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Qualitätsoffensive am Bau

24.05.2005

Die verbindliche Einhaltung von Qualitätsstandards im Bereich der Planung und Ausführung bei Bauaufgaben ist vor allem vonseiten der Bauherrschaft eine vielfach geäußerte Forderung. Die Qualität der Ausführung wird damit immer mehr zum Entscheidungskriterium für oder gegen einen Planer oder Ausführenden. Systeme zur Qualitätssteigerung und zur strafferen Gestaltung interner Arbeits- und Organisationsprozesse bieten in diesem Zusammenhang eine effiziente Möglichkeit, Kosten zu senken und dabei gleichzeitig die von Bauherren geforderte Ausführungsqualität sicherzustellen.
Die Zertifizierung Bau GmbH, kurz „Zertbau“, bietet neben der Zertifizierung von Managementsystemen umfangreiche Unternehmensanalysen und als eine ihrer Kernkompetenzen im Bereich „Qualitätssicherung im Hochbau“ auch die Zertifizierung von Ein- und Mehrfamilienhäusern österreichweit an. Vorrangiges Ziel dieser Aktionen ist die aktive Vermeidung von Baufehlern. Als häufigste Fehlerquellen am Bau ortet Rudolf Pichler, Geschäftsführer der Zertbau, fehlende Kenntnis, mangelnde Sorgfalt oder ungenügende Arbeitsvorbereitung bei den Ausführenden bzw. unklare Angaben durch den Planer. Vermeidbare Fehler entstehen durch unzureichende Kommunikation oder ineffiziente Schnittstellen zwischen Bauleitung, Planung und Bauhof.
Laut einer aktuellen Erhebung der Bauhaus Universität in Weimar liegen die Kosten für die Behebung von Herstellungsfehlern im Roh- uns Ausbau bei bis zu zwölf Prozent der gesamten Baukosten. Zu einem vergleichbaren Ergebnis kommt auch eine Studie im Auftrag der EU-Kommission, die den Prozentsatz sogar bei knapp 18 Prozent ansetzt. In den wenigsten Fällen lässt sich der Verursacher eines Baufehlers schnell und mit geringem Aufwand dingfest machen. Teure Gutachterverfahren und langwierige Gerichtsprozesse sind oftmals die Folgen. Die Behebung des Schadens oder Mangels ist in vielen Fällen eine langwierige und für Bauherrn und ausführende Firmen eine Nerven zermürbende Angelegenheit. Das schädigt den Ruf von Planer und Ausführenden und kratzt erheblich am guten Image. Viele große Planungs- und Bauunternehmen, wie zum Beispiel die Universale Bau, Porr, die Stadterneuerungs- und Eigentumswohnungsgesellschaft SEG, der Ziegelmulti Wienerberger oder das Architektur- und Ingenieurbüro ATP (Achammer, Tritthart und Partner) bedienen sich des Instruments der Zertifizierung und unterziehen einzelne Gebäude oder das ganze Unternehmen einem Qualitäts-Check. „Wir unterwerfen uns mit der Zertifizierung einem qualitativ einheitlichem Standard, was sich in der Qualitätssicherung unserer Planungsabläufe über alle Standorte hinweg sowie in unseren Bauten extrem positiv bemerkbar gemacht hat. Wir sehen in der Zertifizierung ein wirkungsvolles Instrument, unternehmensweit die Prozessqualität zu verbessern“, definiert ATP-Vorstand Christoph Achammer die wesentlichen Gewinne der Zertifizierung für sein Unternehmen.

… und so wird’s gemacht

Die Zertifizierung von Gebäuden bietet bereits während der Errichtung eine effiziente Möglichkeit, Planungs- oder Ausführungsfehlern vorzubeugen bzw. solche noch vor Übergabe zu beheben. Den Bauherren bietet sie die Möglichkeit der Überprüfung inwieweit das Gebäude mit den vereinbarten vertraglichen Bestimmungen übereinstimmt und ob die einzelnen Leistungen dem aktuellen Stand der Technik entsprechen. Darüber hinaus werden auch die Sorgfalt und Qualität der Ausführung bewertet bzw. Mängel aufgezeigt. Auch das Bauunternehmen selbst profitiert von der Qualitätsüberprüfung. Es erhält von den Zertbau-Experten ein objektives Feedback über die Qualität der ausgeführten Arbeiten. Die Zertbau ersetzt dabei weder die örtliche Bauaufsicht (ÖBA) noch sucht sie nach Baufehlern, um den Auftraggebern Argumentationsmaterial gegen die Ausführenden zu liefern.
Eine weitere Möglichkeit zur Qualitäts-maximierung ist die Unternehmensanalyse in Form eines Betriebs-Checks. Beim Betriebs-Check wird vorerst im Rahmen eines ganztägigen Analyseverfahrens der Ist-Zustand des Unternehmens festgestellt. Dabei werden in erster Linie die Wirtschaftlichkeit und die internen Betriebsabläufe unter die Lupe genommen, sowie Organisationsstrukturen und Auftragsabwicklung im Büro und auf der Baustelle untersucht. Der abschließende Bericht dokumentiert die Ergebnisse und Beobachtungen, zeigt auf, wo Verbesserungspotenzial im Unternehmen besteht und beinhaltet Empfehlungen und konkrete Lösungsansätze.
Auch zahlreiche kleinere Bauunternehmen und Baumeisterbetriebe nutzen die Möglichkeit zur Qualitäts- und internen Effizienzsteigerung. Als bislang kleinstes Unternehmen mit nur sechs Mitarbeitern hat auch der Wiener Baumeister Josef Goltschman den Betriebs-Check der Zertbau in Anspruch genommen. „Mit der Zertifizierung unseres Unternehmens verpflichten wir uns gegenüber unseren Kunden, einen Qualitätsstandard, der über den gesetzlichen Rahmen hinausreicht, einzuhalten. Das ist natürliche auch ein Wettbewerbsvorteil. Einen der Hauptvorteile der Unternehmensanalyse sehe ich auch in der Option eines strukturierten Wachstums. Im Rahmen des Betriebs-Checks haben wir unsere internen Verwaltungs- und Arbeitsabläufe von einem externen Beobachter überprüfen lassen und diese gemeinsam optimiert. Eine künftige betriebliche oder personelle Erweiterung läuft dann nach einem bestimmten Schema ab und gibt uns die Sicherheit, unsere Effizienz zu steigern“, nennt Josef Goltschman die wesentlichen Gründe für die Zertifizierung. In diesem Zusammenhang sieht er die Zertifizierung auch als Qualitätssiegel für das Unternehmen. „Wo gearbeitet wird, passieren auch Fehler. Wichtig ist es, Fehler nicht zu vertuschen, sondern einen standardisierten Ablauf für die Fehler- bzw. Mängelbehebung parat zu haben, um schnell und unbürokratisch reagieren zu können und an der Behebung zu arbeiten – im Idealfall noch bevor ein Projekt abgeschlossen und an den Auftraggeber übergeben wird“, erklärt Goltschman.
Dafür wurde zusammen mit der Zertbau ein Mängelmanagement erarbeitet, das in erster Linie auf die Fehlervermeidung ausgerichtet ist. Gerade für kleine Unternehmen ist das auch eine Überlebensfrage. Bauschäden und -mängel bedeuten auch immer Zahlungsverzögerung durch den Auftraggeber und hohe Außenstände für das Unternehmen. Knapp vier Jahre nach der Zertifizierung zieht Josef Goltschman ein positives Resümee. So gibt es heute praktisch keine Beanstandungen bei den Projektübergaben und eine überdurchschnittlich hohe Kundenzufriedenheit. Das zeigen die Feedback-Listen, die nach Auftragsabschluss an die Kunden ausgesendet werden – ebenfalls ein Verbesserungsvorschlag der Zertbau-Experten.
Ein vergleichbar positives Zeugnis stellt auch Baumeister Herwig Wunsch, Inhaber, Geschäftsführer und Verkaufsleiter von Wunschhaus, dem Team von Zertbau aus. Alle „Wunsch-Häuser“ werden von der Zertbau bereits während der Bauphase und ein weiteres Mal nach Fertigstellung einem gründlichen Qualitäts-Check unterzogen. „Die Gebäude-Zertifizierung dient uns unter anderem auch als Verkaufsunterstützung. Gemeinsam mit der Firma Wienerberger, Statikern, Baumeistern und Zertbau haben wir einen Katalog mit Qualitätskriterien erarbeitet, der uns auf der Baustelle als Checklist dient und Grundlage für die Überprüfung durch die Zertbau ist. Unseren Kunden garantieren wir damit Qualitätsstandards, die jederzeit einsichtlich und nachvollziehbar sind,“ erläutert Wunsch.

Unterstützung durch die Bundesinnung

Die Bundesinnung Bau unterstützt ihre Mietgliedsbetriebe im Bestreben nach einer Reduzierung der Fehlerquellen. Im Rahmen einer Qualitäts- und Imageinitiative wird interessierten Unternehmen die Möglichkeit zu einem ersten Beratungsgespräch geboten. Dieses ist dank der Förderung durch die Bundesinnung in der Höhe von 250,- Euro für die Unternehmen gratis. Eine detaillierte, ganztägige Fehlerkostenanalyse mit Begehung und ausführlicher Begutachtung von maximal fünf Baustellen und anschließender Diskussion kostet 1.800 Euro und wird von der Standesvertretung mit einem Zuschuss von 375,- Euro gefördert.

Tom Cervinka

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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