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Praxisbewährte Schalungen

09.04.2008

Der Innovationsdruck in der Baubranche ist groß. Deshalb setzen die großen Schalungsbauer auf mehr Effizienz, Kompatibilität und Flexibilität.

Das österreichische Familienunternehmen Ringer, das die Bauindustrie seit 1944 beliefert, hat auf Wunsch seines besten Kunden in Deutschland im Vorjahr eine zu AL-2000 hunderprozentig kompatible Stahl-Leichtschalung entwickelt. „Sie hat sich zwischenzeitlich zu einem Umsatzrenner entwickelt“, berichtet Unternehmenssprecher Joachim Strachwitz. „Vor allem in Russ­land, Polen, Rumänien, Bulgarien und Tschechien schätzt man dieses ebenso robuste als auch einfache System, mit dem man jede Schalungsaufgabe meistern kann. Derzeit ist bei Ringer ein neues Ausschaleck in Erprobung, das gerade bei beengten Verhältnissen ein einfaches Ausschalen ermöglicht. Ebenso wird derzeit eine neue Kletterbühne in der Praxis getestet und dürfte ab Mai unseren Kunden zur Verfügung stehen. Bei allen Entwicklungen steht der Kundennutzen an erster Stelle. Das bedeutet schnelleres und besseres Bauen durch den Einsatz intelligenter und leicht beherrschbarer Technik.“

Kran eingespart

Konkrete Anwendungsbeispiele nennt Doka für den Einsatz seines auf der Bauma 2007 präsentierten Tischhubsystems TLS. Diese Hubbühne ermöglicht das kranlose Höhersetzen von Deckentischen – von einem Stockwerk ins nächste – mit einer Hubgeschwindigkeit von zehn Metern pro Minute. Ein spektakuläres Beispiel für den Einsatz dieses Tischhubsystems ist der Neubau des Landeskrankenhauses Klagenfurt. Mit einer Bruttogeschoßfläche von 108.000 Quadratmetern zählt er zu den derzeit größten Hochbauprojekten Österreichs. Für die Stahlbetonkonstruktion mit punktgestützten Flachdecken und aussteifenden Gebäudekernen müssen mehr als 97.000 Kubikmeter Beton in Form gebracht werden. Aufgrund der knappen Krankapazitäten hat sich die bauausführende Arge Porr-Strabag für den Einsatz des Tischhubsystems zum kranunabhängigen Höhersetzen der Deckentische entschieden. „Durch den Einsatz des TLS können wir den Schalungseinsatz wesentlich wirtschaftlicher gestalten und den Bauablauf insgesamt verbessern. Wir sind dadurch in der Lage, die Großbaustelle mit fünf statt wie ursprünglich geplant mit sechs Kränen abzuwickeln“, bringt Projektleiter Robert Wuggenig die Vorteile des neuen Tischhubsystems auf den Punkt. Die Deckentische werden mit dem Umsetzwagen aus ihrer ursprünglichen Position gelöst und auf die TLS-Hubbühne gefahren. Der Hubvorgang dauert lediglich wenige Sekunden. Im darüberliegenden Geschoß nimmt ein zweiter Bauarbeiter die Tische entgegen und manövriert sie in die vorgesehene Position. „Der Umsetzwagen mit Andockantrieb hat sich in der Baustellenpraxis absolut bewährt. Damit kann selbst eine große Anzahl von Deckentischen in kürzester Zeit und mit lediglich einem Bauarbeiter umgesetzt werden. Mit dem Tischhubsystem und dem Umsetzwagen können wird die Vorteile der Doka-Deckentische wie hohe Wirtschaftlichkeit und schnelle Schaltakte voll ausnutzen“, berichtet Hauptpolier Johann Wenzel.

Spezielle Bauherrenwünsche

Ähnliche Erfahrungen hat man in der Schweiz gemacht. Dort will ein Chemieunternehmen den Industriekomplex seines Areals in Basel mit seinen Forschungs- und Produktionsstätten, Bürogebäuden und dem internationalen Hauptsitz in einen Campus des Wissens umgestalten. Dabei entsteht unter anderem ein neues, 40 Meter hohes Laborgebäude, das „Ando-Building“. Die bauausführende Implenia AG muss dafür neben Wänden und Säulen in Sichtbeton auch vorgespannte Decken mit dreieckigem Grundriss erstellen. Zur einfachen Anpassung an die Dreiecksform der jeweils 1.700 Quadratmeter großen Decken verwendet die Mannschaft das flexible Handschalungssystem Dokaflex 1-2-4. Im Randbereich sorgen 54 Dokamatic-Tische durch die einfach anzubolzenden Tischbühnen für rundum hohe Sicherheit. Um den Kran für andere Arbeiten auf der Baustelle freizuhalten, verwendet das Schalungsteam zum Höhersetzen der Deckenschalung das Tischhubsystem TLS. Es ist in Basel als bodenstehende, 40 Meter hohe Einheit aufgebaut, um alle Geschoße des Gebäudes bedienen zu können. Der wind- und kranunabhängige Umsetzvorgang funktioniert reibungslos, spart Zeit und Personalkosten. Polier Daniel Tonetto: „Meine Mannschaft ist vom Tischhubsystem begeistert. Es funktioniert sehr zuverlässig, wir konnten sehr viel Kranzeit sparen und zusätzlich zu den Dokamatic-Tischen auch das Dokaflex-Material und Hilfsunterstellungen mit der Hubbühne transportieren.“

Bedienbarkeit verkürzt Bauzeit

Auch in Übersee bewährt sich das Doka-Tischhubsystem: In Raleigh im Bundesstaat North Carolina, USA, verwendet die bauausführende United Forming Inc. Doka-Schalungssysteme für den Bau des neuen Renaissance-Hotels. Durch den Einsatz des TLS können die Deckenschalarbeiten vom übrigen Bauablauf vollständig entkoppelt werden. Ein störungsfreier und kontinuierlicher Arbeitsablauf ohne kostenintensive Stehzeiten ist damit in jeder Phase der Schalarbeiten sichergestellt. In Kombination mit dem Doka-Umsetzwagen mit Andockantrieb leistet das TLS darüber hinaus eine deutliche Beschleunigung der Schalarbeiten und trägt wesentlich zur Reduzierung von Personalkosten bei. Lediglich zwei Bauarbeiter sind zum Umsetzen der Deckentische von einer Geschoßebene auf die nächst höhere erforderlich. Die freie Kranzeit wird zum Hochheben von Bewehrung, zum Umsetzen der Wandschalung sowie zum Entladen von Lkws genutzt. Juvenal Ibarra, Oberbauleiter bei United Forming: „Wir schätzen das TLS aus mehreren Gründen: Mit wenig Baustellenpersonal und ohne Kraneinsatz können wir die Tische umsetzen, und der Umsetzvorgang selbst funktioniert wesentlich sicherer als mit dem Kran.“

Bei Peri verweist man auf die ersten positiven Erfahrungen mit dem neuen Wandschalungssystem Maximo. „Mit der Maximo wurde eine neue Generation von Rahmenschalung präsentiert, die langjährige Erkenntnisse bisheriger Rahmenschalungssysteme vereint und darüber hinaus weitere Vorteile bietet“, erläutert Unternehmenssprecher Hubert Mayerhofer. „Fast zwei Jahrzehnte lang hat die Trio-Rahmenschalung mit dem optimierten Verbindungsmittel BFD ihre Schnelligkeit und vielseitige Funktionalität bewiesen – und mit der Variante Trio Housing wurde die Handhabung durch die einseitig bedienbare Ankerstelle nochmals verbessert und die Schalzeiten wesentlich reduziert. Die neue Maximo weist nun beide herausragenden Produktmerkmale auf. Darüber hinaus führen die mittig positionierten Ankerstellen in allen Elementgrößen dazu, Betonoberflächen auch mit einem ansprechenden, geordneten Anker- und Fugenraster herstellen zu können.“
Eines der Bauunternehmen, das mit dem neuen Maximo-System schon seine Erfahrungen gemacht hat, ist die im bayerischen Ruhpolding ansässige, mittelständische Baufirma Mayer. Bei ihrem vierten Maximo-Einsatz galt es, die Stahlbetonwände für einen rechteckigen Doppelhauskeller mit etwa elf mal 14 Metern Grundrissabmessung zu schalen. Anstatt wie üblich vier Tage einplanen zu müssen, benötigt Polier Enrico Schirmer mit der Maximo nur drei Tage – mit einer Kolonnenstärke von lediglich drei Mann. Schirmer führt die Zeiteinsparung ganz klar darauf zurück, dass die Maximo nur von einer Seite aus geankert werden muss. Denn durch das neu entwickelte, konische Ankersystem kann auf Distanzrohre gänzlich verzichtet werden. Das spart Wege und Ressourcen sowie wertvolle Zeit. Nur wenige verschiedene Systemteile, baustellengerechte Großelemente und die starre Eckausbildung tragen darüber hinaus zum schnelleren Schalen bei. Als positiven Nebeneffekt wertet man bei Mayer auch, dass die Maximo mit den durchwegs mittig angeordneten Ankerstellen stets ein geordnetes Anker- und Fugenbild ergibt. Durch die Belegung aller Ankerpositionen entstehen keine störenden Abdrücke von PVC-Stopfen im Betonbild. Diese systematisierte und klare Ankerstellenvorgabe führt ferner zu einer Fehlervermeidung beim Schalen – dies beschleunigt die Schalzeit zusätzlich. „Die Maximo ist unschlagbar“, resümiert Polier Enrico Schirmer und fährt fort: „Ich bin begeistert und voll überzeugt.“

Eines der spektakulärsten Projekte, an dem Peri derzeit als Schalungsbauer beteiligt ist, ist der Bau des „Tempels der göttlichen Verheißung“ in der polnischen Hauptstadt Warschau. Er gilt als das bedeutendste sakrale Bauwerk der vergangenen drei Jahrhunderte in Polen. Die Idee zu dem Projekt ist zwar schon mehr als 200 Jahre alt, und der Grundstein wurde bereits 1791 gelegt. Dann aber verschwand ein Staat namens Polen von 1795 bis zum Ende des 1. Weltkrieges von den Landkarten. Nach ein paar Jahrzehnten der Souveränität wurde Polen in die Wirren des 2. Weltkrieg gezogen, danach fiel das Land in den Herrschaftsbereich des Sowjet-Kommunismus. So konnte erst im Juni 1999 mit der Realisierung begonnen werden – nach erneuter Grundsteinlegung durch den damaligen Papst Johannes Paul II. Unter Federführung des Primas von Polen, Jozef Kardinal Glemp, starteten im November 2002 die Rohbauarbeiten. Im Süden der polnischen Hauptstadt entsteht auf etwa sechs Hektar ein Tempel, dessen Gesamtkosten mit knapp 30 Millionen Euro beziffert werden. Der imposante Gebäudekomplex basiert auf einer 84 mal 84 Meter großen Grundfläche in Form eines Griechischen Kreuzes – also eines Kreuzes mit vier gleich langen Armen. Das Gebäude wird nach Fertigstellung eine Höhe von etwa 75 Metern erreichen. 26 kreisförmig angeordnete Säulen bilden das Kirchenschiff mit 68 Metern Durchmesser. Bei der Abwicklung eines solch komplexen Bauwerks verlässt sich der Generalunternehmer, die Z. Marciniak S.A., auf eine umfassende Schalungs- und Gerüstlösung von Peri. Vor allem das Kirchenschiff ist für alle Beteiligten eine große Herausforderung: nicht nur in geometrischer Hinsicht, auch statisch. So werden gemeinsam außergewöhnliche Lösungen erarbeitet und vor Ort mit Peri-Unterstützung baustellengerecht umgesetzt.

Stellenwert Sicherheit

Sowohl für die Bewehrungs- als auch für die Schalungsarbeiten werden mithilfe des Peri UP-Rosett-Gerüstsystems sichere Arbeitsplattformen bereitgestellt. Damit lässt sich die Armierung vorlaufend auch in großer Höhe sicher und maßgenau verlegen. In Kombination mit HD-200-Schwerlaststützen kann das Modulgerüst äußerst vielseitig auch als Traggerüst für die in 24 Metern Höhe befindlichen Unterzüge und Zwischendecken eingesetzt werden. Der L-förmige Außenring lagert dabei auf 80 mal 80 Zentimeter messenden Stahlbetonsäulen. Diese werden mit einer Peri TRIO und KG Kletterschalungslösung in Betoniertakthöhen von siebeneinhalb Metern hergestellt. Die innere Säulenreihe besteht aus 26 schräg angeordneten Säulen mit veränderlichem Querschnitt und variabler Neigung. Diese bilden die Tragkonstruktion für die spätere Kuppel. Zu diesem Zweck werden sie in 59 Metern Höhe miteinander verbunden. Auf halber Höhe sorgt ein Ringbalken für ausreichende Stabilität. Bis zum Erreichen der Eigenstabilität wird eine bauseitige Stahlkonstruktion mit 20 Metern Höhe und 33,5 Metern Durchmesser die Horizontalkräfte ableiten.

Zum Schalen der Stahlbetonsäulen kommen Trio-Säulenelemente TRS mit maßgenau vormontierten Aussparungskästen zum Einsatz. Auch dabei bietet das Modulgerüst Peri UP-Rosett sichere Arbeitsbedingungen zum Schalen und Bewehren. Aufgrund des modularen Aufbaus und des metrischen Rasters in Länge, Breite und Höhe kann der Gerüstaufbau optimal an die Bauwerks- und Stahlbau­geometrie angepasst werden. So lassen sich gleich vier Säulen zeitgleich bewehren, schalen und betonieren – eine schnelle und sichere Lösung. Heutige Schalungssysteme lassen nicht nur die Ausführung der extravagantesten Planungen zu, sie ermöglichen auch schnelleres und sparsameres Bauen.

Ralf Siebenbürger

aus: bau.zeitung 14/08, S. 32

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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