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Positive Perspektiven für den Bau

04.06.2008

Wie der heimische Mittelstand mit den hohen Rohstoffpreisen, dem starken Eurokurs und den Turbulenzen auf den Finanzmärkten umgeht, wurde von der Creditreform Wirtschaftsforschung in einer Studie untersucht.

Relativ unbeeindruckt zeigt sich Österreichs Bauwirtschaft im Moment noch von der negativen internationalen Finanzkrise.

Die Ergebnisse der Untersuchung, in der 1.900 Betriebe befragt wurden, zeigen, dass die KMU in Österreich ihre Wirtschaftslage durchwegs positiv bewerten, allerdings werden in den nächsten sechs Monaten bei den Erträgen Ermüdungstendenzen erwartet. Die Auswirkungen der internationalen Finanzkrise auf die Konjunktur und die Investitionen werden durchwegs kritisch betrachtet.

Entwicklungen beim Bau

Die Aussagen zur aktuellen Geschäftslage des Mittelstandes haben sich im Zeitraum 2007 und 2008 eingetrübt. Allerdings war das Niveau der vorangegangenen Untersuchung sehr hoch. Bei den mangelhaft und ungenügend bezeichneten Geschäftslagen sticht insbesondere das Baugewerbe heraus. Mehr als jedes zehnte Unternehmen dieser Branche beurteilt seine derzeitige Lage negativ (10,3 Prozent; Vorjahr: 5,9 Prozent). Dies ist deutlich mehr als in anderen Hauptwirtschaftsbereichen. Bei der Umsatzentwicklung hat sich im gesamten Mittelstand die Stimmung leicht eingetrübt, allerdings sind hier die Bauunternehmen nicht stärker betroffen als andere Wirtschaftszweige. Tendenziell wurden die Umsätze zwar schwächer, aber insgesamt sind immer noch gute Werte zu verzeichnen. Die Personalsituation in Österreich ist hingegen durchwegs positiv zu betrachten, ist Helmut Rödl, Mitglied des Aufsichtsrates der Creditreform AG überzeugt: „Der Arbeitsmarkt in Österreich erholt sich, Arbeitslose werden weniger. Dies sind fast paradiesische Zustände im Vergleich zu den meisten anderen EU-Ländern.“ Die befragten mittelständischen Unternehmen zeichnen jedoch ein etwas anderes Bild. Im vergangenen Frühjahr gab noch knapp jeder dritte Betrieb (30,9 Prozent) an, seinen Personalbestand innerhalb des vergangenen halben Jahres aufgestockt zu haben. Aktuell sind es 7,8 Prozentpunkte weniger. Auch hier haben die Bauunternehmen besonders negative Tendenzen zu berichten und sind im Vergleich zu anderen Branchen schwerer betroffen. Nur 13,2 Prozent der befragten Unternehmen geben an, den Personalbestand aufstocken zu wollen, 30,4 Prozent befürchten jedoch, Personal verringern zu müssen.

Nichtsdestotrotz bleibt der Mittelstand weiterhin gesamtwirtschaftlicher Jobmotor. Bei der Ertragslage hat ebenfalls das Baugewerbe die größten Schwierigkeiten. Zwar haben durchwegs alle Branchen Probleme, aber der Bau ist – wie auch schon in den vergangenen Jahren – am stärksten betroffen. Nur noch 13,6 Prozent können gestiegene Erträge verzeichnen – im Frühjahr 2007 waren es noch 21,5 Prozent. 40 Prozent hingegen müssen mit Gewinnrückgängen auskommen. Das sind 7,8 Prozentpunkte mehr als noch vor einem Jahr.

Weitere Erwartungen

Noch deutlicher als die Angaben zur aktuellen Umsatzsituation zeigen die Perspektiven für künftige Erwartungen nach unten. Gaben im Frühjahr 2007 noch 55,5 Prozent der KMU in Österreich an, auf steigende Umsätze zu setzen, so sind es aktuell 19,3 Prozentpunkte weniger. Die Zahl der Betriebe, die Umsatzeinbrüche befürchten, stieg dagegen von ehemals 6,4 Prozent auf heuer 9,1 Prozent an. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass mehr als die Hälfte (51,9 Prozent) heuer davon ausgehen, ihr aktuelles Umsatzniveau halten zu können. Vor einem Jahr waren es 14,1 Prozent weniger. Allgemein wurden große Erwartungen in die bevorstehende Fußball-Europameisterschaft gelegt. Davon ist allerdings von den befragten mittelständischen Unternehmen wenig zu spüren. Aber auch die Jobperspektiven haben nachgegeben, allerdings nicht so stark wie die Umsatzaussichten. Die Verschlechterung bei den Personalentwicklungen relativiert sich aber beim Blick auf den Zwölfjahresvergleich. Aktuell kommt der Saldo auf 16,2 Zähler und liegt damit immer noch auf dem drittbesten Platz. Wie aufgrund der verhaltenen Aussagen zu den Umsatzerwartungen der befragten Unternehmen zu vermuten war, weisen auch die Ertragsperspektiven schlechtere Ergebnisse aus, als noch vor einem Jahr. 29,8 Prozent der KMU in Österreich gehen noch von mehr Gewinn aus, das entspricht einem Rückgang um 13,3 Prozentpunkte. 17,6 Prozent befürchten sinkende Erträge. Vor einem Jahr waren es noch 11,1 Prozent.
Ein etwas anderes Bild zeigen hingegen die Investitionsplanungen. Immer noch wollen mehr als die Hälfte (56,7 Prozent) der österreichischen KMU innerhalb der kommenden sechs Monate Investitionen vornehmen. Einen deutlichen Anstieg der investitionsbereiten Unternehmen verzeichnet die Baubranche. „Der Bau lässt sich nicht beirren und lässt nicht locker. Die Unternehmen sehen sich durchaus in der Lage, weitere Investitionen zu tätigen“, berichtet Rödl. 53,6 Prozent der Bauunternehmen wollen nach eigenen Angaben in Zukunft investieren. Vor einem Jahr waren es nur 52 Prozent.

Überdurchschnittliche Entwicklung trotz Rückgänge

Das Baugewerbe leidet verstärkt unter Kunden, die ihrer Zahlungsverpflichtung nur sehr zögerlich nachkommen. Mehr als jedes zehnte Unternehmen (elf Prozent) gibt der aktuellen Untersuchung zufolge an, erst nach mehr als drei Monaten für seine erbrachten Leistungen entlohnt werden. Das sind mehr als doppelt so viele wie noch vor einem Jahr (4,7 Prozent). Schlimmer als der verspätete Zahlungseingang ist der Totalausfall einer Forderung für den betroffenen Unternehmer. Forderungsverluste von mehr als einem Prozent im Verhältnis zur Bilanzsumme können existenzgefährdend sein. Diese Ausfälle sind signifikant rückläufig.

In puncto Eigenkapitalhöhe hat sich innerhalb des vergangenen Jahres bei den mittelständischen Unternehmen nicht viel getan. Ein leichter Rückgang bei den unterkapitalisierten Unternehmen steht einem ebenfalls leichten Rückgang bei den ausreichend mit Eigenkapital ausgestatteten Unternehmen gegenüber. Ein positiver Trend zeichnet sich hier für das Baugewerbe ab. „Den Unternehmen aus dem Bausektor gelingt zunehmend der Aufbau von Eigenkapital. Die Zahl der gut mit Eigenkapital ausgestatteten Unternehmen konnte weiter ausgebaut werden“, berichtet Rainer Kubicki, Obmann des Vereins Creditforum Wien. Der Bau verzeichnete einen Anstieg der ausreichend mit Eigenkapital ausgestatteten Unternehmen von 26,3 Prozent auf 27,4 Prozent im Frühjahr 2008. Andererseits spürt vor allem das Baugewerbe die schlechter gewordenen Finanzierungsbedingungen. Für 38,5 Prozent der Befragten der Branche ist der Zugang zu Krediten schwieriger oder sogar erheblich schwieriger geworden.

Insgesamt zeigt der Mittelstand gegenüber dem Boomjahr 2007 deutliche Rückgänge. Trotzdem liegen die meisten konjunkturrelevanten Größen über dem Durchschnitt der Entwicklung der vergangenen zwölf Jahre.

Diana Danbauer

aus: bau.zeitung 22/08, S. 12f.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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