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Region bei Vergabe bevorzugt

31.03.2009

Die Krise hat auch die Tiroler Bauwirtschaft erreicht. Die Innung kontert mit Optimismus – und freut sich über Versprechen der Landespolitik, bei künftigen Vergaben lokalen Unternehmen entgegenzukommen.

Auch Tirol spürt die Wirtschaftskrise. Anlässlich des hiesigen Bautages, dem alljährlichen Startschuss in die neue Saison, beschreibt das Landesinnungsmeister Anton Rieder so: „Wir durchleben eine schwierige Zeit. 26 Prozent weniger Aufträge führen zu einen beinahe ruinösen Wettbewerb.“ Trotz angespannter Wirtschaftslage: Die Stimmung sei weit besser, als es Prognosen erwarten lassen. Die positive Botschaft des Branchenchefs vor versammelter Kollegenschaft: „Baumeister! Wir schaffen das.“

Forderungen an die Politik

Dabei zählt Rieder auch auf die Politik. Seine Forderungen: Die Rahmenbedingungen müssen mittelstandsgerecht gestaltet werden, die Wirkung der Konjunkturpakete auch in Tirol ankommen. Immerhin, freut sich Rieder, habe man bereits erreicht, dass die regionale Vergabe an Bedeutung gewinnt. Auch die thermische Sanierung werde nun besser gefördert. Der kleine Wermutstropfen: In einigen Bereichen sei leider noch immer kein Rechnungsnachweis notwendig. Das müsse sich ändern.
Eine Chance im Wettbewerb sichtet ­Rieder angesichts der Wirtschaftsflaute in der Charakteristik der heimischen Baumeister: „Wir Österreicher sind in Europa Unikate, weil wir als Generalisten planen und ausführen können.“ Diesen Trumpf gelte es verstärkt auszuspielen.
Rieder, der vor einem Jahr die herausfordernde Funktion des Innungsmeisters übernommen hat, will jedenfalls weiter für seine Zunft kämpfen. Drei große Ziele hat er sich dabei auf die Fahne geschrieben: Die Interessen der Tiroler Bauwirtschaft mit allen Kräften vertreten, den Mittelstand bewahren und die Ausbildung weitreichend verbessern.

Vergaberecht dehnen

Dass die Tiroler bei der regionalen Ver­gabe künftig bevorzugt behandelt werden, das verspricht Landesrätin Patrizia Zoller-Frischauf in ihren Grußworten: „Ich möchte, dass mehr Aufträge im Land bleiben. Und das ist auch möglich, trotz Vergaberecht. Das ist ein dehnbares Korsett. Man muss nur aufpassen, dass die Nähte nicht reißen.“
Ähnliches würde schließlich schon der bayerische Nachbar betreiben – ganz zum Ärgernis der Tiroler. Dabei, so das Kompliment der Landesrätin an die Baumeister: „Wenn der Beste gesucht wird, ist das sicher ein Tiroler.“ Der Wink von Zoller-Frischauf in Richtung Wien: „Der Bund ist aufgefordert, seine Versprechen hinsichtlich Finanzierungen zu halten.“ Denn, so die Landespolitikerin: Wenn aufgehört werde zu finanzieren und Risiken einzugehen, drehe sich die Spirale nur noch weiter hinunter.
Wie es aber angesichts der andauernden Wirtschaftslage weitergeht, konnte auch Gastredner Alexander Maculan nicht beantworten. Keine Krise, sondern vielmehr einen großen Einschnitt erlebe man gerade. Man habe in den letzten Jahren und Jahrzehnten einen entscheidenten Fehler begangen: Es wurde nicht gebaut, um den Bedarf abzudecken, sondern um Fees – Wertpapierwerte für den Aktienmarkt – zu generieren. Das werde nun der Wirtschaft zum Verhängnis.

Und: „Bauen hat viel mit dem Glauben an die Zukunft zu tun“, spricht der Bauzampano der Psychologie eine wesentliche Rolle beim Ausweg aus der wirtschaftlichen Misere zu.
Chancen sichtet er nach wie vor im Wohnbau und der Sanierung. Aber: Genauso wie die Höhe der Milliardenbeträge bei den Bankeninsolvenzen und Betrügereien in den USA unvorstellbar war, genauso wenig könne man derzeit auch wirtschaftliche Prognosen für die nahe Zukunft abgeben.

Helmut Melzer

aus: bauzeitung 13/09, S. 13

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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