe Zukunft ist, unseren Service weiter auszubauen, es gibt z. B. einen neuen Service- und Democenter in Salzburg. Aber auch international wünsche ich mir ein deutliches Wachstum.

Wie ist die Lage der heimischen Bauwirtschaft, wird genug gebaut?
Anzengruber: Wenn es nach uns geht, wird nie genug gebaut, denn um so mehr gebaut wird, um so stärker ist die Nachfrage. Prinzipiell sind wir in Österreich gut aufgestellt, mit mehr als 55 Prozent Marktanteil sind wir in Österreich absoluter Marktleader. Aber wir müssen auch realistisch bleiben, Österreich ist ein kleiner Markt. Mit einer Exportquote von 97 Prozent spielen natürlich andere Märkte, wie Spanien, Deutschland, Frankreich oder Großbritannien eine wesentlich wichtigere Rolle, wenn dort die Bauwirtschaft floriert ist der Hebel natürlich ein anderer.

Palfinger – Zahlen, Daten, Fakten

Das 1932 gegründete Unternehmen zählt seit Jahren zu den international führenden Herstellern hydraulischer Hebe-, Lade- und Handlingsysteme. Die Palfinger-Gruppe steht zu rund 64 Prozent im Besitz der Familie Palfinger und zu rund 31 Prozent im Streubesitz. Fünf Prozent hat die Palfinger AG im Rahmen eines Aktienrückkauf-Programmes erworben. Unternehmensschwerpunkte: Lkw-Kran, hydraulische Systeme und Land- und Forstwirtschaft.
• Umsatz 2002: 307 Millionen Euro. EBIT 23,4 Millionen EUR
• Umsatz 2003: 334 Millionen Euro, EBIT 25,7 Millionen EUR
• Konzernergebnis 2003: 15,3 Millionen Euro
• 1.500 Service-Stützpunkte in über 80 Ländern auf allen fünf Kontinenten
• Produktions- und Montagestandorte in Europa sowie Nord- und Südamerika
• 2.293 Mitarbeiter weltweit

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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