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Porträt

20.01.2005

Efthymios Warlamis ist einer der letzten Vertreter der „Wiener Schule“. Am 27. Jänner 2005 eröffnet er seine neueste Ausstellung „Mysterien – Wandlungen“ im Wiener Museumsquartier.

Efthymios Warlamis ist Architekt, Maler, Bildhauer, Designer, Schriftsteller und Pädagoge. Seit über vierzig Jahren lebt, lehrt und arbeitet der Universalkünstler in Österreich. Sein Architekturstudium absolvierte er an der Universität für Angewandte Kunst in Wien, an der er von 1974 bis 1981 in der Abteilung für Architektur auch unterrichtete. Sein umfassendes Oeuvre beinhaltet neben gebauter Architektur auch zahlreiche theoretische Abhandlungen, experimentelle Forschungsprojekte und ein umfassendes Bildwerk. Als seine Vorbilder nennt er österreichische Architekturgrößen wie Josef Hoffmann, Friedrich Kiesler oder Karl Schwanzer, mit dem er eng zusammenarbeitete, unter anderem bei der Innengestaltung des BMW-Verwaltungsgebäudes in München.
Als Architekt und Künstler sieht er sich der Tradition der Wiener Schule verpflichtet und tritt damit die Nachfolge der österreichischen Architekten der Wiener Moderne, wie Josef Hoffmann, Kolomann Moser oder Otto Wagner an. Die zeitgenössische österreichische Architektur sieht er vor dem Hintergrund der Globalisierung in einem internationalen Wettstreit um die ausgefallensten Ideen, die wildesten Formen und die abenteuerlichsten Konstruktionen und spart nicht mit Kritik: „Die momentane Entwicklung der österreichischen Architektur ist für mich eine schmerzvolle Erfahrung. Ich habe das Gefühl, dass die zeitgenössischen Architekten in diesem Land ihre eigene Tradition verleugnen und lieber auf die ,exotischen´ Formen der so genannten modernen oder Gegenwartsarchitektur zurückgreifen. So muss also ein Grieche die österreichische Bautradition hoch halten und verteidigen.“
Die Qualität von Architektur sieht Warlamis in der Originalität bzw. der Unverwechselbarkeit, die aus dem historischen und gesellschaftlichen Bezug zur Umgebung entsteht. Architektur als komplexe Materie kann vor diesem Hintergrund nicht losgelöst von Geschichte und Gesellschaft betrachtet werden. In seiner Tätigkeit als Lehrer und Mentor verlangt Warlamis von seinen Studenten das Studium und die kritische Auseinandersetzung mit historischer Architektur. Er vertritt dabei die Position, vor allem beim Bauen in gewachsenen, städtebaulichen Strukturen und im historischen Bestand neue Formen und Anpassungsmodalitäten zu finden, die nicht eine Kopie des traditionelle Formenrepertoires darstellen. Formen sollen laut Warlamis vielmehr aus der Tradition heraus entwickelt werden und sich an den örtlichen Gegebenheiten, der Gesellschaft und der Kultur orientieren. In diesem Zusammenhang spricht er von einer neuen Ethik, die nicht den Architekten, seine Maxime und sein Werk in den Mittelpunkt künstlerischen Schaffens stellt, sondern nach Bescheidenheit gegenüber dem Wunder der Natur und der Schöpfung trachtet. Er sucht dabei in erster Linie nach dauerhaften Werten und Ausdrucksformen und unterscheidet zwischen einer schnelllebigen Formensprache und Formen, die Bestand haben und das Potential beinhalten Generationen zu überdauern.
In diesem Sinne ist auch die von Warlamis erdachte New-Age-Philosophie zu verstehen, die im Bereich Planen und Bauen nicht ausschließlich an den Intellekt sondern darüber hinaus auch an die Gefühlsebene appelliert. „Für die Architektur ist jetzt die Zeit gekommen, sich mit neuen Werten zu beschäftigen. Bislang hatten die Menschen mit Hardwareproblemen zu kämpfen, wie Ideologisierungen, Kriegen, gesellschaftlichen Umbrüchen oder der Industrialisierung. Jetzt stabilisiert sich das Leben und damit ist die Zeit gekommen, sich auf andere Dinge zu konzentrieren und nach einer ganzheitlichen Form in der Architektur zu suchen, die sowohl dem Intellekt als auch der Gefühlsebene Rechnung trägt“, erklärt Warlamis seine Philosophie über das Zusammenspiel von Mensch, Natur und Architektur. Die evangelische „Kirche der frohen Botschaft“ in Waidhofen an der Thaya ist das jüngste Projekt des Architekten und gleichzeitig auch ein Manifest für die neue Ethik des Bauens. Für die Planung nahm sich Warlamis knapp vier Jahre Zeit, in der er sich allem voran mit den Menschen als spätere Nutzer, der Sakralisierung eines Gebäudes und den religiösen Aspekten des Bauens auseinandersetzte.
Das Ergebnis ist ein Kirchenbau, der einen neuen Weg in der sakralen Architektur beschreitet, bei der der Architekt seine Arbeit in den Dienst der Gottessuche stellt. „Es ging mir bei der Planung der evangelischen Kirche nicht darum das Künstlerische in den Vordergrund zu stellen oder meine künstlerische Vision zu zeigen. Wesentlich war einen Weg zwischen dem Materiellen und dem Spirituellen zu finden“, erklärt Warlamis das Konzept des Gebäudes.
Besondere Beachtung schenkt Warlamis der Annäherung an die Welt der Kinder, um ihre persönlichen kreativen Fähigkeiten freizusetzen und zu sichern. So meint er im Bezug auf das Planen für Kinder: „Die schönste Architektur bedeutet nichts, wenn sie das Leben nicht achtet und wenn sie nicht dafür Sorge trägt, dass ein Kind in einer wohlgeformten Umgebung aufwächst. Räume für Kinder dürfen nicht stilistisch bis zu Ende gedacht sein, man muss sie auch atmen und wachsen lassen“. Warlamis gilt auch als der Begründer der Idee der „Kinderstadt“, die eine autonome kindergerechte Spiel- und Erlebnislandschaft darstellt und in zahlreichen Städten auch tatsächlich verwirklicht wurde, wie zum Beispiel das Children’s Museum in Athen (1988), die Wolkenspiegel Kinderstadt in Schloss Ottenstein (1989/90), die Kinderstadt Hietzing in Wien (1986-1990) oder der Kunstraum für Kinder in Athen (1985).
Nicht weniger umfangreich als sein architektonisches Schaffen ist auch Warlamis künstlerisches Gesamtwerk. Seine malerischen und grafischen Werke sind weltweit in den wichtigsten Sammlungen und Museen vertreten. Sein größter Bilderzyklus ist das 1.700 Einzelwerke umfassende Projekt „Alexander 2000 – The Spirit of Tolerance“, an dem er bereits seit zehn Jahren arbeitet und das nach seiner endgültigen Fertigstellung insgesamt 2.000 Werke umfassen wird.
Sein aktuellstes Projekt trägt den Titel „poetische Architektur“. Mit diesem Werk schließt sich der Kreis von Kunst und Architektur, der den gesamten Schaffensweg des Architekten begleitet. Der Bilderzyklus zeigt die Erweiterung der Architektur um die Dimension Poesie mit den Mitteln der Kunst und der Natur. Ein erster Auszug war im Rahmen einer Ausstellung im vergangenen Oktober bei der Eröffnung der Geschäftstelle der Bundesinnung Bau zu sehen. Nach Fertigstellung wird der Bilderzyklus in Buchform veröffentlicht. Im Vorwort zum Buch fordert Warlamis den Leser auf, das Buch zu verbrennen, da er die darin enthaltenen Ideen nicht als Manifest oder Doktrin des Bauens verstanden haben will.
Am 27. Jänner eröffnet Warlamis neueste Ausstellung „I Believe. Mysterien – Wandlungen“ im Wiener Museumsquartier. Sie bietet die Gelegenheit, sich ein Bild vom umfangreichen Oeuvre des Architekten und Künstlers zu machen.
Tom Cervinka

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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