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Sanierung als Antikrisenfaktor

18.03.2010

Die geplante Budgetkonsolidierung wird auch die Wohnbauförderungsmittel betreffen. Die Gemeinnützigen warnen nun vor fehlenden Alternativen und wollen den Neubau wie auch die Sanierung stärker forcieren.

Karl Wurm, Obmann Österreichischer Verband der gemeinnützigen Bauvereinigungen, warnt davor, die Wohnraumfinanzierung zu destabilisieren. Die gemeinnützigen Bauvereinigungen (gbv) erbringen mit ihren 191 Mitgliedsvereinigungen 30 Prozent der Bauleistung Österreichs. 2009 stellten die gbv 15.500 Wohnungen fertig. Das entspricht 840 Wohneinheiten mehr als im Jahr 2008.
2010 werden rund 15.700 Wohnungen bezugsfertig sein. Die größte Bauleistung liegt zurzeit in Oberösterreich, der Steiermark und Wien. „Zurzeit haben die gbv 24.800 Wohnungen in Bau, rund 700 mehr als 2009“, erklärt Wurm. Mit Ende 2010 sollten rund 23.500 Wohnungen in Bau sein, für 2011 sind weitere 14.000 geplant.

Zu wenige Kredite

Zwischen 2001 und 2009 weitete sich das Sanierungsvolumen von 337 Millionen Euro auf 490 Millionen Euro aus. „Mit der konstant hohen Sanierungstätigkeit sind wir Musterschüler und zugleich Vorreiter. Allein in dem Bereich sichern wir 5.800 Arbeitsplätze im Bau- und Baunebengewerbe und sparen rund 45.000 Tonnen CO2-Emissionen ein. Die Vereinigungen der gbv verfügen somit über die meisten thermisch sanierten Wohnungen“, betont Wurm.

Der freifinanzierte Wohnbau erlitt in den vergangenen Monaten einen massiven Einbruch. So sehr sich der Neubau in konjunkturellen Wachstumsphasen durch eine Intensivierung der Bauleistung auszeichnet, so rasch reagiert er auch auf einen Rückgang der konjunkturbedingten Nachfrage mit einer Verringerung der Neubauproduktion. „Großen Anteil an dieser negativen Entwicklung sehe ich bei den Banken, die sich mit der Vergabe von langfristigen Wohnbaudarlehen nach wie vor zurückhaltend zeigen. 2010 wird es unserer Meinung nach zu einem Rückgang im freifinanzierten Neubau um über 30 Prozent kommen“, so Wurm.

Ein wesentlicher Punkt ist auch die Zuwanderung – welche laut Wirtschaftsforschungsinstitut 2010 wieder zurückgehen wird. Ausgehend von einer gleichbleibenden Zuwanderungsrate spricht Wurm von einem jährlichen, mittelfristigen Wohnungsbedarf von rund 48.000. „Trifft dieser Bedarf mit einer weiterhin rückläufigen Wohnbauleistung zusammen, drohen massive Engpässe in der Wohnversorgung“, warnt Wurm.

Die Wünsche der Wohnräume haben sich nicht zuletzt aufgrund der Einkommensrückgänge geändert. „Wir beobachten eine klare Tendenz zu günstigen Wohnungen, im Schnitt 80 Quadratmeter um rund 500 Euro. Parallel gibt es zurzeit ein starkes Interesse für größere und zugleich teurere Wohnungen, mit rund 100 Quadratmeter um rund 650 Euro. Wir sind auch davon überzeugt, dass der krisenbedingte Rückgang des freifinanzierten Wohnbaus durch eine Forcierung des geförderten Neubaus ‚aufgefangen‘ werden muss“, so Wurm.

Zweckbindung WBF gefordert
Eindringlich warnt Wurm vor einer Kürzung der Wohnbauförderung im Rahmen der Budgetkonsolidierung: „Falls es zu einer Reduktion kommt, müssen Alternativen gefunden werden, uns schwebt da z. B. das Schweizer Modell vor, da stellen die Pensionskassen Geld für den Wohnbau zur Verfügung. Die Bedeutung der Wohnbauförderung ist vor allem für den Mittelstand wie auch für sozial schwache Familien enorm und darf daher nicht unterschätzt werden. Wir benötigen eine bedarfsgerechte Wohnbauförderung – auch die Wiedereinführung der Zweckbindung wäre wichtig. Die Steiermark ist bereits in der Diskussion deshalb.“ Eine Kürzung der Wohnbauförderung um 500 Millionen Euro würde einen Rückgang um 5.400 fertiggestellte Wohnungen und eine Reduktion der Sanierungsinvestitionen um 350 Mio. Euro zur Folge haben. „Nur die Forcierung der Wohnbauförderung wird den Wohnbau stabilisieren und die Bauwirtschaft zugleich absichern“, so Wurm.

Gisela Gary

Autor/in:
Redaktion Bauzeitung
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