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Planradar: Start-up auf Wachstumskurs

10.11.2020

Planradar-Gründer Domagoj Dolinsek spricht im Interview über Corona als Wachstums­motor, aufkommende Konkurrenz am Markt und die künftigen Pläne des Start-ups. 

"Für Planradar ist die Corona-Pandemie definitiv ein Wachstumsmotor. Vor allem während der Zeit des Lockdowns haben viele die Notwendigkeit unseres Tools noch stärker erkannt", sagt Domagoj Dolinsek.
Planradar

Planradar ist eine plattform- und geräteunabhängige, webbasierte SaaS-­Lösung für Dokumentation und Kommunikation in Bau- und Immobilienprojekten und wird etwa für Baudokumentation, Mängel- und Aufgabenmanagement, ­Zer­tifizierungen, Wartungen, Übergaben etc. eingesetzt. Über eine Webapplikation und mittels App wird auf Basis eines digitalen Grundrisses oder Architektenplans die Erfassung, Dokumentation, Kommunikation und Nachverfolgung jeder Art von Information ermöglicht.

Im Jahr 2013 als Start-up gegründet, hat Planradar – eine App für Baudokumentation, Aufgaben- und Mängelmanagement – den steilen Aufstieg am Markt geschafft. Zu Beginn diesen Jahres wurde der Erfolgsgeschichte mit einem 30 Millionen schweren Invest­ment der US-amerikanischen Investoren Insight Partners und Eventures das i-Tüpfelchen verliehen. Im Interview mit der Bauzeitung spricht Co-Founder Domagoj Dolinsek über die Digitalisierungsaffinität der heimischen Baubranche sowie über die Herausforderungen des rapiden Wachstums für ein Start-up und erklärt, warum die Corona-Krise aus wirtschaftlicher Sicht für Planradar gar keine ist.

Apps für die digitale Baudokumentation gibt es derzeit wie Sand am Meer. Trotzdem konnte Planradar in den letzten acht Jahren eine ­enorme Erfolgsgeschichte verzeichnen. Was ist das Erfolgsrezept?
Domagoj Dolinsek: Die Stärke unserer App ist, dass wir ein robust funktionierendes System haben, das für alle Plattformen verfügbar ist und die vollständige Kommunikation zwischen allen Parteien abdeckt. Die App umgeht die fragmentierte Kommunikation, wie sie in der Bau- und Immobilienbranche noch oft der Status quo ist. Als wir 2013 das Unternehmen gegründet haben, waren wir außerdem Pioniere auf dem Gebiet der digitalen Baudokumentation – insofern haben wir um Jahre Erfahrungsvorsprung vor anderen Lösungen, die auf den Markt kommen. 

Zudem beschränkt sich Ihre Zielgruppe nicht nur auf die Bau- und Immobilienbranche.
Dolinsek: Das stimmt. Planradar richtet sich auch an Kunden beispielsweise im Anlagenbau oder im ­Retailbereich. Man muss bedenken, dass in jeder Branche, sei es aus gesetzlichen oder organisatorischen Gründen, die Notwendigkeit besteht, ausgeführte Leistungen zu dokumentieren und zu kommunizieren. Ein ­Projekt kann nur gewinnen, wenn eine klare, saubere Dokumentation stattfindet und entsprechend kommuniziert wird mit allen Beteiligten, sowohl in der Planung als auch im Bau und im Betrieb. Unsere App erleichtert genau dies, und zwar für jede ­Industrie. In ­unserem Kundenportfolio befinden sich deshalb auch Firmen wie die Rewe oder die Siemens AG, aber auch die Porr. 

Das sind allerdings alles sehr große Player. Macht Planradar auch für KMUs Sinn?
Dolinsek: Ja, denn zum einen zielt Planradar auf hohe Individualität ab. Ähnlich einem Baukastensystem kann sich jeder Unternehmer die Applikation jeweils so gestalten, zusammenbauen und die Hierarchien erstellen, wie er es eben benötigt. Zum anderen ist auch unsere Preislinie so gestaltet, dass es sich sogar für einen Einzelunternehmer rentiert. Sachverständiger sind hier ganz beispielhaft: Die Dokumentation wird von solchen oft noch mittels Word oder Excel-Listen durchgeführt. Die Nacharbeitungszeit, um einen Bericht etc. zu erstellen, ist dann oft enorm hoch. Mit Planradar funktioniert dies de facto automatisch auf Knopfdruck. Erst unlängst haben wir eine Umfrage unter Kunden durchgeführt, die ergab, dass ein Bauleiter, der Planradar nutzt, sich bis zu sieben Stunden in der Woche an Nacharbeitungszeit sparen kann. 

Und trotzdem steht die Baubranche der Digi­ta­lisierung noch immer skeptisch gegenüber.
Dolinsek: Aber hier hat sich in den letzten ­Jahren sehr viel getan. Man muss sich nur vor Augen ­führen was heute digitalisierungstechnisch bereits am Markt ist: BIM, Sensorik usw. Auch das Mindset der Menschen, der Mitarbeiter, hat sich gewandelt, und die Akzeptanz gegenüber Cloud-Lösungen, aber auch gegenüber der Anwendung mobiler Endgeräte ist deutlich gestiegen. Vielleicht ist die Baubranche digitalisierungstechnisch noch nicht ganz so weit wie manch andere Branchen, aber ich bin davon überzeugt, dass sie ist auf einem guten Weg ist. 

Erst kürzlich haben Sie auch ein neues Update ­Ihrer Software gelauncht, mit dem Anwender Standardberichte, die auf Baustellen vorgeschrieben sind, sehr schnell digital erstellen können. Wie kam das bei den Kunden an?
Dolinsek: Wir haben darauf sehr gutes Feedback erhalten. Unser Bestreben ist es, die Dinge für unsere Kunden stetig zu vereinfachen und individueller zu machen, insofern arbeiten wir in einem ständigen Verbesserungsprozess. Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass sich auch die Softwarewelt und die technischen Möglichkeiten stetig ändern. Unser Ziel ist es dabei, stets neuen Trends zu folgen und das aus unserer Sicht Beste unseren Kunden zur Verfügung zu stellen.

Geändert hat sich auch in den vergangenen ­Monate einiges. Wir befinden uns derzeit in einer Pandemie inklusive Wirtschaftskrise. Planradar scheint dies jedoch nicht geschadet zu haben. Im Gegenteil, Sie konnten ein sehr erfolgreiches ­erstes Halbjahr 2020 verzeichnen.
Dolinsek: Für das Unternehmen ist die Corona-­Pandemie definitiv ein Wachstumsmotor. Vor allem während der Zeit des Lockdowns haben viele die Notwendigkeit unseres Tools noch stärker erkannt. Ich glaube aber auch, dass während dieser Zeit der großen Unsicherheit auch das digitale Arbeiten generell stärker in den Fokus der Menschen gerückt ist und die Akzeptanz noch einmal größer ­geworden ist. Auch weil die Leute gesehen haben, wie gut es funktionieren kann, beispielsweise eine Baustelle von der Ferne aus abzuwickeln. Man sieht das immer wieder in Krisen: Wenn der Leidensdruck groß genug ist, dann verändern sich die Menschen eben.

Außerdem konnte sich Planradar in diesem Jahr eine Wachstumsfinanzierung von 30 Millionen Euro sichern. Wie werden Sie dieses Geld ein­setzen?
Dolinsek: Es gibt hier von unserer Seite zwei ­zentrale Augenmerke. Einerseits soll das Investment natürlich für den Verkauf, das Marketing, eingesetzt werden, andererseits aber auch produktseitig für die stetige Verbesserung des Tools. Zudem treiben wir derzeit die geografische Expansion stark voran. Nach London und Kroatien haben wir in diesem Jahr auch Niederlassungen in Schweden, Russland, Polen und Frankreich gegründet. 

Welche Herausforderungen bringt das starke und vor allem schnelle Wachstum mit sich? Besteht hier nicht die Gefahr, dass die Dynamik eines Start-ups verlorengeht?
Dolinsek: Nein, das Problem sehe ich nicht. ­Natürlich gibt es Herausforderungen, was die Standortgründung und Personalfindung betrifft – ­speziell jetzt in Zeiten einer Pandemie. Gleichzeitig sehe ich es aber auch als Chance, weil wir dadurch gelernt haben, Dinge von der Ferne aus zu steuern und die Initiativen anders zu setzen. Vielleicht passiert dadurch manches etwas langsamer, aber wir wissen, was wir wollen und wie wir es realisieren können. Grundsätzlich wird dabei alles zentral aus Wien gesteuert und lokal eben jeweils vor Ort umgesetzt. Wir stehen ­dabei natürlich in sehr engem Austausch mit ­unseren Mitarbeitern und passen alle Gegebenheiten ständig an, je nachdem natürlich, wie es der Kunde vor Ort braucht. 

Wird die Expansion in näherer Zukunft weiter­gehen? 
Dolinsek: Momentan konzentrieren wir uns vordergründig auf den europäischen Markt. Nieder­lassungen in Spanien, Rumänien, Italien und den Niederlanden werden in näherer Zukunft noch hinzukommen, weil das ­natürlich auch noch sehr wichtige Märkte sind. Und natürlich wird es künftig auch noch in Richtung USA gehen. Man darf nicht vergessen, dass die ­Märkte sehr dynamisch sind, speziell in solchen Krisen. Insofern müssen wir natürlich schauen, wo die Reise weiter hinführen wird. Aber USA sind sicher ein möglicher weiterer Schritt außerhalb Europas.

Autor/in:
Theresa Kopper
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