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Positive Grundstimmung für den Bau

12.04.2005

Die aktuellen Ergebnisse der Konjunkturbeobachtung der KMU Forschung Austria für das I. Quartal 2005 zeigen eine anhaltend positive Entwicklung im österreichischen Gewerbe und Handwerk. Georg Toifl, Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk, betont die geballte Wirtschaftskraft, welche in der von ihm vertretenen Sparte vor allem durch Klein- und Mittelunternehmen entsteht: „Wir müssen unser Augenmerk auf KMU legen, nicht wie Veit Sorger kürzlich anregte auf Großbetriebe. 80 Prozent der Ertragsteuer kommen von KMU – diese sorgen seit über 20 Jahren kontinuierlich für Arbeitsplätze. Deshalb müssen wir diese Unternehmer noch viel stärker fördern – sie haben ein Recht darauf, gehört und dementsprechend betreut zu werden.“ Der Konjunkturbericht der KMU Forschung Austria erarbeitete seine Zahlen aufgrund von Ergebnissen der Erhebung im I. Quartal 2005 auf Basis der Meldungen von 3512 österreichischen Gewerbe- und Handwerksbetrieben mit 51.375 Beschäftigten.
Dem Bericht nach wird die Geschäftslage besser beurteilt als im I. Quartal 2004 und die Beschäftigtenzahl (Durchschnitt Jänner) ist um 1,2 Prozent höher als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der Trend aus den letzten Quartalen wird damit bestätigt. In den investitionsgüternahen Branchen ist der durchschnittliche Auftragsbestand im Vergleich zum I. Quartal 2004 um 3,7 Prozent gestiegen. Ausschlaggebend dafür war die positive Entwicklung der privaten Nachfrage (plus sieben Prozent), während Impulse seitens der öffentlichen Hand nach wie vor ausblieben (minus 15,5 Prozent).
„2004 erwirtschafteten die ca. 65.000 Unternehmen einen Gesamtumsatz von 46,2 Milliarden Euro. Aufgrund der anhaltend starken Preiskonkurrenz wurden die Kostensteigerungen nicht zur Gänze an die Kunden weiterverrechnet. Es ist daher von einer Verschlechterung der ohnehin bescheidenen Ertragskraft und verschärftem Eigenkapitalmangel auszugehen, auch wenn die Firmen selbst anderer Ansicht sind. „Nur“ 18 Prozent der Unternehmer sagen, sie hätten zu wenig Eigenkapital. Das ist ein Rückgang von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Anzahl der Beschäftigten ist um 1,3 Prozent gestiegen. Im Jahresdurchschnitt hatten rund 589.000 Menschen ihren Arbeitsplatz in einem Gewerbe- bzw. Handwerksbetrieb“, erläutert Walter Bornett, KMU Forschung Austria, seine Ergebnisse.

Öffentliches Auftragsminus
Bornett bestätigt Toifl in seiner Aussage, KMU müssen stärker gefördert werden: „Seit 1995 haben Klein- und Mittelunternehmen ein Plus von acht Prozent an Arbeitsplätzen geschaffen. Arbeitsplätze für Menschen, die auch von Großbetrieben entlassen wurden. 2004 erweist sich im Rückblick als relativ gutes Jahr – dies untermauert auch die beachtliche Zahl an Investitionen in der Höhe von 2,7 Millionen Euro.“ Für das II. Quartal 2005 sind die Unternehmer zuversichtlich. Der Anteil der Optimisten ist im Vergleich zum Vorjahr konstant geblieben, jener der Pessimisten zurückgegangen. Daraus sollten sich auch positive Effekte auf die Beschäftigungssituation ergeben. Für das I. Quartal 2005 melden 16 Prozent der Betriebe (Vorjahr: 13 Prozent) einen guten und 61 Prozent (Vorjahr: 58 Prozent) einen saisonüblichen Geschäftsverlauf. Demgegenüber ist der Anteil der Unternehmen mit einer schlechten Geschäftslage von 29 Prozent auf 23 Prozent zurückgegangen. Per Saldo ist damit das Stimmungsbarometer um acht Prozentpunkte gestiegen und die Verbesserung hält nun bereits seit dem dritten Quartal 2003 an.
Die Beurteilung der Geschäftslage hat sich in den meisten Branchen und in allen Bundesländern verbessert. Über eine Verschlechterung der Situation klagen lediglich die baunahen Branchen und der Sektor „Textil/Bekleidung“. In den investitionsgüternahen Gewerbe- und Handwerksbranchen lag der durchschnittliche Auftragsbestand im I. Quartal 2005 mit 11,1 Wochen um 3,7 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Zur Verbesserung der Auslastung trug ausschließlich die private/gewerbliche Nachfrage bei (plus sieben Prozent), die öffentlichen Aufträge gingen im Österreich-Durchschnitt hingegen deutlich zurück (minus 15,5 Prozent). Das Land Salzburg musste sogar eine Halbierung der öffentlichen Investitionen hinnehmen.
Eine im Vergleich zum I. Quartal des Vorjahres überdurchschnittliche Steigerung des Auftragsbestandes meldeten die Sanitär- und Heizungsinstallateure, Maler, Tischler und Dachdecker. Bei den Elektrotechnikern und im Baugewerbe hat sich die Situation geringfügig verbessert. Bei den Zimmermeistern, Kunststoffverarbeitern bzw. Spenglern ist der Auftragsbestand am stärksten gesunken.
Vom Gesamtauftragsbestand der investitionsgüternahen Gewerbe- und Handwerksbranchen entfielen im I. Quartal 2005 im Durchschnitt rund 12 Prozent auf öffentliche Aufträge. Gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres entspricht das einem Minus von 15,5 Prozent, das aus dem Rückgang der öffentlichen Aufträge in den Sektoren „Metall/Elektro“ (minus 21 Prozent) und „Chemie/ Kunststoff“ (minus 66 Prozent) resultiert.

Problem Eigenkapital
Für das II. Quartal 2005 sind die Unternehmer zuversichtlich und die Erwartungen sind auch besser als im Vorjahr. In den investitionsgüternahen Gewerbe- und Handwerksbranchen erwarten 23 Prozent der Betriebe (Vorjahr: ebenfalls 23 Prozent) eine positive Entwicklung im II. Quartal. 68 Prozent (Vorjahr: 65 Prozent) rechnen mit gleichbleibenden Auftragseingängen; zehn Prozent (Vorjahr: 12 Prozent) befürchten Rückgänge. 78 Prozent der Gewerbe- und Handwerksbetriebe werden den Beschäftigtenstand in den kommenden Monaten halten. 16 Prozent der Betriebe beabsichtigen, Personal einzustellen, sechs Prozent befürchten, den Beschäftigtenstand reduzieren zu müssen. Die insgesamt geplante Erhöhung des Personalstands im Zeitraum April bis Juni 2005 (3,7 Prozent) liegt allerdings unter jener des Vorjahres (5,9 Prozent).
In puncto Konkurrenzdruck ist die Lage für so gut wie alle Branchen gleich – der Preiskampf macht sich in allen Sparten breit. Viel gravierender sieht Bornett jedoch die Eigenkapitalsituation der Klein- und Mittelunternehmer: „Die Ertragslage im Gewerbe und Handwerk ist Besorgnis erregend. 47 Prozent der Betriebe arbeiten mit Verlust und 40 Prozent ohne Eigenkapital. Besonders schlecht ist in diesem Zusammenhang die Situation der Kleinbetriebe. Die katastrophale Ertragskraft und fehlendes Eigenkapital sind nicht nur im Hinblick auf die gesamtwirtschaftliche Stabilität äußerst kritisch, sondern auch in Bezug auf Basel II.“ Maßnahmen, welche die Ertragskraft wie auch die Eigenkapitalquote erhöhen, sind notwendig. Basel II berechtigt Banken zu einem Ranking von Unternehmen, wodurch die Kreditkonditionen stark mit der Bonität der Unternehmer verbunden ist.

Tom Cervinka

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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