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Samuel Plüss: "Stillstand auf den Baustellen wäre fatal gewesen"

09.04.2020

Bei Sika produziert man an den Standorten Bludenz und Innsbruck derzeit fast auf Normalniveau. Warum man trotzdem Mitarbeiter in die Kurzarbeit schicken musste und wie man derzeitige Probleme bei der Beschaffung von Rohmaterialien löst, erzählt Samuel Plüss, Geschäftsführer Sika Österreich.

"Der Druck in der Bauwirtschaft im Allgemeinen und bei unseren Kunden ist natürlich hoch. Deshalb sehen wir die neuen Sonderregelungen für Baustellen sehr positiv", sagt Samuel Plüss,Geschäftsführer Sika Österreich.

Herr Plüss, wie ist aktuell die Stimmung bei Sika und Ihren Kunden?

Die Stimmung bei Sika ist sehr gut. Es stimmt uns sehr positiv, dass die großen Baufirmen ihre Tätigkeit unter Wahrung der geltenden Schutzmaßnahmen wieder aufnehmen. Unsere Produktion läuft und wir arbeiten an laufenden Projekten. Aufgrund der vorherrschenden Unsicherheit ist die Nachfrage jedoch zurückgegangen und wir haben, wie viele Firmen, Kurzarbeit beantragt. In welchem Umfang diese erforderlich ist, wird sich in den kommenden Wochen herausstellen. Um Unsicherheiten abzubauen, halten wir die Mitarbeiter ständig über die sich ändernde Situation auf dem Laufenden. Alle Mitarbeiter unterstützen das Management in dieser schwierigen Situation mit ihrer hohen Flexibilität, mit viel Kreativität und mit sehr professioneller Arbeit.

Die Bundesregierung hat vor knapp zwei Wochen beschlossen, dass auf Baustellen weiter gearbeitet werden darf. Eine richtige Entscheidung?

Der Druck in der Bauwirtschaft im Allgemeinen und bei unseren Kunden ist natürlich hoch. Deshalb sehen wir die neuen Sonderregelungen für Baustellen sehr positiv. Wir sind mit unseren Kunden laufend in Kontakt, um ihre Bedürfnisse zu evaluieren und den Bedarf an unseren Produkten abzudecken. Unsere Kunden sind optimistisch, dass es nach Ostern wieder bergauf geht.

Wie stehen Sie grundsätzlich zu den Entscheidungen der Regierung?

Wir halten die von der Regierung beschlossenen Maßnahmen weitestgehend für durchdacht und gesundheitspolitisch wichtig. In den ersten Wochen der Krise herrschte eine große Unsicherheit darüber, ob und unter welchen Bedingungen auf den Baustellen weitergearbeitet werden darf. Viele Unternehmen haben ihre Tätigkeiten zurückgefahren. Deshalb sind wir froh, dass es zu einer Einigung der Sozialpartner gekommen ist, was z.B. den 1-Meter-Sicherheitsabstand betrifft. Einige Regelungen gehören vom Gesundheitsministerium noch weiter konkretisiert, so ist derzeit noch nicht klar definiert, welche entsprechenden Schutzmaßnahmen einzusetzen sind, sollte der Mindestabstand nicht einzuhalten sein. Es bleibt abzuwarten, ob die benötigte Schutzausrüstung dann auch tatsächlich verfügbar sein wird.

Bei Sika Österreich wird also weiter produziert?

Wir produzieren an unseren beiden österreichischen Produktionsstandorte in Bludenz und Innsbruck. Die Beschaffung von Sika Produkten, die innerhalb des Konzerns produziert werden, sowie Handelswaren von Drittlieferanten läuft gut und fast normal. Es gibt gewisse Engpässe in der Beschaffung von Rohmaterialen. Dank dem großen Netzwerk der Sika Gruppe können wir uns jedoch grenzüberschreitend unterstützen. Alle unsere Produkte sind verfügbar und wir können weiterhin österreichweit liefern. Die Geschäftsstellen in Traun, Hörsching, Wiener Neudorf, Graz-Raaba und Villach mussten wir jedoch vorübergehend schließen.

Was unternehmen Sie, um Mitarbeiter zu schützen?

Wir haben vielfältige Maßnahmen getroffen, um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen. Dazu zählt, dass alle Mitarbeiter, die nicht produzieren, nicht im Labor, Lager oder Logistik arbeiten, seit gut drei Wochen im Homeoffice tätig sind. Meetings halten wir zu einem Großteil digital ab.

Weiters gelten zusätzliche Maßnahmen, die ein Arbeiten vor Ort, etwa im Lager und der Produktion, möglich machen. Mitarbeiter und externe Besucher müssen mindestens 1,5 Meter Abstand zueinander halten, ihre Hände gründlich waschen und wir stellen Handschuhe und Masken bereit. Nach jeder Schicht werden alle Oberflächen, die regelmäßig berührt werden, sorgfältig desinfiziert und in allen Bereichen wurde Desinfektionsmittel bereitgestellt. An den Produktionsstandorten wurden separate und isolierte Toiletten für externe Besucher, vor allem für LKW-Fahrer, aufgestellt. Für das Be- und Entladen von LKW gelten spezielle Vorschriften, die Hygiene und Abstand garantieren. Zudem wurden alle Außentore auf dem Betriebsgelände geschlossen, sodass sich Externe nicht ohne eine ausdrückliche Anweisung von Sika Führungskräften auf dem Betriebsgelände bewegen können.

Einige Firmen, die die Möglichkeiten dazu haben, stellen derzeit selbts Desinfektionsmittel her. Sie auch?

Überall herrscht derzeit hoher Bedarf an Desinfektionsmitteln, deshalb haben wir vor Kurzem mit der Eigenproduktion gestartet. Einen Teil der produzierten Desinfektionsmittel werden wir zum Schutz unserer Mitarbeiter in allen Werken und im Außendienst nutzen, ein weiterer Teil wird in den Verkauf an unsere Kunden und Lieferanten gehen sowie an Organisationen aus dem Gesundheitsbereich gespendet werden.

Blicken Sie optimistisch in die Zukunft?

Fakt ist, dass ein totale Stillstand auf den Baustellen jedenfalls fatal gewesen wäre. Wir sind zuversichtlich, dass es mit den neuen Maßnahmen gelingen wird, die Mitarbeiter auf den Baustellen zu schützen und gleichzeitig den Druck in der Bauwirtschaft zu verringern.

Autor/in:
Theresa Kopper
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