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Qualifizierungsförderung

14.12.2004

Wie jeden Winter prognostiziert die Bundesinnung Bau auch heuer wieder einen rasanten Anstieg der Arbeitslosen am Bau. Die Steigerung der Qualifikation soll Abhilfe schaffen.

Mit erschreckenden Zahlen wartet die Bundesinnung Bau zum Jahresende auf. Lag die Arbeitslosenquote im vergangenen Winter noch bei knapp einem Viertel, so rechnet die Bundesinnung heuer mit einem drastischen Anstieg auf fast dreißig Prozent. Das heißt, rund 70.000 Bauarbeiter werden diesen Winter ohne Arbeit sein. Diese Einschätzung wird von einer Untersuchung des Gläubigerschutzverbandes bestätigt, wonach die Baubranche die meisten Mitarbeiter abbauen möchte/muss. Während insgesamt 17 Prozent aller österreichischen Betriebe angesichts des erhofften Konjunkturaufschwungs neue Mitarbeiter einstellen will, bildet die Bauwirtschaft mit nur rund acht Prozent Neueinstellungen zurzeit das einsame Schlusslicht.

Qualifizierungsförderung
Im Rahmen der vom Europäischen Sozialfonds (EFS) gestützten Qualifizierungsförderung für Beschäftigte (QfB) wird jetzt auch gezielt der Winterarbeitslosigkeit in der Baubranche der Kampf angesagt. Grundsätzlich hat die Qualifizierungsförderung zum Ziel, jene Arbeitnehmer zu fördern, die bislang in der betrieblichen Weiterbildung eine eher untergeordnete Rolle gespielt haben. Die Weiterbildungsmaßnahmen richten sich in diesem Zusammenhang vor allem an Saisonarbeitskräfte und sind damit auch für die Baubranche mit der traditionell hohen Winterarbeitslosigkeit eine Möglichkeit, die Beschäftigung der Arbeitnehmer über das gesamte Jahr langfristig zu sichern.

Stabilität von Beschäftigungsverhältnissen
Mit rund 250.000 Beschäftigten zählt das Bauwesen zu den größten Arbeitgebern in Österreich. Knapp acht Prozent der unselbstständig Beschäftigten arbeiten im Bausektor. Gleichzeitig zählt die Bauwirtschaft aber auch zu jenen Branchen, die neben dem geringen Anteil von Frauen und älteren Arbeitnehmern durch stark schwankende Beschäftigungsverhältnisse gekennzeichnet ist. Zu diesem Ergebnis kommt eine u. a. von der Gewerkschaft Bau-Holz in Auftrag gegebene Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung, die im vergangenen April veröffentlicht wurde. Diese Studie belegt auch die umfangreichen Personalfreisetzungen im Baubereich in den vergangenen Jahren. So wurden beispielsweise zwischen 1999 und 2002 rund 22.000 Beschäftigte – das entspricht 8,5 Prozent des durchschnittlichen Beschäftigungsstandes von 1999 – abgebaut, was zu einem Anstieg der Arbeitslosenquote auf 15,2 Prozent führte. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Arbeitslosenquote lag im gleichen Zeitraum gesamtwirtschaftlich betrachtet bei 6,9 Prozent.
Eine zusätzliche Belastung für die Arbeitnehmer am Bau sind die starken Auslastungsschwankungen der Branche, die in den Wintermonaten zu erheblichen Personalfreisetzungen führen. Im Betrachtungszeitraum
30. Juni 2000 bis 30. Juni 2001 wurden 197.000 Beschäftigungszugänge und mehr als 206.000 Beschäftigungsabgänge registriert. Das heißt, rund drei Viertel aller Beschäftigungsverhältnisse wurde über den Winter aufgelöst und fast ebenso viele danach wieder neu begründet. Besonders dramatisch ist der Beschäftigungsumschlag im Bereich Hoch- und Tiefbau. Hier liegt der Anteil der beendeten Beschäftigungsverhältnisse bei fast unglaublichen 100 Prozent, der der neu gegründeten bei 95 Prozent.

Sonderregelung für die Sparte Bau
Aufgrund dieser besonders prekären Situation wurde in Kooperation von Arbeitsmarktservice (AMS), der Bundesinnung Bau und dem Fachverband der Bauindustrie im Rahmen der QfB eine Reihe von Sonderbestimmungen für die Arbeitnehmer im Baubereich erarbeitet, die im November 2002 erstmals und auf eine Saison beschränkt in Kraft traten. Die gleiche Vorgangsweise wurde auch für das Jahr 2003 gewählt. Aufgrund des bislang nur in geringem Umfang in Anspruch genommenen Angebots hat sich die Geschäftsstelle Bau um eine Anpassung des Kursangebots bemüht und in Verhandlungen mit dem AMS eine Fortführung der Sonderbestimmungen bis zum Ende der EFS-Programmperiode in der Wintersaison 2006/2007 erwirkt.
Die konkreten Ausnahmebestimmungen ermöglichen in der Sparte Bau jetzt auch eine Förderung von Männern unter 45 Jahre, sofern sie in den letzten zwei Jahren im Zeitraum Dezember bis März mindestens eine Arbeitlosmeldung beim AMS aufweisen. Hier liegt der wesentliche Unterschied zur allgemeinen QfB, die eine generelle Förderungsmöglichkeit für Frauen und für Männer über 45 Jahre vorsieht. Generelle Voraussetzung ist, dass nur Arbeitnehmer förderbar sind, die sich während der gesamten Maßnahmendauer in einem voll versicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis oder in Elternkarenz befinden.
Als Förderungswerber kommen alle Arbeitgeber mit Ausnahme des Bundes, der Länder und Gemeinden bzw. der Gemeindeverbände sowie Körperschaften öffentlichen Rechts (außer Wohlfahrtseinrichtungen der gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften), das Arbeitsmarktservice, politische Parteien und radikale Vereine in Frage. Die Förderungswerber haben im Rahmen des vom AMS angebotenen Programms die freie Wahl der jeweiligen Schulungsmaßnahmen als auch des Schulungsveranstalters. Es gilt jedoch ausnahmslos, dass das Förderbegehren vor dem Kursbeginn bei der zuständigen Landesgeschäftsstelle oder beim Service des AMS eingereicht werden muss.

Gefördert werden:
im Zielgebiet 3 (Wien, Niederösterreich, Kärnten, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg):
• zwei Drittel der Kurskosten
• bis zu sechzig Prozent der Personalkosten

im Zielgebiet 1 (Burgenland):
• drei Viertel der Kurskosten
• bis zu sechzig Prozent der Personalkosten

Tom Cervinka

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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