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Passivhaus-Forschungsförderung in Österreich:

20.07.2004

Neue Energie- und Umwelttechnologien waren u.a. Thema anlässlich der 8. Passivhaustagung in Krems.

Kann ein Forschungs- und Technologie-Entwicklungsprogramm wirklich dazu beitragen, dass die für das „Haus der Zukunft“ entscheidenden Fragen von Forschern und Firmen aufgegriffen und bearbeitet, diese vielfältigen Ergebnisse in Gesamtkonzepten zusammengeführt und schließlich in konkreten Demonstrationsanlagen umgesetzt werden? Wie sich nun zeigt, ließ sich dieser Anspruch der Programmlinie „Haus der Zukunft“ – ein Teil des Impulsprogramms „Nachhaltig Wirtschaften“ – verwirklichen.
Von Anfang an war klar, dass das Thema „Zukunftsorientiertes Bauen und Wohnen“ von großer Relevanz für eine nachhaltige Entwicklung ist und gleichzeitig ein hohes Maß an Innovationschancen für die Wirtschaft eröffnet. Jedoch wären hohe Anforderungen an fachübergreifende Zusammenarbeit zu erfüllen und eine gute Kooperation mit den Umsetzern zu gewährleisten. Die Vielfalt und gleichzeitig zu berücksichtigende Themen wie
• optimale Energieeffizienz und Wärmedämmung,
• Solararchitektur und intelligente Nutzung erneuerbarer Energieträger,
• ökologische Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen,
• ökonomisch günstige Fertigungsweisen sowie
• Faktoren wie Licht, Luft, Nutzerbedürfnisse und Lebensqualität
müssten gleichzeitig vorangetrieben und in konkreten Konzepten gemeinsam umgesetzt werden. Deshalb sahen viele Fachleute einen raschen Durchbruch als nicht realistisch an.

Skeptiker sind verstummt
Heute, einige Jahre nach Programmstart, sind die Skeptiker verstummt. Nach insgesamt drei Ausschreibungen mit insgesamt 150 Projekten (Förderungsvolumen über 16 Mio. Euro) ist die Anzahl der von einer internationalen Jury ausgezeichneten Konzepte, die nun in Form von Demonstrationsprojekten umgesetzt werden sollen, deutlich höher als ursprünglich erhofft (siehe Abbildung 1). Das große Engagement, die hohe Bereitschaft zur Zusammenarbeit der österreichischen Forscher, der Architekten und Firmen aus Industrie und Gewerbe haben zu einem international beachteten Durchbruch geführt.
Grundlagenforschung – konkrete Umsetzung
Mit Grundlagenprojekten, Technologie- und Komponenten-Entwicklungen sowie innovativen Bau- und Sanierungskonzepten wird die Basis für konkrete Mustergebäude und Pilotvorhaben geschaffen. Durch ein begleitendes Programm-Management werden die spezifischen Fragestellungen proaktiv thematisiert, Einreicher bei der Projektdefinition und Projektdurchführung unterstützt und die Projekte soweit vernetzt, dass Synergien optimal genutzt werden können. Begleitende Maßnahmen wie Wettbewerbe, Qualifikationsmaßnahmen und einschlägige Gründungsinitiativen sollen ebenfalls das Erreichen der Programmziele unterstützen.
Wichtige Beispiele für Grundlagenarbeiten sind u.a. Untersuchungen zum Nutzerlnnenverhalten und Motivanalysen zum Wohnen bzw. Erhebungen fördernder und hemmender Faktoren für das nachhaltige Bauen. Im Bereich der Althaussanierung, die im Jahr 2002 als neuer Themenschwerpunkt gestartet wurde, waren Studien zur Erstellung ökologischer Kriterien für die Sanierung, Arbeiten zur Beteiligung in Sanierungsprozessen bzw. Grundlagearbeiten für Dienstleitungspakete zentral.
Im Bereich der Technologieentwicklung spannt sich der Bogen der Projektthemen von Passivhausfenster-Entwicklungen über innovative Kollektoren und Dämmstoffe bis hin zu ganzen Bauteilentwicklungen.
Weiters war es auch möglich, Konzepte für konkrete Bauvorhaben im Rahmen der Programmlinie „Haus der Zukunft“ einzureichen. Diese innovativen Konzepte für Neubau- und Sanierungsvorhaben haben unterschiedliche Schwerpunktsetzungen, wie z.B. Bauen mit Stroh oder Lehm, Lösungen für spezielle Nutzergruppen wie Senioren, Musiker oder Kindergartenkinder bzw. ganzheitliche Konzepte, die die Siedlungsentwicklung miteinschließen.
Die im Rahmen der Programmlinie entwickelten Konzepte wurden teilweise schon realisiert bzw. gelangen nun nach und nach als Demonstrationsbauten zur Umsetzung.

Erste Leitprojekte in Realisierung
Beispielhaft werden hier das im Oktober 2003 eröffnete ChristophorusHaus in Stadl-Paura sowie das Schiestl-Haus, das im Sommer 2004 auf dem Gipfel des Hochschwab errichtet werden soll, genannt (s. auch Seite 39). Das ChristophorusHaus ist ein multifunktionales Betriebs- und Verwaltungsgebäude mit Kulturzentrum in Passivhausstandard und hochwertiger Holzbauweise. Zusätzlich kommen modernste Haustechnik (Kühl- und Lüftungskonzept), wassersparende Kreislaufführung sowie optimierte Tageslichtführung zur Anwendung. Insgesamt ist dieses Projekt ein überzeugendes Beispiel, dass konsequente Orientierung an Nachhaltigkeit, das Umsetzen mutiger Innovationen und Lebens- bzw. Arbeitsqualität gut auf einen Nenner gebracht werden können. Damit ist dieses Haus sicherlich ein international beachtetes Leitprojekt.
Das auf dem Hochschwab geplante Schiestl-Haus fungiert sozusagen als „Formel 1“ unter den Passivhaus-Demonstrationsprojekten. Härteren Bedingungen werden Passivhäuser wohl nicht standhalten müssen. 2200 Höhenmeter bei zeitweise extremen Wetterbedingungen im Wasserschutzgebiet erforderte höchste Ansprüche an Bauweise sowie an Energie-, Wasser- und Bewirtschaftungskonzepte. Das Haus soll mit Hilfe vorgefertigter Holzfertigteile in kurzer Zeit errichtet werden.
Höchste Energieeffizienz und die erneuerbaren Energiequellen Sonne und Wind ermöglichen eine autonome Versorgung mit thermischer und elektrischer Energie. Regenwasseraufbereitung und biologische Abwasserreinigung werden der relativen Wasserknappheit und der ökologischen Sensibilität des Standortes Rechnung tragen. Somit ist dieses Demonstrationsprojekt ein richtungsweisender Prototyp für konsequent ökologisch ausgerichtete alpine Stützpunkte in „lnsellagen“.

Vom Neubau zum „Altbau der Zukunft“
Da die Sanierung des bestehenden Gebäudebestandes in den nächsten Jahren eine große Rolle spielen wird, widmet sich die Programmlinie „Haus der Zukunft“ als nächstes der Übertragung der Erkenntnisse und Erfahrungen vom Neubau auf Sanierungsprojekte. Bevor hier erste Demonstrationsprojekte realisiert werden können, sind insbesondere folgende Themen in Projekten zu behandeln:
• Adaptierung bzw. Modifizierung von Technologien aus dem Neubaubereich für Sanierungsprojekte
• Neue Gesamtkonzepte für kostengünstige Qualitätssanierungen (gerüstloses Sanieren, standardisierte Sanierungspakete für Passivhausstandard etc.)
• Einführungsstrategien für zukunftsfähige Sanierungen; Untersuchung von sozialen und ökonomischen Hemmnissen sowie deren Überwindung (z.B. Mitbewohnerbeteiligung)
Bereits die Preisträgerprojekte des 2001 durchgeführten Wettbewerbes „Altbau der Zukunft“ zeigten, dass mit einer Sanierung ein beachtliches Potenzial an energetischen und bautechnischen Verbesserungen gegeben ist. So konnte z.B. das Siegerprojekt „Ökoeffiziente Gebäudesanierung Nordpool-Steyr“ zeigen, wie aus einer ehemaligen Produktionsstätte ein energieeffizientes, ökologisches und modernes Büro- und Geschäftshaus gemacht wurde. Die Heizenergiekosten wurden um den Faktor 20 gesenkt. Der Rest-Heizbedarf wird mit erneuerbarer Energie gedeckt. Bei der Sanierung zum Niedrigenergiehaus wurden fast ausschließlich nachwachsende Rohstoffe bzw. Recyclingmaterialien verwendet. Gleichzeitig konnten die Sanierungskosten extrem tief gehalten werden (335 Euro/m2). Damit ist dieses Projekt ein gelungenes Referenzmodell für weitere Gebäudesanierungen aus den 60ern und 70ern.
Dank der guten Zusammenarbeit der beteiligten Forscher und Fachleute, aber auch der konstruktiven Kooperation zwischen Bundes- und Landeseinrichtungen bei der Finanzierung von Demonstrationsprojekten ist zu erwarten, dass Österreich auch im Bereich der zukunftsorientierten Althaussanierung eine Vorreiterrolle einnehmen wird.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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