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Produktivität steigern

02.02.2010

Die 24. Baustudienwoche der Landesinnung Bau Niederösterreich stand ganz im Zeichen von ­Kostensenkung und Produkti­vitätssteigerung. Beim oberösterreichischen Bautag war Zuversicht für 2010 spürbar. Wenn auch der Umsatz nicht steigt – der Gewinn kann optimiert werden, so das Fazit der 24. Baustudienwoche der Landesinnung Bau Niederösterreich.

Kompetente Tipps dazu lieferten die Vortragenden – von der nachhaltigen Lehrlingssuche und -bildung bis zu Wissensvermittlung in puncto Baubewilligung und Managementstrategien für das eigene Unternehmen. Robert Jägersberger, Landesinnungsmeister Bau Niederösterreich, freute sich über die knapp 100 Teilnehmer, die zur 24. Baustudienwoche kamen: „Wir liefern mit unseren Baustudientagen wichtige Denkanstöße für unsere Unternehmer, gerade jetzt ist eine gute Zeit, am Bau alte Strukturen neu zu überdenken, aufzuräumen, neu aufzustellen – aber auch sein persönliches Wissen zu erweitern. “Die junge Bauwirtschaft nützte unter der Führung von Baumeister Walter Seemann den ersten Nachmittag für einen exklusiven Besuch beim Polizeisonderkommando Cobra in Wr. Neustadt. 40 interessierte Teilnehmer erhielten Einblicke in den Tagesablauf der Sondereinheit.

Neben der sportlichen Ertüchtigung – Eisstockschießen wie auch das traditionelle Skirennen – standen am zweiten Tag der Baustudienwoche das Thema Lehrlinge am Programm. Stefan Paukowitsch, WKNÖ Lehrlingsstelle/Förderungen, erläuterte das neue Förderungssystem. Unterm Strich zahlt es sich für Baumeister in mehrfacher Hinsicht aus, Lehrlinge zu nehmen – so das Fazit des Experten. Anwesende Baumeister bestätigten ihren Unternehmenserfolg aufgrund der gut ausgebildeten Lehrlinge, den Fachkräften von morgen. Petra Pinker, Lehrlingsexpertin der Landesinnung Bau Niederösterreich, verriet Tipps, wie Lehrlinge gewonnen, gefördert und gehalten werden können.

Veränderungen wollen
Christian Haidegger provozierte mit der Frage, ob sich die Kosten im eigenen Bauunternehmen optimieren ließen. In der Folge führte Haidegger im Abtausch mit Manfred Weixelbraun und Philipp Wessiak die Veränderungsmöglichkeiten und -methoden aus und verblüffte die anwesenden Baumeister mit einfachen Mitteln – die gewaltige Effekte erzielen.
Die ruhige Winterzeit am Bau ist beste Gelegenheit für interne Veränderungsprozesse. Reibungsverluste minimieren, verschwenderischen Umgang mit Ressourcen und Mitarbeitern orten, aber auch ein perfektes Bauhof- und Baustellenmanagement steigert die Produktivität jedes Bauunternehmens.

„Das Beste wäre, Sie hätten gar keinen Bauhof, denn das ist gebundenes Kapital auf Material, dass Ihnen im Unternehmen fehlt“, so Haidegger. „Wenn Sie ehrlich sind, haben Sie einiges an Baumaterial, das Sie selten bis nie benötigen, das entweder ohnehin bereits kaputt ist oder Ihnen eben seit Jahren nicht abgegangen ist. Sie sollten alles Material direkt vom Lieferanten beziehen, dadurch minimieren Sie Lagerkosten wie auch die Kapitalbindung.“

Der Anstieg der Kosten ist höher als der Anstieg des Baupreises – die Differenz muss durch Produktivitätssteigerungen ausgeglichen werden, so Haidegger: „Das Positive daran ist jedoch, dass meiner Erfahrung nach die Mitarbeiter am Bau in den vergangenen Jahren verstärkt dazu bereit sind, Veränderungen mitzutragen und damit massiv zur Produktivitäts- und Effizienzsteigerung beizutragen.“

Unproduktiv sind am Bau uneingeplante Situationen, doppelte Handgriffe etc. Haidegger zitiert eine Studie von Alois Czipin: „Bei über elf Prozent liegt das Verbesserungspotenzial auf Baustellen in puncto Logistik. Produktivitätssteigerungen sind auch dadurch möglich, dass Mitarbeiter mehr Eigenverantwortung erhalten.“

Keine Angst vor Standards
Ein erster Schritt kann zunächst ein Bestandsmanagement sein – dabei ist jedoch eine Standardisierung die zentrale Grundlage für mögliche Produktivitätssteigerungen, erläuterte Weixelbraun. Er überraschte mit konkreten Punkten – Material kommt in letzter Minute, Mitarbeiter warten am Bauhof, bis alles aufgeladen ist, Material wird mehrfach in die Hand genommen, bis es tatsächlich verwendet wird, Bauleiter sind ständig auf der Suche nach Informationen – die Baumeister und rief zugleich auf, ihr Verschwendungspotenzial zu orten und einen Unternehmenskulturwechsel zu initiieren: „Die Mitarbeiter müssen ein Bewusstsein für Verschwendung bekommen. Das bedeutet, der Baumeister muss die Unternehmenskultur verbessern, ziel­orientiert kommunizieren. Dabei ist die Vorbildwirkung entscheidend.“ Dazu verriet er drei Methoden: Verbesserungen durch „Ideen managen“, Problemlösung im Team, Verbesserungen durch KVP-Workshop.

Haidegger rät als Unternehmerstrategie: „Mitarbeiter können leichter über Verschwendung sprechen als über Probleme oder Fehler. Kostenrechnung ist immer auch ein Blick in den Rückspiegel – das bedeutet, es ist schwierig, bei einer Baustelle produktiv zu sein, wenn Sie immer zurückschauen. Ganz im Gegenteil, das Gesamtergebnis der Baustelle sollten Sie immer im Blick haben.“ Dazu gehört, in jedem Gewerk die Bausumme ständig zu überprüfen, das Budget für Subunternehmer wie auch eigene Mitarbeiter laufend zu kontrollieren. „Der Bauleiter sollte ebenso den Überblick über das Budget haben – denn nur so können Nachforderungen vermieden werden. Der Bauleiter sollte auch täglich wissen, wie viele ‚Stunden‘ sein Team arbeitet. Denn sobald es eine Messlatte gibt, steigt automatisch die Produktivität“, so Haidegger. Nur 20 Prozent der von Haidegger dazu befragten Bauleiter kannten ihr Budget.

Budgetziele definieren
Leicht umzusetzen ist jener Tipp der Experten, wonach Bauleiter wöchentlich Ziele definieren und damit einen guten Überblick erhalten. Auf einer einfachen Tabelle behält der Bauleiter somit den Blick auf das voraussichtliche Gesamtergebnis. Transparenz ist der Schlüssel zur Produktivität. Dabei ist EDV mit Sicherheit hilfreich, aber keinesfalls ein Muss – ein Beispiel von handschriftlichen Aufzeichnungen eines Poliers, mit deren Hilfe er wöchentlich seine Arbeitsziele festhielt, untermauert dies.

Für Weixelbraun sind Prämien nicht die absolute Mitarbeitermotivation: „Belohnungen sind erst dann sinnvoll, wenn die Baustelle wirklich gut läuft. Der Unternehmer muss nicht vorgeben, welches Arbeitspensum der Polier schafft – das sollte in Eigenverantwortung entstehen.“

Wessiak appellierte an die Unternehmer, vorausschauend zu planen und Reibungsverluste durch Projektsteuerungen zu minimieren. Denn laut Studie passieren die meisten Reibungsverluste aufgrund von fehlender oder mangelhafter Planung und Steuerung wie auch durch nicht ausreichendes Gewicht auf Führungsaufgaben.

Gedächtnistraining am Bautag
Die Stimmung am OÖ Bautag 2010 war durchwegs positiv. Zuversichtlich blicken die Landesinnungsmeister Bau und Bauhilfsgewerbe in die Zukunft. Der OÖ Bautag 2010 wird den meisten Teilnehmern im Gedächtnis bleiben. Verantwortlich dafür ist Gedächtnistrainer Gregor Staub, der sein Wissen mit der Baubranche teilte. Im Jänner trafen sich mehr als 200 Vertreter der Bauwirtschaft in Linz zum traditionellen Oberösterreichischen Bautag. In der WKOOÖ begrüßten Norbert Hartl, Landesinnungsmeister Bau OÖ, Kurt Bernegger, Landesinnungsmeister Bauhilfsgewerbe, und Hausherr Rudolf Trauner, Präsident der WKO Oberösterreich, die Repräsentanten der Bauwirtschaft mit hoffnungsvollen Worten. Alle drei sind positiv und zuversichtlich gestimmt. „Wir haben ein schwieriges Jahr hinter uns, und die Herausforderungen sind noch nicht überstanden. Dennoch zeigt sich ein Aufwärtstrend, der Grund zur Hoffnung lässt“, ist Norbert Hartl überzeugt. Ebenso vorsichtig zuversichtlich äußerte sich Kurt Bernegger: „Es ist noch nicht ganz überstanden, aber mithilfe wichtiger Impulse und der gemeinsamen Organisation sind wir nach wie vor gut aufgestellt“, so Bernegger. Nichtsdestotrotz fordern die Landesinnungsmeister die Politik weiter auf, die richtigen Impulse zu setzen und damit die Wirtschaft anzukurbeln.

Als Highlight des diesjährigen Bautages in Linz wurde Europas Gedächtnistrainer Nummer eins, Gregor Staub, geladen. Staub beeindruckte die Branche mit Übungen und Trainings. Gemeinsam mit dem Publikum wurden Gedächtnisspiele eingeübt. Mit Witz und Überzeugungskraft lehrte Staub den Baufachleuten, ihr Gedächtnis effizient zu nutzen. Bei dem abschließenden Gewinnspiel konnten sich zehn der Teilnehmer über ein Mega Memory-Trainingspackage des berühmten Gedächtnistrainers freuen.

Diana Danbauer
Gisela Gary

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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