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Planen und Bauen mit der Kraft der Erde

21.03.2007

"Wohl fühlen“ ist das Stichwort, es impliziert gesunde Baustoffe ebenso wie den Trend zu mehr Gefühl beim Planen und Bauen. "Keine Zeit“ ist das andere Stichwort – das die Bauwirtschaft zur Genüge kennt. Die Bauzeiten müssen immer kürzer werden, die Vorgaben werden immer enger, der Spielraum für Bauschaffende immer geringer. Menschen sollen sich in ihrer gebauten Umwelt wohl fühlen.

Ein viel gebrauchter Slogan. Eine Rückbesinnung darauf, welche Bedürfnisse Menschen haben, erscheint in der heutigen, rasant dahingaloppierenden Zeit dringend angesagt. Nicht weltweit kursierende Trends sollten Grundrisse und Wohnraumgestaltungen bestimmen, sondern der individuelle Zuschnitt einer Planung auf die zukünftigen Nutzer. Im aktuellen bau.zeitung-Roundtable kommen höchst unterschiedliche Persönlichkeiten aus der Bauwirtschaft zu Wort. Zu Beginn herrschte große Skepsis gegenüber „Geomantie“ – am Ende der Diskussion wurde von den Teilnehmern über eine eventuelle Zusammenarbeit bereits laut nachgedacht. Aber lesen Sie selbst das konstruktive Ergebnis der Expertendiskussion.

Gerald Seinitz hörte in seiner Ausbildung nie etwas von Geomantie und Radiästhesie – einmal probierte er Wünschelrutengehen: „Das hat bei mir nicht funktioniert, nicht weil ich an diese grundsätzliche Fähigkeit nicht glaube, aber es hat einfach nicht geklappt.“ Christa Pusch ist Schülerin bei Christian Galko. Sebastian Unger ist Gesamtplaner, Geomantie fließt dabei ein. Michael Balak kennt das Thema nur aus dem privaten Bereich. Bruno Klausbruckner ist immer wieder mit Erkrankungen von Menschen in bestimmten Betten konfrontiert: „Wir befassen uns sehr intensiv mit dem Thema Wohlfühlen in Gebäuden. Dazu gehört auch der Komplex der geopathogenen Zonen. Wir verbessern die Situationen durch Nichtbenützen oder Verstellen der Betten. Wir versuchen, Störzonen auszugleichen.“
Christian Galko bietet Ausbildungen zu Radiästhesie und Geobiologie an: „Es ist für alle Bauschaffenden ein gutes Handwerkszeug. Bei den Begrifflichkeiten ist in den vergangenen Jahren ein sehr großes Durcheinander entstanden. Es gibt eine Fülle an Abschirmideen. Faktum ist, das Meiste funktioniert nicht, reduziert die geopathogenen Zonen nicht, das Einzige, was Sinn macht, ist die Suche nach störungsfreien Bereichen und danach die Planung auszurichten.“

Bereits in der Planungsphase

Bei Sol 5 ist der Bauherr vom ersten Planungsschritt an eingebunden: „Bei uns beginnt die Planung mit einer Grundstücksbegehung. Dann sprechen wir mit dem Bauherren über seine Vorlieben bis zum Sternzeichen. Die Bauherren wollen eine gesamtheitliche Planung, wir bauen ökologisch und geomantisch. Vom Bauherren selbst gibt’s höchst unterschiedliche Vorbildungen“, so Unger.
Pusch beschreibt eine niedrige Akzeptanz gegenüber Geomantie und Radiästhesie: „Ich habe Projekte erlebt, in denen die Menschen streitsüchtig, unzufrieden, einfach unglücklich waren – da muss man sich auf die Suche machen, woran es liegt. Für mich sind das wichtige Energien, die wir beim Planen, Bauen und eben auch Sanieren berücksichtigen müssen. Wir hatten zum Beispiel Probleme mit Wassereinbrüchen, ich bat Christian Galko um Unterstützung.“
Galko: „Es kommt häufig vor, dass sensible Zonen durch Adaptierungen noch mehr gestört wurden und die Bewohner unbewusst darunter leiden. Das Ergebnis ist dann zum Beispiel Unfrieden und Streit. Da bedarf es dann einer Lösung aus dem energetischen Bereich.“
Seinitz: „Klingt spannend, ich bin als Baumeister natürlich immer wieder mit ähnlichen Fragestellungen konfrontiert, habe jedoch in meiner Ausbildung nichts über Wasseradern oder Energieströme erfahren – sehr wohl etwas über den Umgang mit Wasser als Gefahr für Gebäude. Hier fehlt mir einiges an Wissen. Aber andererseits ist für mich auch sehr unklar, was was ist. Da werden sehr viele Begriffe durcheinandergewürfelt. Wie kann ich als Baumeister ein bisschen in die Materie hineinwachsen?“
Galko: „Es wird zurzeit europaweit versucht, Geomantie und Radiästhesie in einen Gleichklang zu bringen. Der Ansatz ist, dass wenn jemand bei einem Bauvorhaben den Aspekt der Geomantie mit berücksichtigen möchte, dass es einen so genannten Schimmel gibt, der das Minimum vorgibt, damit ich als Baumeister sagen kann, dieses Haus wurde nach geomantischen Gesichtspunkten gebaut. Damit kann sich auch der Kunde wie auch der Planer oder Ausführende sofort vorstellen, was das bedeutet.“

Gitternetze des AKH

Wenn eine Leistung nicht messbar ist, dann ist es auch mit der Akzeptanz schwierig. Dies bestätigt auch Balak: „Es gibt einsichtige Referenten und solche, die von vornherein alles in diese Richtung ablehnen. Bei einem Wohnbau habe ich erlebt, wie verschiedene Maßnahmen ergriffen wurden, aber eben die tatsächliche Ursache des immer wiederkehrenden Wassereintritts nicht bearbeitet wurde. Und da kommt es eben ganz auf den zuständigen Menschen an, der die Maßnahmen entscheidet. Wir werden gerufen, um den Ist-Zustand zu analysieren. Anhand von den Ergebnissen kann ich feststellen, was woher kommt, da kann ich natürlich auch ein bisschen die weiteren Randbedingungen erahnen, aber ich kann nicht rundherum graben oder mit einer Wünschelrute gehen, um festzustellen, wo das Wasser herkommt. Eine Zusammenarbeit mit Experten auf diesem Gebiet wäre für uns als Institut mit Sicherheit großartig.“
Stichwort Wiener AKH: Es gab bereits vor der Planungsphase Warnschreie von Paul Artmann, ein radiästhetisch arbeitender Architekt, der im Zweiten Weltkrieg zum Minenaufspüren mit den bloßen Händen beauftragt wurde. Trotz seiner Pläne, wo die geopathogenen Zonen ersichtlich waren, wurde gebaut. Es gibt Menschen, die meinen, die Genesungszeit ist am AKH viel länger als in vergleichbaren anderen Spitälern.
Klausbruckner: „Ich kenne die Untersuchungen von Artmann. Tatsache ist, dass es Menschen gibt, die diese alte Erfahrungswissenschaft bestätigen, aber auch solche, die die technische Sicht dominieren lassen. Das ist offensichtlich beim AKH passiert. Wir versuchen, die alte Erfahrungswissenschaft wieder mehr einzubeziehen, um dann nicht später mit Reparaturmaßnahmen befasst zu sein. Man bekennt sich viel zu stark nur zum Heilen, wir wollen aber mehr in Richtung Prävention gehen. Wohlfühlen in Gebäuden ist unser Thema, denn bei uns sind Menschen untergebracht, die ja nicht ausweichen können, das bedeutet, sie müssen sich in den Räumen bei uns wohl fühlen.“

Beweisbarkeit ist Knackpunkt

Pusch: „Die Schwierigkeit ist die Messbarkeit. Gefühle anzuerkennen, da haben viele Menschen Probleme damit. Das Argument, Sie werden sehen, Sie werden sich in dem Gebäude wohl fühlen, reicht vielen nicht aus.“
Seinitz: „Sicher nicht. Das Argument ist den meisten Bauherren zu wenig. Die wollen messbare Fakten.“
Unger: „Ich verkaufe meine Leistung ausschließlich mit diesem Argument.“
Klausbruckner: „Mischek verkauft doch auch auf der Schiene – mit einer Garantie, dass die Räume schadstofffrei sind und Wohlfühl-Argumenten.“
Unger: „Technisch kann ich argumentieren. Wir arbeiten aber intuitiv.“
Galko: „Die Messbarkeit ist ein Problem. Schadstoffe kann ich feststellen. Das Wohlfühlen kann ich indirekt über den Organismus messen, mit Biofeedback und -resonanztherapie u. a. Absolutmessungen in Gebäuden gibt es keine, außerhalb ja, weil da kann ich Wasseradern oder Energie­zonen feststellen. Mit Gitternetzlinien kann ich radiästhetisch aufzeigen, dass es in bestimmten Abständen regelmäßig vorkommende Energieformen gibt. Technisch gesehen ist es so, dass ich in der freien, unverbauten Natur z. B. Magnetfeldanomalien messen kann. Ja, das hat Artmann gemacht.“
Klausbruckner: „Eine Statistik über das Befinden von Menschen in bestimmten Gebäuden wäre natürlich auch möglich, es gibt solche retrospektive Beobachtungen von Krebspatienten, wo in fast allen Fällen nachgewiesen wurde, dass diese auf Störzonen lagen. Wobei man nicht sagen kann, dass jeder, der auf einer Störzone liegt, krank wird.“
Unger: „Es geht auch ums Bewusstsein. Ich kenne einen Kollegen, der den Klang eines Gebäudes messen kann. Da rutscht man wieder über Grenze, man ist immer bemüht, messbare Ergebnisse zu erreichen, andererseits gibt es feinstoffliche Ebenen die nicht messbar sind. Früher haben alle Baumeister feinstofflich gearbeitet. Jetzt plötzlich ist dieses alte Wissen nichts mehr Wert? Ich erfahre von vielen aus der Baubranche Ablehnung.“
Seinitz: „Ich bedaure dies sehr, denn diese Sensibilisierung wäre für uns Baumeister wichtig.“
Klausbruckner: „Es liegt aber auch an den Vorgaben der Bauherren. Wenn der Auftrag lautet, ihr müsst eine bestimmte Kubatur bauen, sonst erhaltet ihr keine Förderung und eine vorgegebene Anzahl an Menschen müssen hier untergebracht werden, dann kommen wir zur Käfighaltung von Menschen. Das ist ein Aufruf an die Politik, nicht mit starren Vorgaben und mit Kennzahlen zu arbeiten, sondern Platz schaffen, damit Wohlfühl-Gebäude entstehen.“
Pusch: „Ich erlebe das ähnlich. Wir von der Bauwirtschaft haben heute jede Menge an Hilfsmitteln. Aber eines fehlt uns: die Zeit. Zeit, uns auf die künftigen Nutzer einzustellen, Zeit für Gefühl, für Gespräch.“
Seinitz: „Der Zeitdruck am Bau ist gewaltig. Dann entstehen Null-acht-15-Planungen, die in vielen Fällen an den persönlichen Bedürfnissen der Familien vorbeigehen. Definiert werden Wohnräume über den gesellschaftlichen Aspekt der anderen. Also der anderen Familien, wie ,man halt heute wohnt. Das Persönliche geht verloren.“
Balak: „Ein Drittel der Ursachen für Baumängel liegen laut unserem Bauschadensbericht in der Planung. Für die Planung gibt es kein Geld, genauso wie für Geomantie. Geomantie hat eine Berechtigung. Der Kostenaufwand liegt ja offensichtlich in einem Rahmen, dass ich nur die Empfehlung abgeben kann, eine geomantische Untersuchung heranzuziehen. Ich kann mir auch vorstellen, dass wir vom Bauschadensforschungsinstitut bei Projekten die Zusammenarbeit mit den feinstofflich arbeitenden Experten forcieren.“

Gisela Gary

Artikel aus: bau.zeitung 11/07, S. 8ff

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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