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Auch in der Wüste geht nichts ohne Digitalisierung. Schalungsprofi Peri im Einsatz bei der Errichtung der Bee-ah-Headquarters im Osten der VAE.

Perfekt vernetzt

26.02.2018

Produktion 4.0, Future Factory und Digitalisierung: Besonders im Bereich der Schalung bietet eine intensive Vernetzung von Daten am Bau enorme Möglichkeiten.

Alle wichtigen Informationen auf einen Blick: hier ein Beispiel für ein Meva-Schalungsfachmodell in BIM.
Concremote ermittelt den optimalen Zeitpunkt zum Ausschalen und steigert so die Produktivität.

Prozessoptimierung am Bau ist seit Jahren einer der wesentlichen Antreiber im Bereich Forschung und Entwicklung. Gerade im Schalungsbereich lassen sich durch interne und externe Digitalisierungsstrategien nicht nur neue Wirkungsfelder erschließen, sie schaffen auch mehr Transparenz und Effizienz für Planung und Umsetzung.

Mensch und Maschine

Die Automatisierung, Digitalisierung und Vernetzung von Wertschöpfungsketten sowie die Verknüpfung vor- und nachgelagerter Prozesse sind wichtige Themen für die Produktion 4.0 im Hause Doka. Einerseits ist das Unternehmen auf die Reorganisation und Optimierung interner Prozesse angewiesen, andererseits hat die Digitalisierung von Systemen und Prozessen großes Potenzial, die Organisation schneller und dynamischer zu machen. Aktuell verfügt die Produktion von Doka über eine Vielzahl an verschiedensten Roboteranwendungen. Die sogenannte Mensch-Roboter-Kollaboration geht dabei einen ganz neuartigen Weg: Mensch und Roboter sollen Hand in Hand miteinander arbeiten, und das völlig ohne eine trennende Schutzeinrichtung. Mit diesen Umsetzungsschritten soll das Know-how im Bereich kollaborativer Robotik und Mensch-Roboter-Kollaboration so weit aufgebaut werden, dass damit in Zukunft weitere Anwendungsszenarien rasch umgesetzt werden können. „Die Digitalisierung ermöglicht es uns, neue Geschäftsideen zu entwerfen und gesammelte Daten zielgerichtet einzusetzen", skizziert Christian Mayr, Mitglied des Management-Boards der Doka Group. „Durch die Vernetzung der Daten verbessern wir unsere Abläufe in der Produktion. Wenn wir die Produktion optimieren, können wir wirtschaftlicher arbeiten, das kommt auch unseren Kunden zugute."

Intern und extern

In Sachen interne Digitalisierung arbeitet Doka dabei gleich mit mehreren Tools: Das Pilotprojekt soll die Implementierung einer innovativen Lagerverwaltungssoftware möglich machen und gemeinsam mit einer Inventur-App die Abläufe an den Servicestandorten weiter optimieren. Mit der mobilen Datenerfassung Mobile Data Entry (MDE) soll eine papierlose Prozessabwicklung in der Lagerverwaltung gefördert werden, während mit dem Tool Operating Data Logging (ODL) zusätzlich die Betriebsdatenerfassung für die Servicestandorte vereinfacht wird. Im Bereich der externen Digitalisierung arbeitet der Schalungsprofi zusätzlich an den Baumethoden der Zukunft und investiert in die Entwicklung von digitalen Lösungen zur optimierten Planung und Ausführung von Gebäuden. Ein Beispiel ist Concremote, welches das Ausschalen zum frühmöglichsten Zeitpunkt und damit eine signifikante Verkürzung von Taktzeiten ermöglicht. Zudem bietet es bei der Wahl der effizienten Betonmischung oder gezielten Vermeidung von Rissbildung Unterstützung und liefert damit eine Optimierung der Ausführungsqualität.

Damit leistet das Unternehmen einen wichtigen Beitrag zu BIM, der interaktiven und lückenlosen Prozessoptimierung über den gesamten Lebenszyklus eines Objekts. Apropos Prozessoptimierung: Informationen über Materialverwaltung und Lagerbewegungen sollen mittels intelligenter Software in Zukunft noch intensiver mit BIM-Modellen verknüpft werden. Dank optimaler Auslastung von Schalungsmaterialien sollen so in näherer Zukunft unnötige Materialvorhaltungen und Transportkosten minimiert werden. Mit dem eigenen Onlineshop nutzt Doka das Potenzial, das die Digitalisierung im Bereich E-Commerce bietet, und ermöglicht es den Kunden, über alle gängigen Geräte (PC, Tablet, Smartphone) und Betriebssysteme auf das Onlineangebot der Doka-Produkte jederzeit zugreifen und einkaufen zu können.

Zukunft ist jetzt

Auch Hünnebeck setzt sich seit Jahren intensiv mit dem Thema Digitalisierung auseinander – konkret unter anderem auch als Mitglied des Güteschutzverbands für Betonschalungen Europa e. V. Das Unternehmen hat sich dabei maßgeblich an der Entwicklung der GSV-Richtlinie „BIM-Fachmodell Schalungstechnik (Ortbetonweise)" beteiligt, mit der nun erstmals eine normierte Schnittstelle für den Daten- und Informationstransfer bei Ortbetonprojekten vorliegt. Die Grenzen aus klassischer und digitaler Produktentwicklung sind dabei fließend: Digitale Produkte können physische Produkte ergänzen oder erweitern. „Selbst rein digitale Produkte sind möglich", so Hünnebeck-Austria-GF Gerald Schönthaler. Die Herausforderung dabei sei, diese digitalen Produkte für den Anwender bereitstellen zu können. IFC 4 wird den standardisierten Austausch von Schalungsdaten zwischen verschiedenen BIM-Applikationen vereinfachen. „Das wird die Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen auf eine ganz neue Basis stellen, worauf wir uns intensiv vorbereiten." So wird Hünnebeck­ künftig für ausgewählte Kernprodukte eine Produktbibliothek mit informationsangereicherten 3D-Modellen für die Anwendungsplanung in BIM bereitstellen. Darüber hinaus wird mit einer breiteren Verfügbarkeit der BIM-Modelle die Nutzung in der Bauablaufplanung (4D) und Schalungskalkulation (5D) zunehmen.

Voll informiert

Auch beim Produkt selbst hat die Digitalisierung Einzug gehalten: Die eindeutige Identifizierbarkeit einzelner Schalungselemente durch RFID-Chips, mit denen das Unternehmen beispielsweise die Platinum-100-Wandschalung serienmäßig ausstattet, erleichtert nicht nur den Zugang zu Finanzierungsformen. Sie ermöglicht zudem die Integration des Materials in ERP-Systeme, mit denen sich alle wesentlichen Vorgänge im Laufe eines Produktlebens dokumentieren und kontrollieren lassen – von sämtlichen Warenbewegungen bis hin zu Reinigungs- und Reparaturvorgängen. Und im Bereich Projektcontrolling ermöglichen es Web-Anwendungen – wie zum Beispiel das Kundenportal myHünnebeck – den Kunden schon heute, jederzeit relevante Informationen rund um ein Bauprojekt online abzurufen und weiterzuverarbeiten. „Auch bei der Materialbeschaffung wird die Digitalisierung voranschreiten – durch die Automatisierung von Prozessen und die Entwicklung neuer Onlineplattformen", so Schönthaler.

Neue Strukturen

„,Digitalisierung‘ und ‚digitale Transformation‘ als Schlagwörter liegen aktuell sehr im Trend", so Peri-Geschäftsführer Christian­ Sorko. „Inhaltlich handelt es sich aber um die logische und auch notwendige Konsequenz, sich als Unternehmen stets weiterzuentwickeln, sich den Marktgegebenheiten anzupassen und auf Kundenanforderungen zu reagieren. Um dies gewährleisten zu können, müssen die Unternehmen neuen Technologien offen gegenüberstehen und für sich bewerten, welche Ansätze sie für eine erfolgreiche unternehmerische Zukunft weiterverfolgen wollen. Aus diesem Grund sehen wir es als enorm wichtig an, Digitalisierung aktiv voranzutreiben." Peri geht hier mit gutem Beispiel voran: Mit einer neugegründeten Abteilung, dem Digital Transformation Office, werden die notwendigen Strukturen innerhalb des Unternehmens geschaffen, um Digitalisierung zu einem integralen Bestandteil des täglichen Arbeitens zu machen. „Alle Bereiche müssen hier an einem Strang ziehen – beispielsweise die Anwendungstechnik, die Logistik oder insbesondere natürlich die IT", so Sorko weiter. Besondere Vorteile liegen dabei in der Vernetzung der Daten – auf vielerlei Ebenen: „Die Zusammenarbeit von verschiedenen Niederlassungen und Ländergesellschaften kann noch viel einfacher und schneller werden; das Schalungs- und Gerüstmaterial kann besser ausgelastet werden, und die Produktion wird effizienter."

Paradigmenwechsel

Das größte Potenzial liegt für den Schalungs- und Gerüstprofi in der Optimierung der bestehenden Prozesslandschaft. Durch die Nutzung verfügbarer Technologien lassen sich so sämtliche Prozessschritte effizienter und wesentlich weniger fehleranfällig gestalten. Zum anderen biete die Digitalisierung enorme Möglichkeiten einer verbesserten Kundenorientierung. „Es reicht nicht mehr aus zu wissen, was der Kunde will. Wir müssen vielmehr verstehen, was der Kunde benötigt", fasst Sorko zusammen. „Digitale Geschäftsmodelle und zusätzliche Serviceleistungen können diesen Paradigmenwechsel ermöglichen. Der Kunde bekommt nicht nur das physische Produkt, sondern die Lösung seines Problems."

Chancen nutzen

„BIM als Konzept für eine optimierte Planung und Umsetzung von Bauprojekten – vernetzt, datenkonsistent und transparent – sehe ich als echte Chance für die Zukunft", erläutert Meva-Österreich-GF Erwin Platzer. „Über allem steht dabei die vernetzte Kommunikation aller Beteiligten – vom Architekten bis zum Bauunternehmer." Meva verfolgt dabei ganz klar das Ziel, seinen Platz in der „Digital Formwork Environment" neu zu definieren. Dabei soll nicht nur der interne Workflow optimiert werden, sondern es sollen Kunden auf der ganzen Welt nachhaltig unterstützt werden. „Bei der modell­orientierten Schalungsplanung haben wir deshalb nicht nur den Planungs-, sondern vor allem den Produktionsprozess im Auge." Die Schalungslogistik auf der Baustelle kann durch eine detaillierte Planung verständlich dargestellt, gesteuert und überwacht werden. Indem die nachfolgenden Arbeitsschritte berücksichtigt werden können, lassen sich Wegezeiten der Mitarbeiter und unnötige Transportzeiten für Schalung und Zubehör vermeiden – beides ist zeit- und kostenintensiv. Variantenuntersuchungen unterstützen zusätzlich die Ablauf- und Vorhaltemengenoptimierung.

Mehr als nur Tools

Doch die Digitalisierung im Bauwesen bedeutet für Meva viel mehr als das Einführen neuer Tools. „BIM ist vielmehr Teil eines Veränderungsprozesses und fordert eine neue Denkweise. Durch den ständigen Wandel und die neu gewonnenen Erkenntnisse müssen die Digitalisierungsstrategie sowie unser Content (die Meva-­Bi­bliothek der Schalungsobjekte) kontinuierlich angepasst werden, die so die Grundlage des Schalungsmodells bilden." Dafür arbeitet das Unternehmen mit Cloud-basierten Lösungen, um auf Änderungen in der sich ständig wandelnden BIM-Welt schnell, flexibel­ und flächendeckend reagieren zu können. „Damit nicht nur vor Ort alle am Planungsprozess Beteiligten jederzeit auf die aktuellen Daten zugreifen können, sondern weltweit", so Platzer.

Optimierte Abläufe

Als Hersteller von individuellen Sonderteilen im Bereich Schalung sieht Heigl-Bau in der Digitalisierung der Produktionsprozesse im eigenen Haus noch wenig Potenzial. „Hier ist vor allem das Handwerksgeschick unserer Zimmerer gefragt", erklärt Heigl-Bau-GF Herbert Heigl. Dafür sieht der Sonderschalungsprofi aber in den Bereichen BIM und Structural Health Monitoring, speziell im Einbringen von Sensorlösungen in die Baukörper, besonders viele Möglichkeiten. Hier sei der Mehrwert zweistufig – erstens kann man durch Messung gewisser Indikatoren im Beton die Ausschalzeit signifikant verkürzen, was ein hohes Kostensparpotenzial birgt, und in Stufe zwei können diese Sensoren die Daten liefern (Temperatur, Feuchtigkeit, Dehnungszustände, Positionsveränderungen), die nötig sind, um das Gebäude langfristig optimal zu überwachen. Besonders wichtig ist für Herbert Heigl eine optimale Schalungsplanung: „Wir kämpfen oft mit der Tatsache, dass Bauherren oder ausführende Baufirmen viel zu spät erkennen, dass ein Betonierabschnitt nicht mit Standardschalung ausgeführt werden kann – womit sich unsere Vorlaufs- und Herstellungszeit oftmals sehr ‚sportlich‘ gestaltet. Genau hier wäre ein Punkt, an dem ein konsequent integriertes BIM zu effizienteren Bauabläufen führen könnte."

Alles in allem sei die Digitalisierung am Bau das Zukunftsthema schlechthin, gerade bei der Schalung. „Optimale Logistiklösungen und das Nutzen der Schnittstellen zu Planung und Ablaufoptimierung werden die Punkte sein, die über Erfolg oder Misserfolg eines Schalungsanbieters entscheiden werden. Darüber hinaus haben gerade Schalungsanbieter die Möglichkeiten und Zugänge, am lukrativen Kuchen des langfristigen Struc­tural Health Monitoring mitzunaschen."

Autor/in:
Christina Mothwurf
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