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Planung & Bau

09.11.2004

Energiecontracting hat sich in Österreich als ehemaliger Teilleistungsbereich des Facility
Managements als eigene Dienstleistung im Planungsbereich etabliert.

„Wenn alle Projekte so verlaufen würden, wie die Planung der vier Passivwohnhäuser in Wien – das wäre großartig“, lacht Werner Schatz, Geschäftsführer von Ökoplan. Warum? Ökoplan hat sich als Energiecontracting-Dienstleister in Österreich etabliert – ist jedoch vorwiegend in der Sanierung tätig. Frühzeitige, ökologische Energieplanungen können jedoch so manches Sanierungsvorhaben in späteren Jahren verhindern und sind für das Planungsbüro letztendes von der Aufgabe her um vieles spannender.
Ökoplan wurde bei der Passivhauswohnanlage im 21. Bezirk in Wien für die komplette Planung der Haustechnik beauftragt. Interessant ist dabei der Ablauf der Vergabe: Der Bauherr, die BAI, suchte zuerst den Haustechnik-Planer – dann erst erfolgte der Bauträgerwettbewerb. Den Zuschlag erhielten die Architekten Dietrich/Untertrifaller. Das als Holzbau konzipierte Gebäude erhält nun aus Brandschutzgründen eine Putzfassade.
Die Passivhausbauweise der Wohnanlage zwingt zu einem gesamtheitlichen Energiekonzept, welches ständig mit den Architekten abgestimmt werden muss. Dabei geht es um mögliche Raumhöhen ebenso wie um die spätere Ausführung der Böden. Baubeginn ist für März 2005 geplant, im April 2006 soll der Wohnbau bereits fertig gestellt sein.
Das Energiekonzept sieht zentrale, mechanische Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung vor, ebenso einen Erdwärmetauscher zur Vorwärmung und Vorkühlung der Frischluft. „Die Arbeit als Haustechnikplaner ist für uns sehr spannend, alle Beteiligten kooperieren von Anbeginn, es findet ein aktiver, kreativer, ständiger Austausch statt, höchst professionell“, so Schatz begeistert.
Wie läuft die Planungs- und Entwurfphase ab – die Architekten planen, ein ständiges Nachjustieren ist notwendig? „Ja, z. B. bei der Wohnraumlüftung, wir planen mit geringstem Heizwärmebedarf – 800 bis 1000 Watt pro Wohnung. Passivhäuser haben eine sehr dichte Hülle. Deshalb benötige ich eine kontrollierte Wohnraumlüftung – aus den Nasszellen muss die feuchte Luft abgesaugt werden. Doch jede Lüftungsanlage braucht Platz – das ist dann immer eine Herausforderung für Planer, wie bringe ich eine ,unattraktive‘ Lüftungsanlage unter.“
Das Hauptgeschäft von Ökoplan ist Contracting. Schatz: „In Wien machen wir viele kleine Projekte – wie zum Beispiel Volksschulen, wo wir mit einem Energieeinspar-Contracting beauftragt werden. Verbesserung der Heizung und/oder der Beleuchtung sind dabei die Schwerpunkte. Eines unserer größten Projekte war die Sanierung der Schulbrüder Strebersdorf. Hier wurden zirka eine Million Euro investiert. Technische Maßnahmen wurden neben zahlreichen Sanierungsmaßnahmen gesetzt.“ Zwei große Poolprojekte für die Bundesimmobiliengesellschaft, (Schulen, Finanzämter, Gerichte), laufen über bis zu zehn Jahre, sind ein weiteres Standbein.

Starke Zukunft für Energiecontracting
Energiecontracting kann mit unterschiedlichen Laufzeiten vereinbart werden, je nachdem, wie der Kunde es will. „Zehn Jahre ist eine gute Zeit, überschaubar, auch für Kunden. Im gewerblichen Bereich laufen die Verträge meist eher kürzer“, erklärt Schatz. Wie stark ist die Diskrepanz zwischen dem, was Sie vorschlagen und was der Kunde dann akzeptiert? „Wir sind Dienstleister und ich habe rasch zu erfassen, was der Kunde will. Die meisten Contracting-Kunden beauftragen nicht in erster Linie Energieeinsparungen, sondern weil sie den Bedarf haben, etwas zu verändern – wenn z. B. ein Heizkessel in der Schule ständig ausfällt. Contracting ist eben ein sinnvolles Werkzeug, um einen Erneuerungsbedarf zu befriedigen.“
Der Kunde will einen Dienstleister, der für ihn alles abwickelt – von der Planung bis zur Bauaufsicht, Finanzierung, bis zur fertigen Sanierung. Großes Einsparungspotenzial sieht Schatz im Straßenbeleuchtungsbereich, Reduktionen bis zu 40 Prozent sind hier realistisch. „Straßenbeleuchtungskonzepte machen Bürgermeister gern, denn da hat die Gemeinde ein plakatives Ergebnis. Einerseits schöne neue Leuchten, die sie der Gemeinde gut verkaufen können, andererseits eben massive Einsparungen. Die Republik-Österreich-Projekte laufen anders – da geht es um die Erreichung der Kyoto-Ziele.“
Das Hauptcredo von Ökoplan sind zufriedene Kunden: „Vertrauen, aus dem gute Arbeit entsteht, ständiger Kontakt und Austausch.“ Werden in Zukunft Contracter immer stärker von Anfang an bei Projekten dabei sein? „Ja, sicherlich. Im Contracting-Bereich weiß ich bei der Beauftragung allerdings häufig noch nicht genau, was daraus wird.“ Bei der Sanierung der Volksschule Haslau, die ihr 100-jähriges Jubiläum feierte, wurde ganzheitlich saniert: Neue Nasszellen im Keller und eine neue Fassade, „Das war ein inhaltlich sehr interessantes Projekt, Wir wollen in diese Richtun stärker gehen, vom reinen Energiesparen weg, hin zum frühzeitigen Planen.“ Solche Projekte, wie die Passivwohnbauanlage in Wien, sind der Idealfall.
Kommt es auch vor, dass Sie dem Auftraggeber sagen müssen, die Sanierung dieses Projekts zahlt sich nicht aus? „Ja, das kommt vor, z. B. beim Europapark Auerstal, dort gab es ein für die damalige Zeit typisches Hallenbad, sehr defizitär, die Gemeinde sanierte das Bad in den 80er-Jahren. Doch jetzt gibt es wieder Probleme. Der Gemeinde rieten wir von der Sanierung ab, da die Kosten dafür in keinem Verhältnis zur viel zu geringen Auslastung stehen. Diese wäre auch durch die Sanierung nicht gestiegen, dazu hätte das Bad insgesamt attraktiviert werden müssen. Unser Credo ist Kundenzufriedenheit – auch in so einem Fall.“
Gisela Gary

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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