Direkt zum Inhalt

Röntgenaugen für die Sanierung

29.09.2009

Gerade bei der Revitalisierung bewähren sich Ortungsgeräte und decken das Innenleben von Wänden auf. Die neuesten Geräte von vier Herstellern stellten sich in der NÖ-BauAkademie dem schonungslosen Praxistest.

Günter Graf, Leiter der BauAkademie Niederösterreich in Langenlois, kennt die intelligenten Geräte, die versprechen, das Innenleben von Wänden gänzlich offenbaren zu können. Anlässlich des letzten Umbaus des 1387 erstmals urkundlich erwähnten Schloss Haindorf, Sitz der Bildungsstätte, hat er sich selbst auf die Suche nach alten Wasserleitungen begeben – mithilfe eines Ortungsgerätes. „Das hat im Großen und Ganzen auch funktioniert. Es war eine Orientierungshilfe, allerdings ist das immer eine Frage der Interpretation der Anzeigen“, hat der Bauexperte durchaus positive Erfahrungen mit den elektronischen Werkzeugen gemacht.
Aber: Eine gewisse Skepsis blieb. Der kritische Gerätetest wird zeigen, ob sich die Anschaffung eines Ortungsgerätes lohnt und in welchen Anwendungsbereichen der Einsatz Sinn macht. Die Top-Produkte von vier Herstellern standen auf dem Prüfstand.

Im Mittelpunkt der Anwendung steht ­Sicherheit und Schadensvermeidung. Wird an einer Wand gearbeitet, macht es natürlich Sinn zu wissen, wo eine spannungsführende Stromleitung verläuft. Ohne Ortung könnte die überraschende Entdeckung durchaus zum gesundheitsgefährdenden Schockerlebnis werden. „Ich habe es schon verspürt: In Geschäften etwa sind oft vergessene Stromleitungen zu finden“, hat der Akademieleiter aus eigener Erfahrung gelernt. Empfehlenswert ist auch die Erkundung der Wand, bevor gar eine Wasserleitung angebohrt ist. Besonders wenn es anschließend ums Bezahlen des Schadens geht: Zahlreiche Versicherer vertreten doch glatt die Auffassung, dass ohne sorgfältige Vorgehensweise Fahrlässigkeit vorliegt. Und bittet zumindest teilweise zur Kasse, bei Wiederholung drohen langfristig höhere Prämien.

Aber auch wenn bereits ein Schaden vorliegt, ist das rasche Auffinden einer lecken Stelle hilfreich. „Wenn Wasserflecken auftauchen, befindet sich der Wasseraustritt oft woanders. Da ist so ein Gerät von Vorteil“, erklärt Graf. Unter dem Strich relativiert sich damit der Anschaffungspreis gegenüber den Kosten im Schadensfall.
Ein weiterer Anwendungsbereich für Ortungsgeräte ist die tatsächliche Suche, etwa im Rahmen einer Sanierung. Wenn kein Plan vorliegt, sollte das Ortungsgerät im Idealfall Verrohrungen, Leitungen oder Bewehrungen lokalisieren – und so die Revitalisierung einer Bausubstanz entscheidend erleichtern.

Ortung durch Magnetfelder
Möglich macht’s die moderne Technik: Ortungsgeräte funktionieren nach dem induktiven oder nach dem kapazitiven Prinzip. Bei der induktiven Type wird ein Magnetfeld erzeugt, das sich bei Annäherung an einen Metallgegenstand verändert. Diese eigentliche Störung wird vom Gerät visualisiert, die Lage des jeweiligen Materials wird angezeigt. Beim kapazitiven Prinzip arbeitet das Werkzeug mit einem hochfrequenten elektrischen Feld, dass die unterschiedliche Dichte von Baustoffen und Baukörpern anzeigt und schließlich auch interpretiert.

Für den Praxistest haben vier Hersteller ihre hochwertigsten Produkte zu Verfügung gestellt: den brandneuen Wallscanner D-tect 150 Professional von Bosch, der BDS303-3 in 1 Detektor von Black & Decker, Würths Ortungsgerät MD 10 und der Multiscanner Pro SL der Marke Zircon. BauAkademie-Chef Günter Graf und Werkmeister Karl Rester unterzogen die Ortungsgeräte einer vierteiligen Versuchsanordnung: In den Wänden der Lehrlingsausbildungsstätte galt es, die Verläufe einer Wasserrohrleitung, einer Stromleitung und einer Bewehrung zu finden.
Des Weiteren mussten die Geräte auch punktgenau drei verschiedene Materialien in einem Gipsblock aufspüren. Abseits davon beurteilten unsere Testpersonen die Werkzeuge in Hinblick auf Verarbeitung, Handling und Anzeige. Ein weiteres Kriterium stellte schlussendlich auch der Preis des Produktes dar. So viel vorweg: Der Test gestaltete sich durchaus schwierig. Diverse Fehlanzeigen überschatteten den Gerätevergleich. „Wenn viel Metall in der Wand ist, geht die Leitung scheinbar in Schlangenlinie. Das könnte aber natürlich auch auf die schlechte Konzentration vom Handwerker zurückzuführen sein“, scherzt Graf.

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
Werbung

Weiterführende Themen

VÖB-Präsident Franz Josef Eder ist mit der aktuellen Entwicklung zufrieden, kritisiert aber, dass im aktuellen Plan der Bundesregierung kein Förderungen massiver Bauweisen vorsieht.
Aktuelles
04.08.2020

Die aktuell stabile Auftragslage lassen die Beton- und Fertigteilbranche positiv in die Zukunft blicken. Gleichzeitig fordert man eine gerechte Streuung der Fördermaßnahmen.

Thomas Löckinger (r.) übernimmt mit 1.8.2020 die Baumarkt-Vertriebsleitung für die Baumit GmbH in Österreich. Er folgt Johann Holy (l.), der nach 21 Jahren als erfolgreicher Vertriebsleiter seinen wohlverdienten Ruhestand antritt.
Aktuelles
29.07.2020

Baumit hat eine neue Baumarkt-Vertriebsleitung Österreich. Wer auf Johann Holy folgt, lesen Sie hier.

Aktuelles
27.07.2020

Die Zugriffszahlen der E-Baulehre in Wien haben sich von rund 1.100 Zertifizierungen im März auf rund 8.400 Zertifizierungen bis Anfang Juli knapp versiebenfacht. 

Josef Muchitsch und Erwin Soravia haben eine gemeinsame Agenda, um Baugenehmigungen zu beschleunigen und Arbeitsplätze zu sichern.
Aktuelles
23.07.2020

Baugenehmigungen müssen dringend beschleunigt werden, sind sich die Gewerkschaft Bau-Holz und Österreichs Projektentwickler einig. Aktuell warten rund 25 Milliarden Euro warten darauf, auf ...

Aktuelles
29.07.2020
Werbung