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Petition an Bundesminister Bartenstein

09.02.2004

Die Bauwirtschaft fordert eine Ankurbelung des Hochbaus – und kritisiert: „Infrastruktur-Offensive auf Kosten des Hochbaus“.

Die Plattform „Chance Hochbau“ – eine gemeinsame Initiative von hagebau/Öbau und namhaften Vertretern der Baubranche – kritisiert das Ungleichgewicht bei den heimischen Bauinvestitionen. „Die Österreichische Bundesregierung unternimmt zu wenig, um den Hochbau als wesentlichen Konjunkturmotor anzukurbeln“, so Mag. Helmut-Dieter Kus, Initiator der „Chance Hochbau“ und Geschäftsführer von hagebau/Öbau. Neben hagebau/Öbau unterstützen folgende Unternehmen die Initiative „Chance Hochbau“: Ardex Baustoffe, Baumit Wopfinger, Ebenseer Betonwerke, Frühwald, Leube Baustoffe, Knauf, Internorm, Novoferm, Saint-Gobin Isover, Wienerberger und Velux.

Verlierer Hochbau
„Durch die im Generalverkehrsplan festgeschriebenen Projekte werden von der öffentlichen Hand in den kommenden Jahren Milliarden in den Bereich Infrastruktur, also in den Tiefbau, investiert. Eindeutiger Verlierer dieser Offensive ist der öffentliche Hochbau“, so Kus weiter. Im Jahr 2002 stieg der Produktionswert im Tiefbau gegenüber dem Vorjahr um 5,7%. Im Hochbau ging er hingegen um 10,6% zurück. Noch auffälliger ist das Missverhältnis im öffentlichen Sektor: Dort steht einem Investitions-Plus von 8,7% im Tiefbau ein Minus von 15,7% im Hochbau gegenüber.

Öffentlicher Hochbau als Chance
In einer Petition an Bundesminister Bartenstein heben die Mitglieder der Plattform die Bedeutung des öffentlichen Hochbaus als zentralen Motor der Volkswirtschaft hervor. Neben einer Förderung des Öffentlichen Wohnbaus sollte die Regierung auch Initiativen für den öffentlichen Nicht-Wohnbau ergreifen: Die Renovierung und Sanierung von öffentlichen Gebäuden wie Kinderbetreuungs-Einrichtungen, Universitäten, Ministerien, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Schulen stehen dabei im Zentrum.

Multiplikator-Effekt
„Hochbau-Investitionen dürften nicht ausschließlich als Budget-belastende Kosten betrachtet werden. Tatsächlich erzielt man durch den Bau und die Sanierung von öffentlichen Gebäuden einen hohen betriebswirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Nutzen“, betont Kus als Sprecher der Initiative „Chance Hochbau“. Für eine Hochbau-Initiative spricht auch der im Vergleich zum Tiefbau ungleich höhere Multiplikator-Effekt: Jeder in den Rohbau investierte Euro bewirkt eine Wertschöpfung von sechs bis acht Euro. Vor allem Klein- und Mittelbetriebe würden davon profitieren, so die Unterstützer der Plattform unisono. „Eine Mrd. Euro in den Hochbau investiert bringt der gesamten Wirtschaft in etwa 18.500 Beschäftigte“, so Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Mikulas Luptacik, Institut für Quantitative VWL, WU-Wien.
Die nachhaltige und umweltverträgliche Sanierung von Bundesgebäuden mit dem vorrangigen Ziel, den Energieverbrauch zu senken, ist ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zum Kyoto-Ziel für den Klimaschutz, zu dem sich die Bundesregierung mit Nachdruck bekennt. „Hier verbessern entsprechende Investitionen nicht nur die Schadstoffbilanz, sondern erhöhen auch die Wirtschaftlichkeit und schaffen neue Aufgabenfelder“, betont Kus.

Hochbau schafft neue Aufgabenfelder
Als Beispiel nennt Kus die erhöhten Anforderungen an die technische Gebäudeausrüstung. Um Heizungs-, Klima- und Lüftungssysteme, Beleuchtungssysteme usw. optimal zu steuern und zu regeln, ist eine moderne Leittechnik erforderlich. Ihre Implementierung ist wiederum mit Aufträgen für Unternehmen verbunden, die auf Informations-, Kommunikations- und Automatisierungstechnologien spezialisiert sind.
Ein weiterer Aspekt sind die besonders hohen Sicherheitsstandards in öffentlichen Gebäuden. Diese erfordern die Einbeziehung von Firmen, die sich auf den Schutz vor Bränden, Überfällen, Diebstählen usw. spezialisiert haben. Die steigenden Ansprüche an die Qualität der Gebäudegestaltung sowie an die Baukultur erweiterten die Aufgabenfelder für Architekten und Ingenieure im Planungsprozess.
Um die erforderlichen Mittel aufzubringen, regt die Initiative „Chance Hochbau“ alternative und innovative Finanzierungs- und Betreibermodelle unter Einbeziehung privater Investoren an. Die für den Bund günstigste Finanzierung sollte in jedem Einzelfall aus der Vielzahl von Public-Private-Partership-Varianten – etwa Leasing- oder Contracting-Modelle – ermittelt werden.

Petition der Plattform „Chance Hochbau“ an den Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit, Dr. Martin Bartenstein

Sehr geehrter Herr Bundesminister!

Die Plattform „Chance Hochbau“ registriert mit Sorge die Verlagerung von Bauinvestitionen der öffentlichen Hand in den Tiefbau. Dies spiegelt sich auch in den von der Statistik Austria veröffentlichten Daten wider: Im Jahr 2002 stieg der Produktionswert im Tiefbau gegenüber dem Vorjahr um 5,7%. Im Hochbau ging er hingegen um 10,6% zurück. Noch auffälliger ist das Missverhältnis im öffentlichen Sektor: Dort steht einem Investitions-Plus von 8,7% im Tiefbau ein Minus von 15,7% in Hochbau gegenüber.

Hochbau ist Motor der Volkswirtschaft
Die Plattform „Chance Hochbau“ verkennt nicht den Nachholbedarf beim Ausbau von Verkehrswegen sowie von Rohrleitungs- und Kabelnetzen. Das darf jedoch nicht zu Lasten des Bundeshochbaues als leistungsstarkem Motor der österreichischen Volkswirtschaft gehen.
Wir halten es für dringend geboten, dass Sie sich als ressortverantwortlicher Bundesminister für einen deutlich höheren Stellenwert des Hochbaues einsetzen. Dafür sprechen wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Ziele.

Hoher Multiplikator-Effekt
Jeder in den Rohbau investierte Euro bringt eine Wertschöpfung von sechs bis acht Euro. Das kommt hauptsächlich kleineren und mittleren Gewerbebetrieben zugute. Wenn sich deren Ertragslage bessert, können sie neue Mitarbeiter einstellen, mehr Lehrlinge ausbilden und in ihre technische Ausstattung investieren. Sie führen aber auch mehr Steuern ab.
Nur Unternehmen mit hoch qualifizierten Fachkräften und einem modernen Gerätepark sichern hohe Produkt- und Prozessqualität und damit langfristigen Nutzen.

Ressourcenschonung und Klimaschutz
Österreich bekennt sich zum Kyoto-Ziel. Ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz schließt auch die Reduktion des Energieverbrauches in öffentlichen Gebäuden ein. Notwendige Sanierungen sollten aus dem Blickwinkel des volkswirtschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Nutzens, aber auch aus gesellschaftspolitischer Verantwortung beschleunigt werden.

Innovative Finanzierungen
Die angespannte Budgetsituation darf höheren Investitionen in den Bundeshochbau nicht entgegen stehen. Die Plattform „Chance Hochbau“ regt an, alternative und innovative Finanzierungs- und Betreibermodelle unter Einbeziehung privater Investoren zu entwickeln. Die für den Bund günstigste Finanzierung sollte in jedem einzelnen Fall aus verschiedenen Public-Private-Parthership-Varianten ermittelt werden.

Vierfacher Nutzen
Eine Forcierung des Bundeshochbaues nützt dem Bund, der Wirtschaft, dem Bürger als Kunden und den eigenen Mitarbeitern. Hochbau bringt ökonomische und ökologische Vorteile. Und er ist als äußeres Zeichen einer modernen Verwaltung auch eine wichtige Imagekomponente für den Staat als Dienstleister.

Die Unterstützer der Petition:

ARDEX Baustoff GmbH (e.h. Anton REITHNER)
Hürmer Straße 40, 3382 Loosdorf

Baumit (e.h. Mag. Robert SCHMID)
Wopfing 156, 2754 Waldegg/Wopfing

Ebenseer Betonwerke GmbH (e.h. Dir. Karl GRIL)
Untersbergstr. 52, 5083 Gartenau

Frühwald GesmbH & Co KG (e.h. Ing. Manfred BULLA)
Römerweg 3, 8430 Tillmitsch

hagebau / Öbau Handelsgesellschaft für Baustoffe GmbH & Co.KG (e.h. Mag. Helmut-Dieter Kus)
Campus 21, Liebermannstraße A01, 2345 Brunn/ Gebrige

Leube Baustoffe GmbH (e.h. Dir. Karl GRIL)
5083 Gartenau bei Salzburg

Knauf Ges.m.b.H. (e.h. Otto ORDELT)
Knaufstraße 1, 8940 Weißenbach/Liezen

Internorm-Fenster GmbH & Co.KG (e.h. Mag. Christian KLINGER)
Ganglgutstraße 131, 4050 Traun

Novoferm GmbH (e.h. Dr. Fritz PESENDORFER)
Novofermstraße 15, 2230 Gänserndorf

Saint-Gobain Isover Austria AG (e.h. Dipl. OEC. Werner HANSMANN)
Prager Straße 77, A-2000 Stockerau

Wienerberger AG (e.h. Prok. Mag. Christian WEINHAPL)
Wienerbergstrasse 11, 1100 Wien

Velux Österreich GmbH (e.h. Mag. Peter KNOR)
Veluxstrasse 3, 2120 Wolkersdorf

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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